Haibane Renmei
Episode 11: Abschied / Dunkelheit der Seele / Etwas Unersetzliches
Während ihrer Arbeit im Inneren der Mauer läßt Rakka die Ereignisse der vergangenen Wochen an sich vorüber ziehen:
| Rakka: | Im Verlauf des Winters haben sich viele Dinge geändert. |
|---|---|
| Rakka: | Kuus Abschied, die tsumitsuki-Krankheit... |
Die "tsumitsuki-Krankheit" entspricht in der Tat dem, was Rakka selbst darunter verstehen mag; ob sie wirklich in der Lage ist, den Zusammenhang zwischen ihrer Verzweiflung und der Farbe ihrer Flügel zu erkennen, ist nach ihrem Dank an Reki ("Deine Medizin hat mich geheilt - meine Flügel fühlen sich viel leichter an") zu bezweifeln.
| Rakka: | Der Tod des Vogels... |
|---|---|
| Rakka: | Ich erinnere mich wieder an meinen Kokon-Traum. |
| Rakka: | Und ich habe eine Arbeit gefunden. |
| Rakka: | Aber auf Reki lastet immer noch der Fluch, tsumitsuki zu sein... |
| Rakka: | Sie kämpft darum, sich an ihren Traum zu erinnern. |
Rakka selbst hatte dagegen Angst vor diesem Kampf und brauchte die Hilfe des Vogels.
Dai darf zu Besuch in die Verlassene Fabrik. Die besorgte Reki legt ihrem Liebling extra noch ihren eigenen Schal um den Hals (den wir später an ihrem Schneemann sehen werden!); die anderen Kinder sind richtig neidisch auf ihn:
| Hana: | Hat der ein Glück! Auswärts übernachten... |
|---|---|
| Shota: | Ich will auch mitkommen! |
| Reki: | Im nächsten Jahr, Shota. |
Noch ist das eine Perspektive, mit der Reki ihre eigene Zukunft plant. Aber nicht mehr lange...
| Shota: | Warum darf denn nur Dai gehen? Das ist doch unfair! |
|---|
Und Dai grinst sich eins...
| Reki: | Dai. |
|---|---|
| Reki: | Paß auf dich auf. |
Dai wundert sich über Rekis übertriebene Fürsorge - aber dann rennt er davon:
| Dai: | Ist doch klar! |
|---|
Dai und Rakka verlassen Old Home; Reki blickt den beiden hinterher...
Der Titel der Episode:
| Titel: | Abschied |
|---|---|
| Titel: | Dunkelheit der Seele |
| Titel: | Etwas Unersetzliches |
Da hat Abe-san uns mal wieder etwas beschert, woran wir uns die Zähne ausbeißen dürfen... Der Episoden-Titel lautet: "Betsuri - Kokoro no Yami - Kake-gae-no-nai mono". "kakegae" bedeutet "Ersatz / Vertretung"; "no nai" bedeutet (in diesem Fall) "nicht haben" or "gibt es nicht". Als zusammenhängende Phrase hat "kake-gae-no-nai" die Bedeutung "unersetzlich, unschätzbar, unbezahlbar". Und "mono"... tja, genau hier liegt das Problem. Denn diese dritte (besonders lange) Zeile ist in Hiragana geschrieben, nicht in Kanji! Wäre sie in Kanji geschrieben, dann könnte man erkennen, ob "mono" hier "Ding" oder "Person" meinen soll (das wären zwei verschiedene Kanjis). Da Hiragana aber eine Lautschrift und keine Bedeutungsschrift ist, kann man genau dies eben nicht unterscheiden. Deshalb meine ich, diese Mehrdeutigkeit ist beabsichtigt und wir dürfen "mono" nicht (so) übersetzen (, daß wir diese Mehrdeutigkeit zerstören würden).
Wenn man das Ende der Episode betrachtet, könnte sich der 3. Teil des Titels auf Reki beziehen, die für Rakka unersetzlich zu sein scheint. Vielleicht auch auf Kuramori, aus Rekis Sicht - oder gar auf den Moment, den Rakka und Reki gemeinsam erleben und den Reki beschreibt: "Weil dieser Moment [, den wir gerade erleben,] nur jetzt existiert, ist er etwas sehr Kostbares." Was auch immer es sein mag - Reki für Rakka, Kuramori für Reki oder der Augenblick für beide: Allen dreien haftet der Hauch des Vergänglichen, des Verlustes an. Deshalb bevorzuge ich "Unersetzlich" gegenüber "Wertvoll". Und weil die Japaner sich nicht zwischen "Ding" und "Person" entscheiden wollten, dürfen wir das auch nicht. Also müssen wir die Natur des "mono" weglassen und übersetzen: "Etwas Unersetzliches".
Rakka und Dai gehen durch die schneebedeckte Stadt zur Verlassenen Fabrik; Dai, der von dort stammt, kennt den Weg. Rakka trägt Hikaris Gebäck als Gegengeschenk in einem Korb mit sich.
| Rakka: | Ich mag den Geruch des Flusses. |
|---|---|
| Rakka: | Er erinnert mich an irgend etwas. |
| Dai: | Echt? |
Der Schal ist Dai sichtlich unbequem; auch Rakka bemerkt das:
| Rakka: | Ist dir heiß? |
|---|---|
| Dai: | Reki hat mir den angezogen. Sie meint, ich würde mich sonst erkälten. |
Dai ist nicht dieser Ansicht, denn er zieht den Schal in diesem Moment aus.
Nun stellt Rakka eine Frage, über die man sich eigentlich nur wundern kann:
| Rakka: | Wirst du sie vermissen, während du fort bist? |
|---|---|
| Dai: | Warum denn? Sind doch nur zwei Wochen... |
Richtig - Rakka hat sich da im Prinzip gerade blamiert. Aber anscheinend beschäftigt sie sich inzwischen selbst mit der Frage, wie sehr sie Reki vermissen würde, wenn beide nicht mehr zusammen sein könnten...
Dai hingegen beweist in dieser Szene, daß er eine bessere Beobachtungsgabe hat als die meisten anderen Haibane:
| Dai: | Aber weißt du... |
|---|---|
| Dai: | Mit Reki stimmt doch irgendwas nicht. |
| Dai: | Sie ist viel ruhiger als sonst und sie sieht so abwesend aus. |
Reki ist "in Gedanken versunken" und wird Dai deshalb wahrscheinlich zu Recht unkonzentriert erscheinen.
