Haibane Renmei
Episode 10: Kuramori - Die Haibane aus der verlassenen Fabrik - Rakkas Arbeit
Der Titel der Episode:
| Titel: | Kuramori |
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Wir können diesen Namen (der hier nicht in Kanjis, sondern in Kanas dargestellt ist) nicht übersetzen. Nicht mal Abe-san selbst kann das (Zitat aus einem Interview mit ihm): "Was den Namen 'Kuramori' angeht, dachte ich ursprünglich daran, die Kanjis ['kurai'/'dark'] und ['mori'/'forest'] zu verwenden, aber ich war mir dann unschlüssig, ob ich nicht lieber ['kura-mori'/'Storehouse-Guardian'] wie in ['kura o mamoru'/'to guard the storehouse'] verwenden sollte. Wenn tatsächlich eine Szene in der Geschichte aufgetaucht wäre, in der ich mich hätte entscheiden müssen, dann wäre es wohl 'to guard the storehouse' geworden. Es gibt da aber noch viele andere Möglichkeiten... Hm, was soll ich sagen; ich habe bisher nur das Klangbild im Kopf, aber ich habe mich noch für keine Bedeutung entschieden."
Es würde vielleicht Sinn machen, 'Dunkler Wald' als Kuramoris Name aus ihrem Traum und 'Beschützer des Lagers' als ihren 'wahren' Namen (der Persönlichkeit, welche sie in Guri entwickelt hat, als 'Leiterin' von Old Home) zu sehen.
| Titel: | Die Haibane aus der verlassenen Fabrik |
|---|---|
| Titel: | Rakkas Arbeit |
Dichtes Schneetreiben - ganz ähnlich wie eine Episode zuvor bei der Suche nach der vermißten Rakka. Doch diesmal treiben einige Schneeflocken durch ein Fenster ins Innere von Old Home - in einen Raum mit einem aufgebrochenen Kokon halbvoll mit blauer Flüssigkeit. Vor dem Kokon liegt ein Mädchen in einem einfachen, hellen Kittel - ein Mädchen, das später "Reki" heißen wird. Und schon beim Ausschlüpfen aus dem Kokon scheint sie aus einiger Höhe auf den Boden gefallen zu sein, genau wie Rakka sie in Episode 3 nach ihrem Alptraum in ihrem Zimmer gefunden hat. Reki ist also alleine und unbeachtet aus ihrem Kokon geschlüpft - eine Erfahrung, die sie nie vergessen wird und die ihr Verhalten gegenüber Rakka von Anfang an bestimmt.
Eine junge Nemu rennt aufgeregt über den Hof von Old Home zum Zimmer von Kuramori - sie hat gerade den Kokon entdeckt. Als beide die Bretter vor dem Eingang zu Rekis Kokon-Zimmer entfernen, verbirgt Nemu sich ängstlich hinter Kuramoris Rücken - die intuitive Reaktion auf den Anblick einer blutbefleckten Haibane mit großen schwarzen Flecken auf ihren Flügeln. Auch ihre Flügel hat Reki alleine und ohne Vorwarnung bekommen - das muß eine entsetzliche Erfahrung gewesen sein.
Aber Kuramori reagiert anders als Nemu: Wie sehr sie auch über den Anblick dieser Haibane erschrocken sein mag, so fühlt sie doch stärker als alles andere, daß dieses Mädchen ihren Schutz braucht, und nimmt es in ihre Arme. Das muß für Nemu, der bis zu diesem Moment zweifellos Kuramoris hauptsächliche Aufmerksamkeit galt, ein harter Schlag gewesen sein - sie wird einige Zeit brauchen, um mit ihrer Eifersucht auf Reki fertig zu werden.
Gesäubert und angekleidet, aber mit schwarz gefleckten Flügeln sitzt Reki auf dem Bett im Gästezimmer. Kuramori verleiht Reki wortlos deren Halo in einer schmucklosen Zeremonie (Hikari wird da später viel kreativer sein), wobei dieser Halo (anders als bei Rakka) "ausdampft", aber nach ein paar Sekunden "Einschwingphase" ruhig über Rekis Kopf schwebt. Nemu wendet ihren Blick von dieser Szene ab - sie will Reki nicht als "eine von ihnen" akzeptieren.
| Kuramori: | Ich bin froh, daß es dir besser geht. |
|---|---|
| Kuramori: | Ich bin Kuramori. |
| Kuramori: | Komm, Nemu, heiße sie willkommen. |
Genau damit hat Nemu in diesem Moment jedoch unüberwindliche Probleme, wie wir sofort sehen werden. Sie betrachtet Reki nur aus dem Augenwinkel heraus, und Reki blickt verschüchtert zurück. Dann rennt Nemu aus dem Zimmer.
| Kuramori: | Nemu! |
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Kuramori wirft einen nachdenklichen Blick auf Reki - das scheint ein echtes Problem mit den beiden zu werden. Als erstes muß sie sich also um Reki und deren Flügel kümmern, vor denen Nemu offensichtlich Angst zu haben scheint.
Im Hof von Old Home spielen Kuramori und Nemu mit den jüngeren Haibane; Reki mit schwarzen Flügeln steht alleine und unbeachtet in einer Ecke.
Kuramori und Reki gehen durch die Stadt; einzelne Passanten drehen sich nach der jungen Haibane mit den schwarzen Flügeln um. Kuramori bemerkt das und zieht ihren eigenen (rötlich-braunen) Umhang aus, um diesen Reki über die Schultern zu legen und deren Flügel "vor übelwollenden Blicken" zu beschützen. (Was die Funktionsweise des Medizin-Farbstoffs in mehrfacher Weise bereits vorweg nimmt.)
Kuramori und Reki besuchen den Tempel der Renmei. Reki empfängt ihr Haibane-Heft, auf dem üblicherweise bereits der Name der Haibane drauf steht - doch in ihrem Falle fehlt dieser Name, die wenigsten sichtbaren Zeichen scheinen nur "Haibane Renmei" zu bedeuten. Reki hat also ein "anonymes" Heft erhalten - sie hat ja noch keinen Namen. Washi muß also erfahren haben, daß eine namenlose Haibane in Old Home wohnt. Deshalb kann er das Gespräch direkt mit der folgenden Frage eröffnen:
| Washi: | Sie erinnert sich nicht an ihren Traum im Kokon? |
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Kuramori kann ihm das nicht direkt vorher gesagt haben - denn sie darf hier nicht reden, wie wir gleich sehen werden. Und die Regel der Namensvergabe für Haibane ist also zumindest der Renmei bekannt, wenn sie nicht überhaupt von dort stammt.