Dem kleinen Jungen ist Rekis aktuelle Krise (seit dem Verschwinden von Rakkas tsumitsuki-Flecken auf den Flügel und Rekis anschließender Unterhaltung mit Washi) nicht verborgen geblieben, obwohl Reki sich alle Mühe gibt, ihren Zustand zu verbergen. Rakka begreift dies an dieser Stelle aber noch nicht - ihre "Momente der Erkenntnis" werden erst später in dieser Episode folgen.
| Rakka: | Vielleicht vermißt Reki dich schon. |
|---|---|
| Dai: | Ich habe da so ein komisches Gefühl. |
| Dai: | Weißt du, ich gehe ja nicht weit weg. |
Dai nicht... aber Reki vielleicht? Rakka atmet tief durch... "Weggehen" verbindet sie immer noch mit Kuu und dem Weg über die Mauer. Dai bemerkt das Verhalten von Rakka und sieht sie neugierig an (stimmt mit der nun etwa auch etwas nicht?), sagt aber nichts. Rakka braucht eine Weile, bis sie sich aus ihren Gedanken reißen und etwas möglichst Unverbindiches antworten kann:
| Rakka: | Oh, du hast recht. |
|---|
Rakka und Dai haben das Fabrikgelände erreicht. Rakka steht ratlos vor dem Zaun, aber Dai kennt den getarnten Eingang:
| Dai: | Hier drüben! |
|---|
Der kleine Junge wuchtet das schwere Brett zur Seite, welches das Loch im Zaun verdeckt hat:
Rakka hat etwas mehr Mühe als Dai, durch das Loch zu kriechen, aber sie holt den Jungen schnell wieder ein. Die Fabrik sieht allerdings wie ausgestorben aus:
| Rakka: | Ob wohl jemand zu Hause ist? |
|---|
Diese Frage wird durch die Explosion einer Handvoll Sylvesterkracher direkt vor Rakkas Füßen umgehend beantwortet. Rakka erschrickt darüber mehr als Dai, der die Sitten in der Fabrik besser kennt als "die Neue".
| Factory: | Habe ich euch erschreckt? |
|---|
Im einem der oberen Stockwerke der Fabrik steht lachend derjenige, der diese Kracher geworfen hat. Doch bevor Rakka antworten kann, steht Hyouko hinter diesem Jungen, der nun selbst erschrickt... und beinahe abgestürzt wäre, wenn Hyouko ihn nicht an seiner Jacke festgehalten hätte (mit "Abstürzen" kennt Hyouko sich aus).
| Factory: | Was soll denn das? |
|---|---|
| Hyouko: | Die sind wertvoll! Verschwende sie nicht! |
| Hyouko: | Sonst haben wir zum Fest keine mehr. |
Hyouko kritisiert lediglich den unökonomischen Umgang mit dem kostbaren Material. Die Gäste hat er nämlich noch gar nicht gesehen:
| Factory: | Ich begrüße doch bloß unsere Gäste. |
|---|
Jetzt erst reißt Hyouko die Augen auf und blickt in den Fabrikhof hinunter:
| Hyouko: | Hä? |
|---|---|
| Hyouko: | Ah - die Kleine mit der wirren Frisur... |
Aus einem Seitengebäude kommen drei Mädchen auf Rakka zu - eines davon hat sie bereits gesehen, sowohl damals bei Rekis Streit an der Brücke als auch gestern bei der Übergabe von Hyoukos Entschuldigungs-Paket. Rakka gewinnt ihre Fassung wieder - und nun kann sie den Korb abliefern. Die Empfänger sind begeistert:
| Factory: | Wow, danke schön. |
|---|---|
| Factory: | Das wäre doch nicht nötig gewesen. |
Tja, auch Kana war dieser Meinung - aber zum Glück hat Hikari sich durchgesetzt...
| Midori: | Hast du die selbst gemacht? |
|---|---|
| Rakka: | Nein, das war Hikari. Äh... |
Rakka ist umgeben von fremden Leuten, von denen sie wenig (und vor allem wenig Positives, nach Nemus Beschreibung) weiß. Sie hat ihren Auftrag ausgeführt und würde nun ihren Besuch gerne beenden. Doch die Mädchen erweisen sich als weitaus umgänglicher, als Rakka erwartet hatte, und verwickeln ihren Gast sofort in ein Gespräch:
| Factory: | Ah, ich weiß! Das Mädchen, das in der Bäckerei arbeitet, nicht wahr? |
|---|---|
| Factory: | Und wie heißt du? |
| Rakka: | Ich heiße Rakka. |
Dai steht nicht auf Smalltalk - er ist jetzt wieder zuhause und blickt mit großen Augen auf das Skateboard, auf dem Hyouko gerade angerollt kommt. Und dieser erweist ihm nach einem kurzen Nachdenken die Ehre, sein Fahrzeug ausprobieren zu dürfen:
| Hyouko: | Versuch's mal! |
|---|
Ein solches Spielzeug hat Dai in Old Home nicht. Das Gleichgewicht auf einem derartig beweglichen Brett zu halten erfordert allerdings einiges an Übung - und diverse Fehlversuche. Dai landet erst mal auf seinem Hosenboden. Midori beobachtet die Szene mit einigem Mißtrauen:
| Midori: | Übertreibt es nicht. Er wird sich noch verletzen! |
|---|
Hyouko sieht das nicht so eng - und daß Midori ihn gerne und oft kritisiert, haben wir bereits in der vorherigen Episode erleben dürfen.
| Hyouko: | Ich passe schon auf! |
|---|
Und Hyouko nimmt Dai mit sich. Nicht nur Reki scheint den Kleinen in ihr Herz geschlossen zu haben... Midori hat wie immer etwas zu meckern:
| Midori: | Er ist so ein Kindskopf! |
|---|---|
| Midori: | Naja, vermutlich ist er deshalb ein guter Spielgefährte für den Jungen. |
Ich vermute, Midori meint das insgeheim etwas spöttischer: "Die beiden passen gut zusammen." Hyouko wäre dann also (im Sinne der Verantwortlichkeit) auch nicht älter als Dai. Und nach dem, was wir gerade zwischen Dai und Rakka erlebt haben, dürfte sie damit sogar Recht haben...
Dai fällt auch beim nächsten Versuch wieder hin... doch Midori wendet sich nun endlich ihrem Gast zu:
| Midori: | Bist du sauer? |
|---|---|
| Rakka: | Wieso? |
| Midori: | Ich meine, auf Hyouko. |
| Rakka: | Nein, gar nicht. |
| Midori: | Gut. |
| Rakka: | Jedenfalls danke schön, daß ihr auf Dai aufpaßt. |
Rakka verbeugt sich mal wieder - das muß den wesentlich lockereren Fabrik-Haibane bestimmt komisch vorkommen...
| Factory: | Es ist doch genau umgekehrt! |
|---|---|
| Factory: | Ihr seid es doch, die sich die ganze Zeit um unsere Kleinen kümmern. |
Aber Rakka kommt mit ihrer defensiven, unprovokativen Art hier durchaus an - ihr gegenüber müssen die Fabrik-Bewohner nichts "beweisen". Das Mädchen mit der Mütze ergreift die Gelegenheit beim Schopf, diese Besucherin als Katalysator zu nutzen, um die gespannte Lage zwischen den beiden Haibane-Gruppen aufzulockern:
| Factory: | Wir sollten Old Home wirklich mal wieder einen Besuch abstatten. |
|---|---|
| Factory: | Aber nach all dem Ärger haben wir uns ziemlich auseinandergelebt. |
| Factory: | Wir reden ja kaum noch miteinander. |
Genau diese Möglichkeit zum Reden hat Rakka (oder eigentlich sogar Hikari mit ihrer Idee eines Gegengeschenks...) mit dem heutigen Besuch geschaffen.