Kuramori antwortet "ja" (= zustimmend) mit dem Glöckchen an ihrem rechten Flügel. Reki, die selbst keine Glöckchen an ihren befleckten Flügeln trägt, blickt zu Kuramori - vielleicht hat ihr diese Form der Kommunikation niemand erklärt. Und einen "Bewegungstrainer" wie Hana für Rakka hat Reki für ihre schwarzen, angsteinflößenden Flügel damals sicherlich nicht gefunden. In jedem Fall ist Kuramori bisher die Sprecherin für das namenlose Mädchen.
Washi nähert sich dem Mädchen, das ängstlich zurückzuckt und die streichelnde Hand des alten Mannes auf ihrem Kopf eher duldet, als sich darüber zu freuen.
| Washi: | Ich erlaube dir zu sprechen. |
|---|---|
| Washi: | Sage mir, was du im Kokon gesehen hast. |
| Reki: | Ich... |
Reki senkt den Kopf - sie wagt es nicht, Washi in die Augen zu sehen.
| Reki: | Als ich zu mir kam, stand ich auf einem steinigen Weg. |
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Reki schließt kurz die Augen, um sich die Szene wieder in Erinnerung zu rufen - aber sie hat nicht viel zu erzählen:
| Reki: | Es war pechschwarz. |
|---|---|
| Washi: | Das ist alles? |
Erneut schließt Reki ihre Augen - sie versucht, sich zu erinnern. Doch dann zuckt sie zusammen und fühlt einen Schmerz - und wagt es nicht, weiter in ihre Erinnerung vorzudringen (genau wie Rakka später).
Kuramori erschrickt - und vergißt vor lauter Angst und Mitgefühl die Schweige-Regel im Inneren des Tempels:
| Kuramori: | Kann man das heilen? |
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Sofort hält sie sich schuldbewußt die Hand vor den Mund - aber Washi hat nicht vor, sie zu bestrafen.
| Washi: | Ich werde dir ein Rezept für die Medizin beibringen. |
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Kuramori bedankt sich mit der entsprechenden Geste ihrer Hände. Washi wendet sich an das Mädchen:
| Washi: | Ab nun sollst du Reki heißen. |
|---|---|
| Washi: | Das bedeutet "kleiner Stein". |
| Reki: | Reki... |
Das Mädchen versucht, sich ihren neuen, ungewohnten Namen zu verinnerlichen.
Wir hören eine Ohrfeige, und eine Schere fällt zu Boden: Angesichts von Rekis Selbstverstümmelung ist selbst der fürsorglichen Kuramori "die Hand ausgerutscht". Trotz des rötlichen Mals auf ihrer Wange steht Reki wie versteinert da, blickt schuldbewußt zur Seite, reagiert ansonsten jedoch überhaupt nicht.
Kuramori fängt sich wieder; sie umarmt Reki und streichelt deren Flügel:
| Kuramori: | Ich bin bei dir. |
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Reki erwacht aus ihrer Trance; erstaunt wendet sie ihren Kopf Kuramori wieder zu.
| Kuramori: | Ich werde immer bei dir sein. |
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Erst diese Worte bringen eine Reaktion bei Reki hervor - ein ersticktes Schluchzen. Mehr läßt ihre eiserne Selbstkontrolle nicht zu. Aber sie schmiegt ihren Kopf an Kuramoris Schulter.
Kuramori liegt schwer atmend an der Brücke vor dem Eingang von Old Home; an der Schulter trägt sie eine Tasche, in der grüne Zweige und braune Wurzeln zu erkennen sind. Nemu und Reki haben offenbar beide auf Kuramori gewartet und nachsehen sollen, wo sie geblieben ist; als die Mädchen ihre Betreuerin am Boden liegen sehen, laufen beide sofort zu ihr hin.
Kuramori liegt schlafend im Bett des Gästezimmers; Nemu steht direkt vor dem Bett, Reki hat sie wie üblich in eine Ecke verkrochen.
| Reki: | Sie hat gesagt, sie holt Medizin für meine Federn. |
|---|---|
| Nemu: | Kuramoris Gesundheit ist sehr empfindlich. |
Reki senkt schuldbewußt ihren Blick: Ihretwegen muß Kuramori leiden!
Aber statt Reki zu trösten, reibt Nemu noch Salz in deren Wunde, ohne Reki dabei auch nur eines Blickes zu würdigen:
| Nemu: | Es ist zu anstrengend für sie, alleine in den Wald zu gehen. |
|---|---|
| Nemu: | Wenn Kuramori stirbt, dann ist das deine Schuld! |
Reki weint leise vor sich hin... und Nemu muß gehört haben, wie weh sie ihrer Mitbewohnerin gerade getan hat. Als ob Reki nicht schon genügend Schuldgefühle mit sich herumtragen würde - ihre Flügel zeigen deutliche Spuren davon! Es ist erstaunlich, daß sich die Flecken in diesem Moment nicht ausbreiten. (Das wäre dann übrigens auch eine lehrreiche Erfahrung für Nemu geworden.)
Stunden später (der Himmel ist dunkler geworden, auch wenn die Turmuhr wie stets 08:19 Uhr anzeigt). Nemu hält Wache an Kuramoris Bett; die praktisch denkende Reki hat in der Zwischenzeit versucht, sich anderweitig nützlich zu machen:
| Reki: | Ich habe etwas zu Essen eingekauft. |
|---|---|
| Reki: | Ich dachte, du könntest vielleicht hungrig sein... |
Reki ist also alleine und schon bei herannahender Dunkelheit in die Stadt gefahren (oder gar gelaufen, falls Old Home damals noch kein Fahrrad besessen haben sollte) und hat ihre befleckten Flügel den Blicken der Stadtbewohner schutzlos ausgesetzt. Und all dies, um ausgerechnet Nemu etwas zu essen zu bringen - derjenigen Nemu, die noch kurz zuvor Reki die alleinige Schuld an Kuramoris Zustand gegeben hatte! Und all dies, obwohl ihre Probleme mit den befleckten Flügeln so schlimm sind, daß Kuramori deswegen alleine in den Wald gegangen ist... eine solche Verhaltensweise gibt Nemu denn doch zu denken.
Reki wagt es vorsichtig, Nemu anzusehen, senkt dann aber sofort wieder ihren Blick.
Nemu nimmt (der dabei ängstlich zurückweichenden) Reki die Tüten aus der Hand und wendet sich ab, um diese in die Küche zu bringen:
| Nemu: | Laß uns das zusammen zubereiten. |
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Nemu versucht, so zu tun, als wäre nichts geschehen. Eine Entschuldigung für ihr vorheriges Verhalten oder wenigstens ein "danke" bringt sie nicht zustande.
Reki zögert - sie weißt nicht, was sie von dieser überraschenden Aufforderung zu halten hat: Vorhin wurde sie praktisch aus dem Zimmer gejagt, und jetzt wird sie eingeladen, beim Kochen mitzumachen?
Nemu hört, daß Reki stehen bleibt... erst an der Küchentür, und immer noch unfähig, Reki dabei anzusehen, ringt Nemu sich endlich dazu durch, sich für ihre überzogene Reaktion zu entschuldigen:
| Nemu: | Tut mir leid, wegen vorhin. |
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Reki kommen fast die Tränen - doch diesmal vor Glück: Endlich hat Nemu das Kriegsbeil begraben und sie als Mitglied von Old Home akzeptiert! Entschlossen läuft sie ihrer Mitbewohnerin hinterher: Sie wird ihr Bestes geben, um diese Chance zu nutzen.
Kuramori erwacht im Bett des Gästezimmers. Ohne ihre Brille blickt sie sich um: Die beiden jüngeren Haibane sind auf ihrer Bettkante eingeschlafen. Kuramori riecht den Duft des warmen Essens, das auf dem Tisch steht. Doch erst beim zweiten Hinsehen erkennt sie das Wichtigste, das während ihres Schwächeanfalls geschehen ist: Nemu und Reki halten sich im Schlaf bei der Hand.
| Kuramori: | Gott sei Dank... |
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Kuramoris Befürchtung, daß Nemu Reki dauerhaft schneiden würde, muß schwer auf ihr gelastet haben, und die Freude über die Versöhnung der beiden Mädchen wird ihren Erholungsprozeß nach der Überanstrengung sicherlich fördern.
Gemeinsam haben die drei Haibane das Gästezimmer auf Vordermann gebracht - und Rekis Flügel sind mit dem rötlichen Farbstoff bestrichen.
| Kuramori: | Fertig. |
|---|---|
| Kuramori: | Jetzt ist alles sauber. |
| Reki: | Also ich weiß nicht... |
| Reki: | Es ist vielleicht ein bißchen zu groß für mich. |
| Kuramori: | Dann laßt uns doch ein Gästezimmer daraus machen! |
| Kuramori: | Du kannst hier wohnen und dich um die neugeborenen Haibane kümmern. |
| Kuramori: | Das wird deine Aufgabe sein, Reki. |
Wenn Rekis Aufgabe darin besteht, sich um die Neugeborenen zu kümmern, dann muß sie um so mehr darüber aufgeregt sein, zu Beginn unserer Geschichte endlich mal selbst einen Kokon gefunden zu haben, nachdem sie bereits drei andere Kokons (Hikari, Kana, Kuu) verpaßt hat.
| Reki: | Darf ich? |
|---|---|
| Nemu: | Das klingt gut. |
| Nemu: | Du kannst dich auch um die Kinder kümmern, wenn du Zeit dafür hast. |
Nemu hat Reki nun wirklich akzeptiert.
| Reki: | Ich werde mein Bestes geben! |
|---|---|
| Kuramori: | Du bist jetzt eine vollwertige Haibane, nicht wahr? |
Kuramori lächelt, und Reki lächelt mit ihr...
...ja, so war das in den frühen Jahren in Guri. Reki, die in ihrem Zimmer im Dunklen auf einem Stuhl eingeschlafen ist, kann sich kaum aus ihrer Erinnerung an Kuramori lösen.
| Reki: | Kuramori... |
|---|---|
| Reki: | Bitte geh nicht fort... |
| Reki: | Du wolltest immer bei mir bleiben. |
| Reki: | Du hast es mir doch versprochen. |
Der Boden ihres Zimmers ist mit Farbtuben übersät. Gewohnheitsmäßig steckt Reki sich mal wieder eine Zigarette an... doch plötzlich ruft die Erinnerung an aktuellere Ereignisse sie in die Gegenwart zurück:
| Reki: | Oh nein! |
|---|
Denn momentan hat sie ganz andere Probleme - nämlich eine kranke Freundin.
Im Gästezimmer geht Kana nervös neben dem Bett der schlafenden Rakka auf und ab, als Reki ins Zimmer stürmt:
| Reki: | Wie geht es ihr? |
|---|---|
| Kana: | Gut, daß du kommst. |
| Kana: | Ich war schon kurz davor, dich aufzuwecken. |
Reki fühlt die Temperatur auf Rakkas Stirn:
| Reki: | Was ist mit der Medizin? |
|---|---|
| Kana: | Ich hab sie ihr gegeben, aber das Fieber geht nicht runter. |
| Kana: | Ich wollte sie bei Sonnenaufgang zum Arzt bringen... |
Interessante Idee. Wie hätte Kana das alleine bewerkstelligen wollen (trotz Motorroller)? Ähnlich wie Reki scheint sie dazu zu neigen, in Krisensituationen Alleingänge zu starten, anstatt Hilfe anzufordern.
| Kana: | Wohin willst du? |
|---|---|
| Reki: | Bin gleich wieder da! |
Reki springt auf ihren Motorroller und rast davon - ein Bild der Entschlossenheit. Nach der Abzweigung feuert sie ihr Gefährt wieder einmal achtlos zur Seite und rennt auf die Hängebrücke zu. Im Tempel der Renmei hält sie sich nicht mit Formalitäten auf, sondern eilt an den hilflosen Gestalten vorbei, die anscheinend vergeblich versuchen, Glöckchen an ihren Flügeln zu befestigen. Immerhin hat sie noch so viel Respekt vor den Regeln der Renmei, daß sie abwartet, bis Washi ihr das Sprechen erlauben wird. Aber dann... der Zug um ihren Mund läßt nichts Gutes ahnen.
Washi weiß, daß er mit Reki in Worten sprechen muß (deshalb hat er sie ja "kommen lassen") - die Glückchen werden also nicht benötigt. Deshalb winkt er seine beiden Helfer wieder fort.
| Washi: | Ich erlaube dir zu sprechen. |
|---|
Das läßt Reki sich nicht zweimal sagen:
| Reki: | Sie wußten doch, daß sie ein Fieber bekommen wird! |
|---|---|
| Reki: | Wie konnten Sie Rakka alleine lassen? |
| Washi: | Weil du im Old Home bist. |
| Washi: | Ich dachte mir, falls etwas passieren würde, dann würdest du wieder hierher kommen, so wie damals bei Hyouko. |
Washi spielt bei Reki nicht mit offenen Karten: Das, was tatsächlich passiert ist, muß er genau gewußt haben - denn er stand ja praktisch neben Rakka, als diese die Mauer berührte. Er besitzt ein Heilmittel gegen das Mauerfieber und kennt dessen Verlauf zweifellos besser als Reki - er kann wahrscheinlich sogar abschätzen, wann Reki bei ihm aufkreuzen wird, so daß er zu diesem Zeitpunkt nicht versehentlich gerade schläft oder was auch immer. Dies hier ist Washis letzte Chance, Reki zu erreichen - diese darf er um keinen Preis verstreichen lassen.