| Rakka: | Was für Ärger? |
|---|---|
| Factory: | Ach ja, du bist ja neu hier. |
| Factory: | Na ja, es sind halt so einige Dinge vorgefallen. Nicht wahr, Midori? |
Die Sprecherin ist wahrscheinlich älter als Rakka - aber ich denke, sie hat die angesprochenen Zeiten nicht selbst miterlebt, sonst würde sie wenigstens ansatzweise davon erzählen. Statt dessen verweist sie auf eine Informationsquelle, welche aus erster Hand über die Ereignisse berichten könnte... die Angesprochene mit ihrer Unversöhnlichkeit gegenüber Reki und ihrem Steinwurf an deren Kopf ist ein wesentlicher Grund für die seit fünf Jahren gespannte Lage. Aber Midori bleibt erst mal weiter stur:
| Midori: | Ich weiß nicht, was du meinst. |
|---|---|
| Factory: | Hach, sie ist so stur. |
Rakka erhält bei diesem Besuch aber keineswegs den Eindruck, die Fabrik-Haibane seien pauschal "Rüpel", wie Nemu sie bezeichnet hatte. Im Gegenteil - zumindest diese beiden Mädchen nehmen die Geste der Verständigung dankend an. Aber von sich aus zu fragen, was passiert ist, das traut Rakka sich dann doch nicht.
Rakka ist bereits wieder auf dem Heimweg, als eine atemlose Midori ihr nachgelaufen kommt:
| Midori: | Hey, warte! |
|---|---|
| Midori: | Hab' ich ganz vergessen... |
| Midori: | Gib den hier bitte Reki zurück. Sie hatte ihn mir geliehen. |
| Rakka: | Mach ich. |
Endlich bekommen die beiden Mädchen eine Gelegenheit, ungestört miteinander zu reden. Und Midori versucht zunächst einmal, "das Terrain zu erkunden" - außer deren abenteuerlichen Frisur und dem Eindruck des heutigen Besuchs weiß sie ja noch nicht viel über Rakka.
| Midori: | Und Reki steckt immer noch überall ihre Nase rein, was? |
|---|
Interessante Eröffnung des Gesprächs: Midori versucht, eine Reaktion aus Rakka herauszukitzeln. Aber zunächst kommt keine.
| Midori: | Sag mal... |
|---|---|
| Midori: | Du hast wirklich keine Ahnung? |
| Rakka: | Naja, ich habe gesehen, wie ihr euch hier mit Reki gestritten habt. |
| Midori: | Und? |
| Rakka: | Und ich habe gehört, daß Reki und Hyouko-san aus der verlassenen Fabrik miteinander... |
Rakka ergänzt am Ende sehr zögernd "Hyouko... -san" (während ansonsten die Verwendung von Honorifixen in Haibane Renmei ziemlich unüblich ist - spontan fällt mir noch "Sumika-san" ein, aber das war's dann wohl); sie versucht hier, ganz besonders höflich zu sein und dieses "heiße Eisen" mit ganz spitzen Fingern anzufassen, um Midori nicht zu verärgern.
Midori wendet sich ab... sie ist mit dieser Darstellung der Geschichte nicht einverstanden. Wahrscheinlich hat Reki also auch diese Rakka entsprechend "instruiert"...
| Midori: | Durchgebrannt sind, ja? Ach, hör doch auf! |
|---|
Aber Rakka hat keine vorgefaßte Meinung - und wenn Midori ihr erklären würde, was denn eigentlich passiert ist, dann wüßte sie immerhin schon mal mehr darüber. Also fragt sie in ihrer naiven Unschuld:
| Rakka: | Stimmt das denn nicht? |
|---|
Und tatsächlich beginnt Midori, zu erzählen - sie hängt zweifellos sehr an Hyouko und hat die Geschichte von damals noch immer nicht verarbeitet:
| Midori: | Reki hat Hyouko mit ihrer Selbstsucht da hineingezogen. |
|---|---|
| Midori: | Ihretwegen wäre er fast gestorben. |
Rakka ist fassungslos:
| Rakka: | Reki... |
|---|
Und genau wie Midori spricht Rakka einfach aus, was sie fühlt:
| Rakka: | Reki würde so etwas Furchtbares nie tun! |
|---|
Das war nun nicht gerade das, was Midori in diesem Moment hören wollte. Aber sie unterdrückt einen Wutausbruch, reißt sich zusammen - und findet eine Entschuldigung für das Verhalten "der Neuen":
| Midori: | Du weißt nichts über Reki! Gar nichts... |
|---|
Midori ist nicht wütend auf Rakka, sie senkt am Ende ihre Stimme und wird nachdenklich - darf sie sich denn ihrer eigenen Meinung über die Ereignisse nach all diesen Jahren so sicher sein, wenn diese Rakka derartig bedingungslos zu Reki hält?
Immerhin ist diese Aussprache also nicht gescheitert, auch wenn die beiden Mädchen weiterhin sehr unterschiedliche Meinungen über Reki haben.
Insgesamt war Rakkas Besuch in der Fabrik ein erstaunlicher Erfolg: Hyouko weiß nun, daß seine Entschuldigung akzeptiert wurde und daß Rakka ihm nicht böse ist; die Mädchen wissen, daß nicht alle Haibane in Old Home hochnäsig und unnahbar sind (wie Midori das zweifellos darstellen würde); Midori weiß, daß Rakka Rekis Freundin sein muß und fest zu dieser hält - aber gleichzeitig den Kontakt zu den Fabrik-Haibane zu suchen bereit ist und nicht vor deren Verhalten zurück schreckt (anders als etwa die zimperliche Hikari oder die träge Nemu).
Direkt nach ihrem Besuch in der Verlassenen Fabrik geht Rakka zur Arbeit. Und im Inneren der Mauer hat sie Gelegenheit, diese Unterhaltung zu verarbeiten:
| Rakka: | Reki soll jemanden verletzt haben? |
|---|
Midoris Worte haben Rakka einiges zu denken gegeben. Ob sie sich in Episode 13 (nachdem Reki sich alle Mühe gegeben hat, Rakka zu "verletzen"!) an diesen Satz erinnern wird?
Aber Rakka schüttelt den Kopf - sie kann das nicht glauben:
| Rakka: | Reki ist doch immer so nett. |
|---|---|
| Rakka: | Sie kümmert sich stets um andere, auch wenn sie selbst insgeheim leidet. |
Das "insgeheim" beinhaltet das "Geheimhalten", welches Reki bisher mit Meisterschaft praktizierte.