| Reki: | Es geht hier nicht um Hyouko! |
|---|---|
| Reki: | Sie müssen Rakka heilen! |
| Reki: | Sie hat doch die Mauer nicht geschändet... |
| Reki: | Warum...? |
| Washi: | Die Mauer ist absolut. Nicht einmal ich kann daran etwas ändern. |
| Reki: | Aber sollte die Mauer die guten Haibane denn nicht beschützen? |
| Reki: | Und Rakka sollte inzwischen nicht mehr tsumitsuki sein. |
Auch wenn Reki sich trotz der Flügel-Untersuchung noch nicht absolut sicher ist (sie hatte ja die Ursache von Rakkas Problem niemals richtig verstanden - Kuu war nur der Katalysator für Rakkas Minderwertigkeitskomplex, nicht der Grund), hat sie sich damit abgefunden, nun wieder die einzige verfluchte Haibane zu sein.
| Washi: | Auch eine gute Haibane wird bestraft, wenn sie die Mauer berührt hat. |
|---|
Das ist nun mal eine Regel.
| Washi: | Es ist zwar richtig, daß Rakka ihre Prüfung bestanden hat, aber... |
|---|---|
| Reki: | Wie ich es mir gedacht hatte. |
| Washi: | Rakka hatte einen Helfer in der Gestalt eines Vogels. |
| Washi: | Und ich denke, sie wird bald einen Ausweg aus dem "Rad der Sünde" finden. |
| Reki: | Sie haben Rakka dasselbe Rätsel wie mir gestellt? |
Washi senkt zustimmend den Kopf.
| Reki: | Hat sie die Antwort gefunden? |
|---|---|
| Washi: | Das weiß ich nicht. |
| Washi: | Der Vogel hat ihr jedoch vergeben, deshalb ist sie nicht mehr tsumitsuki. |
| Reki: | Verstehe. |
| Washi: | Du hast nicht mehr viel Zeit übrig, die du als Haibane hier verbringen kannst. |
Washi deutet an, daß Reki nach dem Ablauf dieser Zeit zwar nicht ihr Leben, wohl aber den Status als Haibane (samt Flügeln und Halo) verlieren wird. (Vielleicht war die Hausmutter von Old Home ja auch mal eine Haibane... wer weiß?)
| Washi: | Du solltest dich darauf vorbereiten.. |
|---|---|
| Reki: | tsumitsuki werden doch nie ihr Nest verlassen, oder? |
| Reki: | Ich werde hier bleiben. |
| Reki: | Irgend jemand muß sich ja schließlich um die Kleinen kümmern. |
Denn das ist Rekis Aufgabe - seit 7 Jahren. Reki antwortet ziemlich selbstsicher. Ihre Zukunft in Guri sieht sich nicht als Problem an - noch nicht. Genau deshalb spricht Washi das Problem ja auch an - er will Reki aufrütteln, denn ihr läuft die Zeit davon und sie merkt es nicht.
| Washi: | Das hast nicht du zu entscheiden. |
|---|
Es wird nämlich tatsächlich entschieden - aber auf einer höheren Ebene (selbst auf einer höheren als derjenigen, wo Washi selbst noch Einfluß ausüben könnte).
Während der gesamten Szene spricht Washi Reki immer mit "Du" an, nicht mit ihrem Namen, wie das die Haibane untereinander meistens tun. Und anders als alle anderen handelnden Personen verwendet Washi ständig explizite Worte für "wir" ("wareware") bzw. "ich" ("watashi") - meistens spricht er im Namen der Renmei (so eine Art "pluralis majestatis" also), aber das eine oder andere Mal rutscht ihm eine persönliche Stellungnahme heraus (einmal versucht er sogar, dies zu vertuschen - in Episode 12 kommt das, glaube ich).
| Washi: | Du weißt doch, was mit Haibane passiert, die das Nest nicht verlassen können, wenn ihre Zeit gekommen ist? |
|---|
Noch vor einer Minute war Reki wie ein Wirbelsturm in das Kloster der Renmei eingedrungen. Doch jetzt wird sie unsicher - sie kann den Blickkontakt mit Washi nicht mehr ertragen und wendet ihr Gesicht zur Seite.
| Washi: | Du mußt deine Prüfung bestehen. Du hast keine Wahl. |
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Rekis Gesicht sieht plötzlich ziemlich bedröppelt aus. Bisher hat sie diese Möglichkeit mit aller Kraft verdrängt, da sie glaubt, ohnehin keine Chance mehr auf Erlösung zu haben.
| Washi: | Der Tag, an dem sie das Nest verlassen müssen, kommt für alle guten Haibane gleichermaßen. |
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Davon (nämlich daß das System "fair" ist) ist Reki nun allerdings keineswegs überzeugt - ihr Widerspruchsgeist ist sofort geweckt:
| Reki: | Was heißt hier "gleich"? |
|---|---|
| Reki: | Kuu war die Jüngste von uns... |
Das ist aber nicht relevant. Der Aufenthalt in Guri dient zum Erreichen eines Zieles, nicht zum Absitzen der Dauer einer Strafe. Reki hat das bisher nicht verstanden.
| Washi: | Dennoch hatte sie keine Furcht vor der Mauer. |
|---|---|
| Washi: | Außerdem glaubte sie, wenn sie die Mauer überquert, dann würden die anderen ihr bald folgen. |
| Washi: | Kuus Traum war es, euch allen ein Vorbild zu sein. |
Kuu hatte immer den anderen nachgeeifert - hier wollte sie selbst das Vorbild sein, der alle anderen nachfolgen werden.
Reki ist erschüttert. Denn sie hatte Kuu glühend um deren "schnellen Durchgang" in Guri beneidet - und nun erfährt sie, daß Kuu ihr damit helfen wollte!
| Reki: | Woher wissen Sie das? |
|---|---|
| Washi: | Ich weiß gar nichts. |
| Washi: | Ich spreche nur aus, was du selbst tief in deinem Herzen fühlst. |
Reki hat das "System" von Guri bisher als unfair empfunden - falls Washi ihre Vorstellung nun widerlegen kann, würden ihr alle Argumente für ihr Verhalten ausgehen. Deshalb zweifelt sie Washis Worte weiterhin an:
| Reki: | Und was ist mit Nemu? |
|---|
Reki setzt noch denselben Gedanken über die "Gleichheit" fort: Nemu ist am längsten hier, länger noch als sie selbst. Wo bleibt da die Gleichbehandlung?
| Reki: | Sie ist eine gute Haibane. |
|---|---|
| Reki: | Sie ist gesegnet und verdient es, das Nest zu verlassen. |
| Washi: | Nemu möchte gerne sicher gehen, daß du das Nest verlassen kannst. |
Tatsächlich tut Nemu allerdings nichts aktiv dafür - sie versucht nicht, Reki zu motivieren, sich ihrer Aufgabe zu stellen. Sie wartet einfach ab, bis Reki fort ist. Nur dadurch kann Nemu wirklich sicher sein, daß Reki es geschafft hat.
| Washi: | Sie würde es niemals zugeben, aber sie macht sich mehr Sorgen um dich als um sich selbst. |
|---|---|
| Reki: | Sie meinen also, ich bin ihr die ganze Zeit zur Last gefallen? |
Jetzt ist Reki wirklich erschrocken: Sie selbst ist also der Grund dafür, warum Nemu noch hier ist!
| Washi: | Das habe ich nicht gesagt. Das ist Nemus Angelegenheit - du bist nicht verantwortlich dafür, was sie tut. |
|---|
Nemu "schläft" in dem Sinne, daß sie nicht aktiv ihre eigene Entwicklung vorantreibt. Statt dessen wartet sie einfach - in der Hoffnung, daß Reki das Nest vor ihr verlassen möge. Sie ist sich nicht bewußt, daß sie ihre eigenen Hausaufgaben zu erledigen hat. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb sie eine Haibane wurde: Sie läßt sich treiben, schläft, träumt, und sie wartet darauf, daß Reki, auf deren Entwicklung sie selbst kaum Einfluß hat (und auch nicht versucht, aktiv einen solchen Einfluß auszuüben), den Rückstand zu ihr aufholt. Statt ihr eigenes Leben zu leben und ihre eigenen Ziele zu verfolgen, erlaubte sie einer ansonsten lobenswerten Loyalität, ihren eigenen Charakter einzuengen und dessen mögliche Entwicklung zu hemmen.
| Washi: | Aber so ist es nun einmal. |
|---|
Reki ist tief in Gedanken versunken - diese neue Erkenntnis macht ihr schwer zu schaffen. Also ist sie selbst tatsächlich ein Hindernis auf Nemus Weg über die Mauer! Reki bleiben genau zwei Möglichkeiten: Entweder es gelingt ihr, Nemu davon zu überzeugen, nicht auf sie zu warten (gegen Ende dieser Episode versucht Reki das auch, aber Nemu begreift nicht so recht, was los ist), oder sie verläßt Guri - auf die eine oder andere Weise. Ich frage mich inzwischen, inwiefern Rekis Rücksicht auf Nemu ein Teil ihres Antriebs geworden ist, "all dies zu beenden". Denn auch wenn sie sich "aufgibt", hat Nemu keinen Grund mehr, auf Reki zu warten... (sofern Nemu den Schock und womöglich die Erkenntnis, daß ihr Verhalten Reki zu dieser Tat getrieben haben könnte, verkraften kann.)
| Washi: | Geh jetzt. |
|---|
Reki schreckt aus ihren Gedanken auf.
| Washi: | Rakka erwartet dich. |
|---|---|
| Washi: | Nimm dir von den Heilkräutern das, was du brauchst. |
| Washi: | Du weißt ja, was du zu tun hast. |
Das umfaßt nicht nur die Wahl der Kräuter, sondern auch das Verfahren zur Zubereitung, das Washi ihr nicht noch einmal erklären muß - Reki hat nichts von den Ereignissen von vor fünf Jahren vergessen.
| Washi: | Du hast Rakka die ganze Zeit Halt gegeben. |
|---|---|
| Washi: | Du tust das Richtige. |
Washi anerkennt, daß Rekis Charakter sich gewandelt hat. Und er wird dies am Ende der Serie in seiner Geschichte verwenden...
| Washi: | Deshalb solltest du nicht neidisch darauf sein, daß Rakka vor dir von hier fort gehen wird. |
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Washi sieht nach wie vor nur eine einzige mögliche Entwicklung für Reki - den Weg über die Mauer. Rakka hätte tatsächlich gute Chancen, Guri eher zu verlassen, als Reki dies (aus eigenem Antrieb) tun würde - wenn Reki nicht so unter Zeitdruck stünde...
| Reki: | Neidisch? Ich? |
|---|---|
| Reki: | Sie machen wohl Witze?! |
Wieder in Old Home. Hikari bringt Reki heißes Wasser zur Zubereitung des Kräutertrankes für Rakka.
| Hikari: | Das Wasser kocht. |
|---|---|
| Hikari: | Was ist denn das für ein Gestank? |
| Reki: | Danke. |
Reki nimmt den Geruch überhaupt nicht wahr. Sie ist beschäftigt - nur das alleine zählt.
| Hikari: | Ob das wirklich funktioniert? |
|---|
Zum wiederholten Male würdigt Reki ihre Mitbewohnerin keiner Erklärung. Wenn es darum geht, um Rakka zu kämpfen, dann hat Reki denselben Tunnelblick wie ihre Freundin.
| Reki: | Sei vorsichtig. Es ist heiß. |
|---|---|
| Rakka: | Bitter... |
| Reki: | Weil es Medizin ist. |
Der typische Beruhigungsspruch für kleine Kinder: "Das muß so schmecken, sonst hilft es nicht." Reki behandelt die kranke Rakka wie ein kleines Kind - zu Beginn des Fiebers hatte Rakka sich ja auch ziemlich kindlich verhalten.
| Reki: | Du mußt sie nehmen. Einen Schluck noch. |
|---|---|
| Rakka: | Danke. |
| Hikari: | Hoffentlich geht es dir bald wieder besser. |
Nun heißt es untätig warten, bis die Medizin wirkt... auf die ohnehin übermüdete Reki kommen ein paar harte Stunden zu, denn Untätigkeit ist Gift für ihren Seelenzustand, wie wir wissen.
Im Innenhof von Old Home beobachtet Reki die spielenden Kinder, als Kana atemlos angerannt kommt:
| Kana: | Reki! |
|---|---|
| Kana: | Am schwarzen Brett. Von der Renmei! |
| Reki: | "Haibane Rakka, hiermit fordern wir dich auf, noch heute im Tempel der Haibane Renmei zu erscheinen." |
Noch heute? Bei dem Zustand, in dem Rakka sich befindet? Reki schüttelt den Kopf über die Renmei. Aber beim nächsten Satz verliert sie völlig ihre Beherrschung und schlägt mit der Faust gegen die Wand:
| Reki: | "Für die Berührung der Mauer und für die Belästigung der Tooga sollst du bestraft werden." |
|---|
Nun ist Reki richtig wütend. Statt um die Gesundheit von Rakka kümmert sich diese Renmei also bloß um die Einhaltung von Regeln und Ritualen!?
| Kana: | Was tun wir jetzt? |
|---|---|
| Reki: | Wir ignorieren es! |
| Reki: | Ich übernehme die Verantwortung. |
| Reki: | Sie haben kein Recht, Rakka zu bestrafen! |
Reki kämpft um die angeschlagene Rakka wie eine Löwin um ihr Junges. Nicht, daß sie damit irgendwelchen Erfolg haben könnte: Natürlich hat die Renmei das Recht dazu - sie selbst stellt die Regeln auf.