Rakka fällt vor Überraschung das Seil des Bootes aus der Hand - denn plötzlich hat sie begriffen, daß sie tatsächlich vieles über Reki nicht wußte. Das Gespräch mit Midori hat sie in dieser Hinsicht weiter gebracht, und auch Dais Beobachtung von Rekis Verhalten wird ihr jetzt vielleicht bewußt. Aber den Durchbruch wird erst anschließend Washi bewirken, der Rakka unter Zeitdruck setzt.
| Rakka: | Und ich habe das die ganze Zeit nicht bemerkt. |
|---|---|
| Rakka: | Als Kuu uns verließ und ich tsumitsuki wurde... |
| Rakka: | ...hat Reki in Wahrheit am meisten von uns gelitten. |
Rakka hatte während der Abschiedszeremonie von Kuu immerhin bemerkt, wie Reki alleine in einer Ecke stand - nun fällt ihr diese Szene wieder ein.
| Rakka: | Aber ich habe mich immer auf sie verlassen. |
|---|
Rakka hat die ganze Zuwendung von Reki angenommen, ohne einen Gedanken darauf zu verlieren, wie es in Reki aussehen mag - das war keine echte Freundschaft. Und das wirft Rakka sich jetzt als Versäumnis vor (und daraus zieht sie ihre Energie, Reki nun um so engagierter zu helfen).
Rakka schreckt aus ihren Gedanken auf - denn das Boot treibt davon:
| Rakka: | Oh je! |
|---|---|
| Rakka: | Halt! |
In Panik rennt Rakka dem Boot hinterher. Sie versucht, es mit ihrer Stange aufzuhalten, wird aber mitgerissen und glücklicherweise ins Boot geschleudert. (Ob sich die Todesszene in ihrer vorherigen Existenz so ähnlich abgespielt hat - ebenfalls am Ufer eines Flusses?)
Rakka hat sich wieder gefaßt - doch sie bemerkt, daß das Boot auf ein Licht zutreibt:
| Rakka: | Was ist das? |
|---|
Rakka zieht es mit unerklärlicher Kraft zu einer Stelle, wo eine Plakette besonders deutlich zu leuchten scheint:
| Rakka: | Fantastisch... |
|---|---|
| Rakka: | Diese Zeichen... |
Rakka sagt "moji" (Buchstaben), was allerdings auch Kanji mit einschließen würde, die für westliche Zuschauer keine Buchstaben, sondern Silben sind. Hane stehen in der Tat für einzelne Buchstaben - aber so weit geht Rakkas Verständnis dieser Schrift hier noch nicht. Sie benötigt mindestens noch die Idee von Sumika später in dieser Episode, um auf die richtige Spur zu kommen. (Der rechte Teil der Inschrift, über welchen Rakka mit ihren Fingern fährt, lautet übrigens "Abe <Mensch> Yos[hitoshi]". ;-)
Rakka schrickt wieder aus ihren Gedanken auf - sie hat ein Geräusch gehört. Tropfen scheinen in das Wasser des Blauen Flusses zu fallen - Rakka kann die Kreise sehen, die diese Tropfen ausgelöst haben... hatte Kuu nicht etwas von Tropfen erzählt, die den Becher in ihrem Herzen gefüllt hatten? Und dann hört Rakka lachende Kinderstimmen! Sind das Seelen, die an ihr vorbei ziehen? Rakka weicht zurück bis zur Wand des Gangs, und sie atmet schwer... die Tropfen ziehen vorbei an Rakkas Boot, welches dabei im Wasser schwankt. Rakka ist immer noch ganz atemlos, als die Erscheinung bereits verschwunden ist.
Nach getaner Arbeit meldet Rakka sich bei Washi.
| Washi: | Oh, du bist schon fertig? |
|---|
Washi scheint nicht so bald mit Rakka gerechnet zu haben (sonst hätte Reki vielleicht im Inneren des Tempels gewartet und wäre nicht alleine zu ihrem Motorroller zurück gelaufen).
| Washi: | Reki war hier, um dich abzuholen. |
|---|---|
| Washi: | Sie scheint besorgt um dich zu sein. |
Reki ist immer besorgt um Rakka - Washi weiß das bereits seit einiger Zeit und hat es Reki in Episode 10 bereits belobigend anerkannt. Aber nun bestätigt er auch Rakka, wie sehr Reki sich für ihre Freundin einsetzt.
Washi begleitet Rakka ein Stück auf deren Heimweg - das Mädchen hat ihr Problem noch keineswegs endgültig überwunden und bedarf in dieser Phase seiner Betreuung. Gleichzeitig nutzt er nun die Gelegenheit, durch Rakka vielleicht doch noch auf Reki einwirken zu können.
| Rakka: | Reki wirkt in letzter Zeit ein wenig nervös. |
|---|---|
| Washi: | Der Gedanke quält sie, daß sie das Nest noch nicht verlassen konnte. |
| Washi: | Aber zugleich wünscht sie sich, daß ihr Tag niemals kommen möge. |
| Rakka: | Es tut mir weh, sie so leiden zu sehen. |
| Rakka: | Aber ich will nicht, daß sie geht. |
Tja - das ist ein echtes Problem, auch wenn Rakka dies in diesem Moment noch nicht bewußt ist. Zunächst hatte sie sich nach Kuus Abschied in die Isolation ihrer Nußschale zurückgezogen und war prompt tsumitsuki geworden; nachdem zunächst Reki und dann der Vogel ihr aus dieser Klemme heraus geholfen haben, tendiert Rakka nun zum anderen Extrem: Sie klammert sich in selbstsüchtiger Weise an Reki (der Vogel ist ja nicht mehr verfügbar - bis zum Ende der Serie spielen die Krähen nun keine Rolle mehr für Rakka). Aber immerhin spricht Rakka Washi gegenüber ihre geheimsten Ängste und Befürchtungen aus - sie hat volles Vertrauen zu ihm, und das wird für alle Beteiligten noch sehr wichtig werden.
| Washi: | Reki hat ihren Weg noch nicht wiedergefunden. |
|---|
Dasselbe sagte Reki von sich selbst zu Rakka auf dem Weg in die Stadt mit den Kindern zum Kleiderhändler, in Episode 8: "Als ich Kuramori verlor, bin ich vom Weg abgekommen." Vielleicht noch etwas runder.
| Washi: | Rakka, zu dir ist der Vogel gekommen. |
|---|---|
| Washi: | Deshalb konntest du die fehlenden Bruchstücke deiner Erinnerungen ergänzen. |
| Washi: | Reki jedoch hat niemanden. |
| Washi: | Sie muß sich der Dunkelheit in ihrer Seele allein stellen. |
Genau das tut Reki bisher nicht - sie versucht, ihrem Problem auszuweichen, indem sie darauf verzichtet, zu versuchen, Guri auf dem "üblichen Weg" zu verlassen.
| Washi: | Das ist eine schwere Prüfung. |
|---|
Washi macht Rakka klar, wie viel einfacher sie es durch die Hilfe des Vogels hatte. Das ist sowohl für Reki als auch für Rakka der Schlüssel für deren Erlösung: Rakka wird begreifen, daß sie selbst sich alleine nicht aus dem Rad der Sünde hätte befreien können - und deshalb wird sie die Hilfe, welche sie selbst von diesem Vogel erhalten hat, ihrer Freundin Reki gewähren, ungeachtet aller Widerstände und ihrer eigenen (in diesem Moment noch selbstsüchtigen) Anhänglichkeit gegenüber Reki.