Zum Glück erscheint Rakka in diesem Moment bereits im Innenhof - und sie hat die Stimme ihrer Retterin gehört:
| Rakka: | Reki. |
|---|---|
| Reki: | Rakka! |
| Reki: | Du sollst doch noch nicht aufstehen! |
| Rakka: | Ich habe versprochen, den Stock zurückzubringen. |
| Rakka: | Ich fühle mich gut. |
Rakka erklärt das der verblüfften Reki auch sofort genauer:
| Rakka: | Das Fieber ist abgeklungen. |
|---|---|
| Rakka: | Und meine Flügel fühlen sich irgendwie viel leichter an. |
Das klingt etwas vage - aber Rakka hat auch keine Erklärung für dieses Phänomen. Daß sie nicht mehr tsumitsuki ist, scheint ihr noch immer nicht explizit bewußt zu sein.
Rakka bewegt zur Bestätigung ihre Flügel - und sie sieht richtig glücklich dabei aus, zum ersten Mal nach langer Zeit. Rekis zorniger Blick entspannt sich. Erinnerungen blitzen vor ihren Augen auf: Rakka in deren Zimmer - fleckige Federn am Boden - Rekis Untersuchung von Rakkas Federn während ihres Fiebers. Rakka ist nicht mehr tsumitsuki - Washi hatte ihr das vorhin explizit bestätigt. Nun ist Reki wieder die einzige verfluchte Haibane von Old Home.
| Rakka: | Reki, deine Medizin hat mich geheilt. |
|---|---|
| Rakka: | Vielen Dank! |
| Rakka: | Es tut mir leid, daß ich euch allen solche Sorgen bereitet habe. |
Und Rakka dreht sich um und verläßt Old Home... Reki blickt ihr nach:
| Reki: | Rakka... |
|---|
Diesmal ist es Kana, die eine wie gebannt verharrende Freundin aus ihrem Grübeln reißen muß:
| Kana: | Reki. |
|---|
Doch diese bleibt wie festgewurzelt im Eingang stehen. Rakka hat Reki ein "Dankeschön", ein Lächeln und ein Winken geschenkt - und das war's. Sie steht wieder auf eigenen Beinen, ist nicht mehr abhängig von Rekis Schutz. Und so, wie Rakka in dieser Szene Old Home in Richtung Tempel verläßt, muß Reki sich beinahe fühlen wie bei der Erkenntnis, daß Kuu das Nest verlassen hat... Reki muß sich in diesem Moment völlig verlassen vorkommen. Hier beginnt Rekis Zusammenbruch und ihre Abwendung von dieser Welt.
Daran ändert Kanas Schulterklopfen für Reki wenig. Überhaupt war Kana in dieser Nacht eine wertvolle Mitstreiterin im Kampf gegen Rakkas Mauerfieber: Sie hat das Fiebermedikament besorgt und Rakka eingegeben, sie hat noch in den frühen Morgenstunden Wache gestanden (wer weiß, wie müde sie an diesem Tag zur Arbeit kommen wird...), und überhaupt war sie häufig an Rekis Seite (auch schon während der Suche im Schnee). Hikari dagegen war völlig überfordert, und Nemu hatte anscheinend schon genug damit zu tun, Hikari von Reki fern zu halten...
Im Tempel der Renmei öffnet Washi eine Schiebetüre zu einer abwärts führenden Treppe.
| Washi: | Steig hinab. |
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Rakka zögert beträchtlich - und in Ermangelung eines Treppengeländers stützt sie sich mit der rechten Hand an der Wand ab. (Wenn sie wüßte, wo sie sich gerade befindet... !)
| Washi: | Zieh das hier an. |
|---|
Washi reicht Rakka einen der Anzüge, die hier an einem Kleiderständer aufgereiht hängen. Im Umkleiden hat Rakka inzwischen trotz ihrer Flügel genug Übung, aber in diesem unförmigen Anzug bewegt sie sich zunächst etwas "staksig".
| Washi: | Hier entlang. |
|---|---|
| Washi: | Hier darfst du sprechen. |
Inzwischen gehen die beiden wieder treppauf.
| Rakka: | Werde ich eingesperrt? |
|---|---|
| Washi: | Eingesperrt? |
| Rakka: | Weil... |
Rakka war doch zur Bestrafung hierher bestellt worden - oder etwa nicht? Washi lacht leise über Rakkas Irrtum... beide erreichen die nächste Schiebetüre. Neugierig geht Rakka sofort bis an den Rand des blauen Flusses - wieder ist es ein Fluß, der eine Rolle für Rakka spielen wird.
| Rakka: | Wo sind wir hier? |
|---|---|
| Washi: | Im Inneren der Mauer. |
| Rakka: | Die Mauer? |
Beide besteigen ein Boot, und Washi steuert dieses den Fluß entlang. Rakka ist völlig gefesselt von dem Anblick, der sich ihren Augen bietet. An einer Treppe legt das Boot an:
| Washi: | Schau dort hinüber! |
|---|---|
| Washi: | Diese hier nennt man "kouhaku". |
| Note: | kouhaku = Lichtflocken |
| Washi: | Daraus werden eure Halos gemacht. |
| Washi: | Du mußt diesen Korridor umrunden, das kouhaku einsammeln und die verwitterten Plaketten säubern. |
| Washi: | Dies wird von nun an deine Arbeit in dieser Stadt sein. |
| Washi: | Das ist eine wichtige Aufgabe. |
| Washi: | Traust du dir das zu? |
| Rakka: | Das soll ich... ganz alleine? |
| Washi: | Fürchtest du dich? |
Washi packt Rakka an ihrer Ehre - er weiß inzwischen recht gut mit dem Mädchen umzugehen.
| Rakka: | Ich mache es. |
|---|
Na also. Washi gibt ihr noch den kouhaku-Behälter, und dann kann es los gehen.
| Rakka: | Ich werde dich später wieder abholen. |
|---|---|
| Washi: | Was auch geschehen mag, du darfst diese Robe nicht ausziehen. |
| Washi: | Hab keine Angst, auch wenn du etwas siehst oder hörst. |
| Washi: | Was immer es auch ist, es kann niemanden berühren, der eine solche Robe trägt. |
| Rakka: | Wird denn etwas hier erscheinen? |
Aber Washi antwortet nicht auf jede Frage... immerhin hat er Rakka nun jederzeit in seiner Reichweite. In Rakkas momentaner Phase wird das dem Mädchen, welches Washi als ihren spirituellen Führer akzeptiert hat, nur gut tun können; gleichzeitig hat Washi die Möglichkeit, über Rakka seinen Einfluß auf Reki wieder zu verstärken, um dieser eine letzte Chance auf ihre Erlösung zu geben.
Rakka bei der Arbeit - sie wäscht die Plaketten und sammelt das kouhaku mit einer Pinzette ein. Dabei fällt ihr Blick immer wieder auf die seltsamen Zeichen auf diesen Plaketten - und Rakka beginnt, darüber nachzudenken:
| Rakka: | Das sind... |
|---|
Das Wetter ist wieder schlechter geworden. Hyouko und Midori stapfen durch das Schneetreiben:
| Midori: | Ach, deshalb also. |
|---|
Vermutlich hat Hyouko Midori gerade die Geschichte mit der Erbsensuppe erzählt - den Anlaß für die Aktion, welche beide gerade durchführen.
| Midori: | Aber warum muß ich das tun? |
|---|
Midori weiß nun, wieso Hyouko den Old-Home-Leuten etwas schenken will - aber was hat sie selbst damit zu tun?
| Hyouko: | Ich hab' doch keine Wahl! Ich darf nicht ins Südviertel. |
|---|
Eine Spätfolge seiner und Rekis Betrafung vor fünf Jahren. Für Reki gilt umgekehrt dasselbe, wie wir noch in dieser Episode sehen werden - auch sie darf Hyouko nicht besuchen gehen.
| Midori: | Warum begleitest du mich dann überhaupt? |
|---|---|
| Midori: | Du hoffst, Reki zu begegnen, nicht wahr? |
Midori ist nicht dumm - und sie ist mißtrauisch bezüglich allem, was zu einem Kontakt zwischen "ihrem" Hyouko und der "bösen" Reki führen könnte.
| Midori: | Und ich mußte alles zubereiten! |
|---|---|
| Midori: | Du kannst auch nichts alleine machen! |
| Hyouko: | Wann hab' ich denn jemals...? |
"... vorher deine Hilfe in Anspruch nehmen müssen?" Tja, wenn man das wüßte...
Und tatsächlich: An der Brücke in Richtung Renmei-Tempel treffen sie auf Reki, die dort auf Rakka wartet, um diese von ihrer "Bestrafung" durch die Renmei abzuholen. Reki hat dafür extra einen zweiten Regenschirm mitgebracht, weil Rakka selbst bei dem vorher noch besseren Wetter keinen mitgenommen hatte. Einen endlos anmutenden Moment lang hört man nur die Glocke von Old Home läuten...
| Hyouko: | Nun geh schon... |
|---|---|
| Midori: | Bei Euch wohnt doch ein Mädchen mit so komischen abstehenden Haaren, nicht wahr? |
| Reki: | Du meinst Rakka? |
Midori wendet den Blick ab von Reki - die Szene ist ihr peinlich:
| Midori: | Hyouko möchte ihr das hier geben. |
|---|---|
| Reki: | Was ist das? |
Das geht Reki überhaupt nichts an - Midori, mit roten Wangen (und womöglich von ihren eigenen Back-Künsten nicht gerade überzeugt), protestiert:
| Midori: | Nein, nicht öffnen! |
|---|---|
| Midori: | Gib's ihr einfach, okay? |
Und nun folgt eine Szene, die wunderbar zeigt, wie sehr die Fürsorglichkeit ein Teil von Rekis Charakter geworden ist. Reki vergißt für einen Moment alles, was zwischen ihr und Midori geschehen ist, und versucht, diese vor einer Krankheit zu bewahren (mit Fieber hat Reki ja nun wirklich genügend Erfahrungen...).
| Reki: | Midori. |
|---|---|
| Reki: | Hier. Du erkältest dich sonst. |
Reki reicht Midori den mitgebrachten Regenschirm (ihr eigener wird für Rakka und sie selbst ausreichen) - und genau wie Washis Stab wird auch dieser Gegenstand dazu führen, den Kontakt zwischen beiden Parteien aufrecht zu erhalten, weil auch er zurück gebracht werden muß.
Midori stapft mit regungslosem Gesichtsausdruck zu Reki und reißt dieser den Regenschirm fast aus der Hand. Rekis Augen weiten sich - Midori ist also so wütend auf sie wie eh und je... aber plötzlich sagt Midori, über ihre Schulter hinweg:
| Midori: | Reki, hör auf zu rauchen. |
|---|---|
| Midori: | Du siehst dabei albern aus. |
Rekis Gesichtsausdruck entspannt sich. Diese Stichelei ist nicht viel anders als das, was zwischen Nemu und Reki alltäglich geschieht - es sind also anscheinend noch Spuren der alten Freundschaft vorhanden. Wäre da nicht dieser unsägliche Vorwurf, der zwischen beiden liegt... doch auch zwischen Nemu und ihr lag ein solcher Vorwurf, und die hat sich mit Reki noch am selben Tag wieder versöhnt...
| Midori: | Wir gehen! |
|---|---|
| Hyouko: | Kommandier mich nicht rum! |
Hyouko kommt Midori entgegen, um deren Schirm mit zu benutzen; nun ist auch er in Kontaktweite von Reki und versucht, über "Daumen hoch" / "Daumen runter" vielleicht deren Stimmung auszuloten? Was Reki in jedem Fall erstaunlich wütend zu machen scheint:
| Reki: | Trottel! |
|---|
Immerhin ist es nur der Zeigefinger, den Reki Hyouko zeigt - nicht der Mittelfinger...
Dennoch ist das ein hochinteressanter Moment für Rakka, auf dem Schauplatz zu erscheinen, mitsamt ihrer angeborenen Neugier:
| Rakka: | Was machst du da? |
|---|---|
| Reki: | Äh...? |
| Reki: | Nichts. Rein gar nichts. |
| Reki: | Entschuldige, ich wollte dich abholen, aber so ein Idiot hat mich aufgehalten. |
| Reki: | Oh, und von diesem Idioten soll ich dir dies hier geben. |
| Reki: | Übrigens, wie hat man dich bestraft? |
| Reki: | Sie haben dir nichts Schreckliches angetan? |
| Rakka: | Ähm, ich muß den Tempel putzen. |
| Rakka: | Das ist ab jetzt meine Arbeit. |
Erstaunlich, daß Rakka nicht näher auf das kouhaku eingeht. Hat sie dessen Funktion noch nicht verstanden, oder ist das ein Thema, über das sie selbst mit Reki nicht reden will? Hält sie ihren Job für eine Vertrauensposition, über die sie niemandem etwas erzählen darf?
| Reki: | Putzen? |
|---|---|
| Reki: | Diese Welt ist voller Idioten... |
| Paket: | An die Bewohner |
|---|---|
| Paket: | von Old Home |
| Hikari: | Schaut euch das an! |
| Nemu: | Ein, zwei, drei... |
Wieder ist es Nemu, die zum Zählen "antreten" darf - wie damals die Bücher in der Bibliothek...