| Rakka: | Reki hat die ganze Zeit Bilder aus ihrem Traum gemalt. |
|---|---|
| Rakka: | Ich habe sie zwar einmal sehen dürfen, konnte aber nichts erkennen. |
| Rakka: | Ich glaube, Reki versteht sie auch nicht. |
| Washi: | Reki bleibt nicht mehr viel Zeit übrig. |
Erschrocken reißt Rakka die Augen auf und bleibt stehen.
| Washi: | Wir wissen nicht genau, wann... |
|---|
Das "ich" bzw. "wir" ist in der japanischen Version nicht festgelegt, aber normalerweise spricht Washi im Namen der Renmei, wenn er nicht exiplizit "ich" sagt.
| Washi: | Aber bis zum Ende dieses Winters muß eine Entscheidung fallen. |
|---|---|
| Washi: | Wenn Reki dann immer noch zweifelt, wird sie wahrscheinlich hier bleiben. |
Reki ist eine gute Haibane geworden, der Halt für die Schwachen - Washi hat ihr das bereits bestätigt. Doch Reki selbst zweifelt daran, den Segen von Guri verdient zu haben - dieser Zweifel alleine hindert sie daran, das Nest zu verlassen.
Das ist eine Möglichkeit, von der Rakka bisher noch nichts wußte:
| Rakka: | Ist es denn möglich, hier zu bleiben? |
|---|---|
| Washi: | Es kommt sehr selten vor, daß jemand so endet. |
"Enden" (im Gegensatz zu "sich weiterentwickeln") ist ein sehr trauriger Begriff für diese Entscheidung - Washi weiß, wovon er spricht.
| Washi: | Solche Personen werden jedoch nicht länger "Haibane" genannt. |
|---|---|
| Washi: | Sie verlieren ihre Flügel und den Halo und leben fortan getrennt von Menschen und Haibane. |
Die Kamera fährt während Washis Worten über die grauen Schulterklappen auf dem Rücken seines Mantels und das Renmei-Zeichen auf seiner Kapuze - die Symbole für Flügel und Halo? Ich bin sicher, Washi selbst ist einer derjenigen Haibane, die das Nest nicht verlassen konnten - und dann kennt er das Leben, welches auf Reki warten würde, nur zu genau:
| Washi: | Und schließlich werden sie alt und sterben. |
|---|---|
| Washi: | Es ist ein ruhiges und friedvolles,... |
| Washi: | ...aber einsames Leben. |
| Washi: | Ich... äh, ich meine: Die Haibane Renmei wünscht sich, daß alle Haibane das Nest sicher verlassen können. |
Ein einziges Mal in all seinen langen Reden hat Washi sich "verplappert": Er selbst hängt an Reki, er kennt deren schweres Schicksal genau (wie wir an der von ihm aufgeschriebenen Geschichte in Episode 13 sehen werden), und er ist bereit, sich mit aller Kraft (und eventuell auch dem Bruch von Renmei-Regeln...) für sie einzusetzen. Doch all dies nützt bisher nichts, denn:
| Washi: | Aber Reki weist mich jetzt nur noch zurück. |
|---|
Während es früher einmal eine Zeit gegeben haben muß, in der Reki ihm zugehört hat - damals hat er ihr auch das Rätsel gestellt.
| Washi: | Was auch immer ich sage, Reki verschließt ihr Herz. |
|---|
Washi hat Rakka eindringlich klar gemacht, daß er mit seinen eigenen Möglichkeiten am Ende ist - und daß Reki dringend Unterstützung aus einer anderen Richtung benötigt, weil ihr die Zeit davon läuft. Bei Rakka ist diese Botschaft angekommen - und natürlich ist sie sofort bereit, sich für ihre Freundin einzusetzen:
| Rakka: | Ich möchte ihr Kraft geben! |
|---|
Rakka ist überzeugt davon, daß Reki ihr Problem nur selbst lösen kann und daß sie ihrer Freundin bestenfalls moralisch zur Seite stehen kann. Daß sie selbst am Ende Kopf und Kragen riskieren muß, um Reki zu retten, ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
| Rakka: | Sie litt die ganze Zeit über, aber sie hat es immer verborgen und mir geholfen. |
|---|---|
| Rakka: | Jetzt ist es an der Zeit, daß ich Reki helfe! |
Doch Washi stellt Rakka die entscheidende Gegenfrage: "Hast du dir das auch genau überlegt? Weißt du, welche Konsequenzen deine Entscheidung hat?" Genau hier ist Rakka noch nicht sonderlich "reif" - sie läßt sich bei ihren spontanen Handlungen oftmals von ihrem Herzen leiten.
| Washi: | Reki zu retten bedeutet, Abschied von ihr zu nehmen. |
|---|---|
| Washi: | Wenn Reki geht, dann siehst du sie vielleicht nie wieder. |
| Washi: | Bist du bereit dazu? |
Rakka senkt den Kopf - auf diese Frage hat sie keine spontane Antwort.
Reki und Rakka befinden sich in ähnlichen Situationen: Reki darf ihre Freundschaft zu Rakka nicht durch ihre aufkommende Eifersucht auf Rakkas Erlösung überschatten lassen, und Rakka muß ihren Wunsch, mit Reki für immer zusammen bleiben zu können, hinter Rekis Erlösung zurück stellen, wenn sie ihr eine wahre Freundin sein will.
Reki hat an der Abzweigung auf Rakka gewartet - näher kommt sie mit ihrem Motorroller nicht an den Tempel der Renmei heran. Rakka ist noch ziemlich betrübt über was, was sie gerade von Washi gehört hat, aber sobald Reki in Sichtweite ist, reißt sie sich zusammen und versucht, tapfer zu lächeln.
| Rakka: | Danke, daß du extra so weit gefahren bist. |
|---|
Wie so oft spielt Reki ihre eigene Teilnahme herunter:
| Reki: | Ich mußte sowieso noch Farben kaufen. |
|---|---|
| Reki: | Bei diesem Schnee werde ich den Winter über eh nicht fahren können. |
| Reki: | Wie läuft die Arbeit? Alles klar? |
| Rakka: | Ja, und bei dir? Malst du? |
| Reki: | Ach, nicht so richtig. |
| Reki: | Ich kleckse nur so ein bißchen herum. |
| Rakka: | Ach ja... das hier soll ich dir zurück geben. |
| Reki: | Von Midori? |
| Rakka: | Ja. |
Reki nimmt Rakka auf ihrem Motorroller mit - einmal mehr wird Kanas Aussage "Rekis Motorroller ist nur ein Einsitzer" aus Episode 1 widerlegt.
Nun ist es Rakka, die "das Terrain sondiert" und versucht, etwas über die offensichtlich komplizierte Beziehung zwischen Reki und Midori zu erfahren:
| Rakka: | Ist sie eine Freundin von dir? |
|---|---|
| Reki: | Das war sie früher einmal. |
| Reki: | Hat sie was Gemeines zu dir gesagt? |
Rakka zögert:
| Rakka: | Nein, das hat sie nicht. |
|---|
Reki, die über ihre Schulter hinweg Rakka beobachtet, scheint das bemerkt zu haben:
| Reki: | Nimm es ihr nicht übel. |
|---|---|
| Reki: | Sie kann ganz schön ausfallend werden, aber eigentlich ist sie ein nettes Mädchen. |
Was Rakka letzten Endes ermutigt, ihren Kontakt zu Midori zu intensivieren... und das um so mehr, nachdem sie nur Sekunden später erfährt, wie sehr Reki sich nach einer Versöhnung mit Midori sehnt. Reki hat Midori schon lange alles vergeben, auch den Stein, den sie ihr an den Kopf geworfen hat - deshalb ist es keine Überraschung, daß sie sofort bereit ist, sich mit ihr zu versöhnen, als Midori am Ende von Episode 12 endlich in Old Home aufkreuzt (Reki darf ja nicht in die Fabrik).
| Reki: | Fünf Jahre ist das jetzt her... |
|---|---|
| Reki: | Naja, wir sind beide ziemlich dickköpfig. |
Rakka hält den Atem an: Rekis Halo wird blasser und leuchtet wieder auf - genau wie damals bei Kuu! Jetzt versteht sie, was Washi meinte, als er sagte, daß Reki nicht mehr viel Zeit übrig habe...
| Reki: | Nach allem, was geschehen ist, konnten wir keine Freunde mehr sein. |
|---|
Rakka atmet tief durch. Sie hat die Botschaft gehört: Reki bedauert, was damals geschehen ist und daß die Freundschaft zwischen ihr und Midori dabei in die Brüche ging. Rakka weiß nun, wofür sie sich einsetzen muß: Für die Versöhnung zwischen Old Home und der Verlassenen Fabrik! Und nach ihrem erfolgreichen Besuch von heute früh sieht sie durchaus Möglichkeiten in dieser Richtung.
| Rakka: | Reki! Ich werde mein Bestes geben! |
|---|
Reki hat natürlich keine Ahnung, was Rakka in der Fabrik und bei Washi erlebt hat und worauf sich deren Worte tatsächlich beziehen:
| Reki: | Ja, gib dein Bestes. |
|---|---|
| Reki: | Ich finde deine Arbeit zwar ziemlich mühsam,... |
| Reki: | ...aber ganz ohne Arbeit wärest du keine vollwertige Haibane. |
Rakka hört ihrer Freundin mit geschlossenen Augen zu - ihre Gedanken sind ganz woanders.
Am nächsten Morgen: Kana erhebt sich vom Frühstückstisch. Reki und Nemu sind nicht anwesend.
| Kana: | Danke für's Frühstück! |
|---|
| Kana: | Verdammt, Rakka, hast du ein Glück. Du mußt erst nachmittags arbeiten. |
|---|---|
| Hikari: | Hör auf, zu jammern. |
Denn das tut Kana oft und gerne. Hikari hingegen beginnt gerade, Verantwortung zu übernehmen (auch für Kana) und in eine Führungsrolle hinein zu wachsen.
| Hikari: | Aber ich bin froh, daß du eine Arbeit gefunden hast. |
|---|---|
| Rakka: | Ich auch. |
Nemu betritt das Gästezimmer - und sieht völlig erschöpft aus. Selbst für diese Langschläferin ist das nicht normal.
| Hikari: | Stimmt was nicht? |
|---|---|
| Nemu: | Ich habe mich wohl erkältet. |
Kana läßt mal wieder einen Spruch vom Stapel, der ihr Image nicht wirklich aufbessern dürfte:
| Kana: | Was? Oh, steck mich bloß nicht an! |
|---|
Nemu kennt Kanas Art allerdings lange genug, um damit umgehen zu können:
| Nemu: | Vielen Dank für dein Mitgefühl. |
|---|---|
| Nemu: | Ist Reki nicht hier? |
| Hikari: | Sie sagt, sie malt. |
| Hikari: | Also werde ich heute wieder für die Kinder kochen. |
Hikari sieht glücklich und energiegeladen aus - sie hat heute eine wichtige Aufgabe in Old Home zu erledigen. Ab dieser Episode erleben wir eine verwandelte Hikari - angesichts der Ereignisse um Rakkas Mauerfieber vielleicht aus der Erkenntnis heraus, daß Reki nicht von sich aus ihre Überlastung einzugestehen bereit ist. Hikari muß also von sich aus Zuständigkeiten an sich ziehen, wenn sie Reki unterstützen will.
Während Reki sich angesichts ihrer nahenden Entscheidung mehr und mehr aus ihrer Verantwortung für Old Home zurückzieht und die träge Nemu sich ebenfalls nicht darum reißt, eine Führungsrolle zu spielen, übernimmt Hikari (die bereits nach Nemus "Märchenstunde" die Kleinen nach Hause bringen durfte, während Reki Benzin für ihren Motorroller kaufte) schrittweise Rekis Funktionen, als Betreuerin und Köchin für der Kleinen ebenso wie als kommende Anführerin von Old Home (die bereits in Episode 12 sogar Reki wegen deren Kleidung kritisiert und Kana zur Küchenarbeit anweist). Dazu muß sie selbst lernen, verantwortlich zu handeln - diese Veränderung wird Hikari auf dem Weg zum Verlassen des Nests voran bringen. Mit ihrer Versöhnungsgeste gegenüber den Fabrik-Haibane (und der Durchsetzung ihrer Idee gegenüber ihren Mitbewohnern) hat sie heute einen guten Anfang gemacht - das ist ihr erster größerer Erfolg, nachdem ihre Aktionen mit Rakkas Halo und den Flügelschonern heftig nach hinten los gingen.
| Nemu: | Das macht sie jetzt ständig. Was mit ihr wohl los ist... |
|---|
Nemu hat immerhin gerade erst die Szene erlebt, in der Reki ihr ganz plötzlich sagte, sie wolle ihr nicht zur Last fallen und käme auch alleine klar... irgend etwas stimmt also nicht mit Reki. Dai hatte das vorhin ja auch schon bemerkt.
| Nemu: | Ich hatte gehofft, sie würde mit dem Motorroller zur Bibliothek fahren, um Bescheid zu sagen, daß ich heute nicht komme. |
|---|
Hikari übernimmt insbesondere die Anleitung von Kana und beginnt damit, dieser mehr Verantwortung für ihre Umgebung beizubringen:
| Hikari: | Warum fragst du nicht Kana? |
|---|
Kana selbst beantwortet diese Frage spontan, ohne das eigentlich zu wollen - wie wir wissen, ist sie eine Expertin darin, sich vor solchen Aufgaben zu drücken. Nemu hat vermutlich auch nicht mehr von Kana erwartet.