| Nemu: | Das reicht sogar für die Haushälterin und die Kleinen. |
|---|---|
| Nemu: | Die wissen, was sich gehört. |
| Nemu: | Da werde ich meine Meinung wohl ändern müssen. |
Kana teilt Nemus Ansicht noch nicht so ganz:
| Kana: | Was ist das? |
|---|---|
| Kana: | Oh, Mann. |
| Zettel: | Entschuldigung wegen der Suppe |
| Kana: | Was für eine Sauklaue! |
| Hikari: | Also ich finde, wir sollten uns revanchieren. |
| Kana: | Finde ich nicht. |
| Kana: | Auf dem Zettel steht, daß es eine Entschuldigung ist. |
Aber Hikari scheint sich am wohlsten zu fühlen, wenn alle um sie herum glücklich und zufrieden sind - auch die Haibane aus der Fabrik:
| Hikari: | Wir sollten das trotzdem tun. |
|---|---|
| Nemu: | Reki, was meinst du? |
| Reki: | Also, ich weiß nicht... |
Reki weicht Nemus Frage aus - sie will sich da nicht einmischen. Beim Thema "Hyouko" hat sie Berührungsängste (zu viele schlechte Erfahrungen und keine echte Hoffnung auf Besserung), und ihre Beziehung zu Rakka ist auch gerade in einem kritischen Stadium. Also übernimmt Nemu ausnahmsweise das Kommando:
| Nemu: | Übrigens, geht Dai nicht bald zurück zur verlassenen Fabrik? |
|---|---|
| Nemu: | Sollen wir ihnen vorher einen Besuch abstatten? |
| Rakka: | Worüber redet ihr? |
| Nemu: | In der verlassenen Fabrik können sie nicht auf die Kinder aufpassen. |
| Nemu: | Also betreuen wir die Kleinen. |
| Nemu: | Und ein paar Mal im Jahr gehen sie zu Besuch zurück. |
| Rakka: | Ach so. |
| Reki: | Aber zur verlassenen Fabrik darf ich nicht... |
Wir erinnern uns, daß weder Hyouko noch Reki das jeweils andere Stadtviertel betreten dürfen - deshalb mußte Midori den Kuchen nicht nur backen, sondern auch noch überbringen.
| Nemu: | Ich weiß. Wir müssen ja nicht alle hingehen. |
|---|---|
| Hikari: | Also, ich will! |
| Nemu: | Aber ich muß dich warnen, die Jungs sind Rüpel. |
| Kana: | Sieht so aus... |
Auf dem Zettel stehen nämlich keine Kanjis, die man bei so normalen japanischen Worten normalerweise verwenden würde, sondern Hiragana und Katakana, wie sie eher für Fremdworte verwendet werden - also die einfache Zeichenschrift wie unsere westliche, nicht die komplexe Silben-/Bilderschrift aus vielen tausend eigenständigen Zeichen. Jemand, der hier keine Kanji verwendet, kann (von einem Japaner) durchaus als halber Analphabet angesehen werden (Schulkinder in Japan müssen in ihren ersten 6 Schuljahren knapp 2000 verschiedene Kanjis lernen) - ich denke, darauf läuft Kanas Kommentar hinaus. (Mit Dank an ctw, der das im Forum erklärt hat.)
Nun ist Hikari doch ziemlich verunsichert - sie besteht nicht mehr auf ihrer Teilnahme. Kana findet die ganze Aktion ohnehin nicht sinnvoll; Reki darf das Stadtviertel der Fabrik nicht betreten. Also scheint der Job an Nemu selbst hängen zu bleiben... doch halt:
| Rakka: | Ich werde das erledigen. |
|---|
Rakka, die lange Zeit keinen festen Job hatte, meldet sich öfters freiwillig für solche Aktionen, um sich nützlich zu machen - in Episode 11 wird es die Krankmeldung von Nemu an die Bibliothek sein, die sie überbringt (weil Kana keine Lust auf den kleinen Umweg hat). Und in diesem Falle ist es sogar logisch, daß sie sich persönlich für dieses Geschenk bedankt (das ja immerhin an sie adressiert war).
Hikari ist froh, daß ein Bote gefunden ist - dann kann sie sich auf etwas konzentrieren, das ihr mehr liegt:
| Hikari: | Dann mache ich ein paar Leckereien. |
|---|---|
| Nemu: | Und was meinst du dazu, Reki? |
Nemu hat gerade alle Details organisiert, will sich aber von der anerkannten Anführerin Reki noch das Einverständnis abholen.
| Reki: | Das überlasse ich Euch. |
|---|
Nemu macht große Augen: Was ist denn mit Reki los? Aber gleich wird sie sich noch erheblich mehr wundern...
| Hikari: | Gute Nacht. |
|---|---|
| Kana: | Nacht. |
| Reki: | Gute Nacht. |
| Nemu: | Gute Nacht. |
| Rakka: | Gute Nacht. |
Aber Reki hat noch etwas klarzustellen - etwas, das ihr im Tempel der Renmei von Washi klar gemacht wurde:
| Reki: | Nemu... |
|---|---|
| Nemu: | Hm? |
| Reki: | Mach dir um mich keine Sorgen. |
| Reki: | Ich komme auch alleine zurecht. |
Vorhin im Rückblick war es Nemu, die Reki nicht ins Gesicht blicken konnte - diesmal ist es Reki, die nur über ihre Schulter hinweg mit Nemu reden kann. Die lange Beziehung der beiden hat im Laufe der Jahre einige Belastungen ertragen müssen, und nicht alle Wunden sind verheilt - zwischen beiden herrscht kein absolutes Vertrauensverhältnis, wie es zwischen Reki und Rakka zeitweise existierte.
| Nemu: | Was? Wovon redest du? |
|---|---|
| Reki: | Ich will dir nicht zur Last fallen, Nemu. |
Das ist bei weitem nicht konkret genug, als daß Nemu begreifen könnte, was Reki auf dem Herzen hat. Andererseits reicht es, um Nemu darauf aufmerksam zu machen, daß mit Reki etwas nicht in Ordnung ist. Aber es war nie Nemus Art, sich einzumischen (Rekis Art dagegen sehr wohl, wie wir aus Episode 9 wissen), und sie wird es auch diesmal nicht tun.
| Nemu: | Reki, was ist los mit dir? |
|---|---|
| Nemu: | Reki? |
Nemu kennt natürlich die Vorgeschichte nicht - sie war bei der Unterhaltung zwischen Reki und Washi nicht anwesend. Aber selbst wenn sie genau wüßte, was Reki da angesprochen hat, hätte sie immer noch ihre Probleme damit, sich selbst ihre Abhängigkeit von Reki einzugestehen. In Episode 13 werden wir sehen, wie sehr Nemu erleichtert ist, daß Reki endlich ihren Segen empfangen hat.
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