| Kana: | Mich? Keine Chance, sonst komme ich zu spät zur Arbeit! |
|---|
Aber Hikari läßt die Sache nicht darauf beruhen - sie versucht, Kana ins Gewissen zu reden:
| Hikari: | Komm schon, das dauert doch höchstens zehn Minuten. |
|---|
Kana wehrt sich immer noch:
| Kana: | Aber mein Chef sieht das ganz anders. |
|---|
Doch wie bei der Exkursion zur Verlassenen Fabrik meldet sich nun die nach wie vor "unterbeschäftigte" Rakka auch diesmal freiwillig:
| Rakka: | Ich werde gehen. Ich habe genug Zeit. |
|---|
Und Kana hatte gerade Rakka (im Spaß) vorgeworfen, sie würde nicht genug arbeiten - nun hat sie eine Möglichkeit, diese freie Zeit sinnvoll zu nutzen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
| Nemu: | Wirklich? Das ist nett von dir. |
|---|
Und das logistische Problem löst Rakka mit ihrem Improvisationstalent auch sofort:
| Rakka: | Kein Problem, Kana nimmt mich mit, nicht wahr? |
|---|
Kana sieht nicht gerade begeistert aus - aber sich auch dagegen noch zu wehren und damit ihre Freundin Rakka zu enttäuschen (die bereits davon ausgeht, mitgenommen zu werden), das kann sie dann doch nicht machen. Also akzeptiert sie den Kompromiß - besser so, als selbst in die Bibliothek fahren zu müssen...
Auf dem Platz vor der Uhrmacherwerkstadt steigt Rakka von Kanas Fahrrad ab:
| Rakka: | Danke! |
|---|
In der Bibliothek meldet Rakka dem Chef: "Nemu hat eine Erkältung und kann heute nicht kommen."
| Bibliothekar: | Nemu? |
|---|---|
| Bibliothekar: | Verstehe. Es ist auch sehr plötzlich kalt geworden. |
Und ausgerechnet die erfahrene Nemu hat sich in diesem Winter eine Erkältung geholt - nicht der Neuling Rakka (dank Kuus guter Beratung). Ein Grund mehr für Rakka, jetzt Nemu auszuhelfen.
| Bibliothekar: | Danke, daß du extra hergekommen bist. |
|---|
Aus dem Augenwinkel sieht Rakka plötzlich ein seltsames Buch im Ausstellungsraum der Bibliothek - die darin verwendeten Zeichen kommen ihr bekannt vor. Sind das etwa die Zeichen auf den Plaketten an ihrem Arbeitsplatz?
| Rakka: | Das ist... |
|---|
...dieselbe Schrift, die Rakka gestern an ihrem Arbeitsplatz gesehen hat! Wieso hat die Bibliothek ein Buch in dieser Schrift?
In diesem Moment geht Sumika an dem Ausstellungsraum vorbei - und ist überrascht, Rakka hier anzutreffen:
| Sumika: | Hallo, Rakka! Was machst du denn hier? |
|---|---|
| Rakka: | Sumika-san! |
Rakka betrachtet staunend den Bauch der werdenden Mutter:
| Sumika: | Es ist bald soweit. |
|---|---|
| Rakka: | Sollten Sie denn noch unterwegs sein? |
| Sumika: | Das geht schon in Ordnung. |
| Sumika: | Ich gehe ein, wenn ich mich zu Hause einschließe. |
| Sumika: | Wir müssen doch alles für den Jahreswechsel vorbereiten. |
| Sumika: | Außerdem muß ich mir ab und zu die Beine vertreten. |
Beide betrachten Sumikas Bauch:
| Sumika: | Geheimnisvoll, nicht wahr? |
|---|---|
| Rakka: | Ja, das stimmt. |
| Sumika: | Manchmal frage ich mich, wo dieses Leben wohl herkam. |
| Sumika: | Sag mal, wo steckt Nemu eigentlich? |
| Rakka: | Oh, sie ist erkältet und kann nicht kommen. Ich bin hier, um Bescheid zu sagen. |
| Sumika: | Das ist aber schade. |
| Sumika: | Oh, das versteinerte Buch... |
| Rakka: | Ein versteinertes Buch? |
| Sumika: | Ich weiß nicht, was das wirklich ist. |
| Sumika: | Aber man sagt, daß es vor langer Zeit eine Ruine tief im Westwald gab. |
| Sumika: | Und das Buch war unter den Steinen begraben. |
| Sumika: | Es sieht aus, als ob es von einer geheimnisvollen Macht in Stein verwandelt wurde, nicht wahr? |
Sumika lächelt dabei verschmitzt: Zauberei also, wie in Nemus Märchenstunde. Sumika behandelt Rakka ein wenig wie ein Kind (noch dazu, wo sie gerade selbst Mutter wird) - jedenfalls nicht als Gleichberechtigte, wie sie das bei Nemu tut.
| Rakka: | Was steht darin? |
|---|---|
| Sumika: | Ich weiß es nicht. |
| Sumika: | Siehst du diese eingravierten Muster? |
| Sumika: | Manche behaupten, das sind Buchstaben, andere halten es für alte Zeichnungen. |
| Sumika: | Wenn es Zeichnungen sind, erinnern sie mich irgendwie an Hände. |
Tun sie das? Wenn man weiß, wie Hane funktionieren, dann vielleicht... ich kann mich des Verdachtes nicht erwehren, daß Sumika als "Wissende" hier gezielt Rakka auf die richtige Spur führen will. Und tatsächlich erkennt Rakka, die sich aufgrund ihres Jobs der Verwendung dieser Zeichen durch die Renmei bewußt ist, später vor Kuus Plakette aufgrund Sumikas Hinweis den Zusammenhang zwischen diesen Hane-Zeichen und der Kommunikationsmethode zwischen Renmei und Tooga. Damit hat sie den Schlüssel zu dieser Schrift/Sprache gefunden.
Reki geht durch die Stadt, am Ufer des Flusses entlang. Auf der anderen Flußseite hört sie eine Stimme, die ihr bekannt vorkommt:
| Dai: | Verflixt! |
|---|
Hyouko und Dai spielen mit dem Skateboard; Reki blickt zu den beiden hinüber.
In diesem Moment kommt Rakka aus Richtung Bibliothek vorbei. Natürlich will sie ihre Freundin freudig begrüßen:
| Rakka: | Re... |
|---|
Doch dann zögert sie. Midoris Worte kommen ihr wieder in den Sinn:
| Midori: | Du weißt nichts über Reki! Gar nichts... |
|---|
Rakka schließt kurz die Augen - und schüttelt dann den Zweifel ab, den Midori beinahe in ihr Herz gepflanzt hätte. Rakka vertraut Reki und hält fest zu ihrer Freundin.
| Rakka: | Reki! |
|---|
Und Reki lächelt - wie es in ihr drinnen aussieht, darf niemand sehen.
Gemeinsam gehen Reki und Rakka zu Fuß nach Hause.
| Reki: | Nemu? |
|---|---|
| Reki: | Oh, das ist ungewöhnlich. |
| Reki: | Ich hätte ihr eine Dose Pfirsiche kaufen sollen... |
| Rakka: | Oh, ich wußte nicht, daß Pfirsiche bei Erkältung helfen. |
| Reki: | Ach komm schon, Rakka. |
| Reki: | Noch nie gehört: "Dosenpfirsiche bei Erkältungen"? |
Rakka schüttelt den Kopf.
| Reki: | Das bringt man kranken Leuten als Genesungsgeschenk mit. |
|---|
Das "sozusagen" würde ich streichen. Wenn schon, dann "eine Art Genesungsgeschenk". Aber "Genesungsgeschenk" alleine reicht auch.
| Rakka: | Ach so... |
|---|
Eigentlich hätte Reki doch ganz andere Sorgen - aber wovon redet sie? Von Dosenpfirsichen und ihrem Mitgefühl mit der kranken Nemu! Rakka hat endlich verstanden, was mit Reki los ist:
| Rakka: | Da gehen wir nun, mit einem leeren Lächeln auf unseren Gesichtern. |
|---|---|
| Rakka: | Reki ist immer freundlich. |
| Rakka: | Weil sich niemand um sie Sorgen machen soll... |
| Rakka: | ...und weil Reki niemandem zur Last fallen möchte, lächelt sie einfach. |
Doch tatsächlich fällt sie damit jemandem "zur Last", nämlich Nemu...
| Rakka: | Warum habe ich das nicht früher bemerkt? |
|---|---|
| Rakka: | Ich war ihr doch immer am nächsten. |
Rakka bleibt stehen:
| Rakka: | Ich wünschte, es würde nie ein neuer Tag kommen. |
|---|---|
| Reki: | Wie kommst du denn auf einmal darauf? |
Reki ist ziemlich verblüfft über Rakkas Worte - sie weiß ja nicht, worüber sich ihre Freundin die ganze Zeit den Kopf zerbricht.
| Rakka: | Wenn doch morgen wieder heute wäre. |
|---|---|
| Rakka: | Und übermorgen, und über-übermorgen auch. |
| Rakka: | Ich wünschte, es wäre immer heute. |
| Rakka: | Dann könnte ich immer mit dir zusammen sein, Reki. |
Rakka hätte auch herausschreien können: "Reki, ich weiß, daß Du Guri (und mich) bald verlassen wirst!" - das wäre nicht deutlicher gewesen als ihre tatsächlichen Worte.
Rekis Mundwinkel sind sorgenvoll nach unten gezogen, wie schon öfters in letzter Zeit (bei der Verabschiedung von Dai, beispielsweise). Und in gewisser Weise bestätigt sie Rakkas Befürchtung:
| Reki: | Nichts dauert ewig. |
|---|---|
| Reki: | Früher oder später endet alles. |
Womit Reki praktisch ihr Versprechen, immer bei Rakka zu sein, zurück nimmt. Kuramori konnte nicht für immer bei Reki bleiben - auch sie hatte keine Wahl. Das scheint Reki inzwischen akzeptiert zu haben - noch während Rakkas Mauerfieber hatte sie sich damit in ihrer kurzen Ruhepause beschäftigt.
| Reki: | So muß es sein. |
|---|---|
| Rakka: | Warum? |
| Reki: | Dieser Augenblick existiert nur jetzt. |
| Reki: | Deshalb ist er so kostbar. |
| Rakka: | Ja, vermutlich... hast du Recht. |
An der Brücke trennen sich ihre Wege:
| Reki: | Du gehst arbeiten? Viel Erfolg. |
|---|---|
| Rakka: | Dir auch. |
Rakka läuft davon - sie darf Reki ihre Tränen nicht sehen lassen:
| Rakka: | Nicht weinen! Ich werde Reki helfen! |
|---|
Selbst um den Preis, ihre Freundin gerade dadurch zu verlieren! Rakka hat die richtige Einstellung gefunden.
| Rakka: | Lächeln, Rakka! |
|---|---|
| Rakka: | Lächeln... |
Reki betritt das Gästezimmer von Old Home. Sie holt ihre Zigaretten aus der Tasche - aber dann überletzt sie es sich anders, knüllt das Päckchen zusammen und legt es mitsamt ihrem Feuerzeug auf den Tisch. Sie wird nie wieder rauchen... ein weiterer Schritt auf dem Weg, sich von ihrer Existenz in Guri zu lösen. Reki hat ihre Entscheidung getroffen - und sie verabschiedet sich nun auch von Nemu, ihrer alten Weggefährtin:
| Reki: | Nemu, danke für alles in diesen Jahren. |
|---|---|
| Reki: | Falls du jemals Kuramori sehen solltest... |
| Reki: | ... sag ihr "Entschuldige" und "Danke schön" von mir. |
| Reki: | Ich glaube, ich schaffe es nicht hinüber in diese Welt. |
Aber dennoch verabschiedet sie sich von Nemu! Also wird sie Guri in jedem Falle irgendwie verlassen - und zwar bald. Vielleicht sogar noch, bevor Nemu ihre Erkältung überwunden hat.
Nemu muß zumindest einen Teil dessen, was Reki gesagt hat, mitbekommen haben. Aber sie ist aktuell nicht handlungsfähig:
| Nemu: | Reki... |
|---|
Die Kamera zeigt uns Rekis Zimmer - und fast ihre gesamte Einrichtung ist säuberlich in Kisten verpackt! In den Episoden 4 und 7 sah ihr Zimmer noch völlig chaotisch aus...
Reki hat ihre Entscheidung getroffen - mit einem Eimer Farbe bewaffnet (dem "bucket of pain[t]", siehe http://cff.ssw.net/forum/viewtopic.php?t=562 - je nach Abspiel-Modus des Videos auf bestimmten Geräten ist das "t" nämlich sichtbar oder auch nicht! Wo sonst in dieser Serie sehen wir westliche Buchstaben eingeblendet? Nur in Episode 1 - "Keep Out") wird nun sie selbst die ultimative Lösung ihres Problems herbeiführen:
| Reki: | Es wird Zeit, dies zu beenden. |
|---|
Reki hat in ihrem Kokon-Zimmer ein Projekt gestartet: Das gesamte Zimmer so originalgetreu ihrem Traum nachzuempfinden, wie sie das aus ihrer Erinnerung hinbekommen kann (dafür hat sie die viele Farbe gekauft - vor allem sehr viel schwarze Farbe...) - in der Hoffnung, sich dann an die fehlenden Teile ihres Traums zu erinnern. Und nach Washis Worten weiß sie nun, daß sie sich beeilen muß - sie muß sich an ihren Traum erinnern, bevor der Winter vorbei ist. Sobald ihr Kokon-Zimmer fertig bemalt ist, wird irgend etwas passieren - das spürt Reki. Aber was genau das sein könnte, davon hat sie keine Ahnung. Doch dies muß ihr Weg zur Erlösung sein - einen anderen kennt sie nicht.
Impressum
(C) 2004