Haibane Renmei
Episode 8: Der Vogel
Der Titel der Episode
| Titel: | Der Vogel |
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Die Episode beginnt mit einer still stehenden Windmühle - genauso unfähig zu einer Bewegung wie Rakka. Der Wind - ebenso physikalische wie spirituelle Energiequelle von Guri - ist kaum noch spürbar, die allgemeine Stimmung ist nahe dem Tiefpunkt: Auch die meisten anderen Haibane haben den Verlust von Kuu noch nicht völlig verarbeitet.
In ihrem Zimmer spült Rakka ihre Federn aus, wie Reki es ihr geraten hatte (und sie schüttelt ihre Flügel aus wie ein kleiner Vogel in einem Vogelbad - kawaii!). Die dunklen Flecken auf ihren Flügeln sind nicht mehr zu erkennen. Rakka atmet aus - wir können ihren Atem deutlich sehen, es muß also ganz schön kalt sein in ihrem Zimmer. Sie drückt ihren Zeigefinger gegen den Spiegel - so wie Kuu ihren Zeigefinger gegen das Fenster gedrückt hatte, als sie sich in genau diesem Zimmer von Rakka verabschiedete.
Es klopft an Rakkas Zimmertür:
| Kana: | Rakka, bist du schon auf? |
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Rakkas erster, panischer Gedanke: "Niemand darf meine Flügel sehen!" Sie greift sich ihre Winterjacke und hängt sich diese über den Rücken.
| Rakka: | Ja. |
|---|---|
| Kana: | Wir sind alle in Kuus Zimmer. |
| Rakka: | Okay, ich komme. |
Rakka atmet auf - die unmittelbare Gefahr ist vorbei. Ein Moment der Ruhe... was war es doch gleich, das Kana von ihr wollte? Kuus Zimmer? Schon wieder Kuu! Rakka schrickt zusammen, als sie das begreift. Sie wartet noch einen Moment - und rafft sich dann auf, das Unvermeidliche anzugehen.
Rakka betritt Kuus Zimmer. Hikari begrüßt sie:
| Hikari: | Gefallen sie dir? |
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Sie meint die Flügelschoner, welche Rakka nun trägt - als einzige Bewohnerin von Old Home auch innerhalb des Gebäudes. Sicher ist sicher.
| Rakka: | Ja. |
|---|---|
| Hikari: | Wie schön! |
Dem Mädchen fällt sichtlich ein Stein vom Herzen.
Nemu "eröffnet die Sitzung":
| Nemu: | Jede von uns wird sich einen Gegenstand zur Erinnerung nehmen. |
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Das ist bereits beschlossen - egal, ob Rakka mitmacht oder nicht. Kuus Status als Bewohnerin von Old Home ist hiermit offiziell beendet.
Nachdenklich betrachtet Reki Rakkas Flügelschoner... und wiederholt dann Hikaris Vorschlag von gestern:
| Reki: | Rakka, wie wär's mit dem Bett? |
|---|---|
| Reki: | Oder möchtest du sonst noch etwas? |
Und tatsächlich, Rakka muß keinen Moment nachdenken - sie weiß genau, welches Erinnerungsstück an Kuu sie behalten möchte:
| Rakka: | Diese dort. |
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Die Gruppe der Frosch-Figuren mit den Namen aller Haibane von Old Home natürlich. Ihre eigene Figur liegt immer noch auf dem Rücken... für das Bett interessiert sie sich im Moment nicht, obwohl sie eigentlich dringend eines brauchen würde und dies zu Beginn von Episode 7 noch selbst sagte. Rakka verliert mehr und mehr den Bezug zu ihrer Umwelt.
Während Rakka noch ganz in Gedanken versunken ist, trägt Reki alleine die Matratze von Kuus Bett in Rakkas Zimmer. (Rakka hat sich zwar nicht explizit dazu geäußert, aber das Bett nutzlos herumstehen zu lassen, bloß weil ihre Freundin Rakka sich nicht um ihr eigenes Wohl kümmert, das kann Reki nicht verantworten.)
| Reki: | So... |
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Von Kanas angekündigter "Hilfe beim Tragen" sehen wir natürlich nichts - kein Wunder. ;-)
Rakka baut derweil die Frosch-Szene auf ihrem Schreibtisch wieder auf - und zwar exakt so, wie sie in Kuus Zimmer stand, inklusive aller Positionen und Blickrichtungen.
| Reki: | Das wäre erledigt. |
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Rakka bemerkt gar nicht, wie Reki für sie arbeitet - sie ist völlig mit dem Aufbau der Frosch-Szene beschäftigt.
| Reki: | Brrr... ganz schön kalt. |
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In Episode 9 wird es noch viel kälter werden, was Rakka betrifft.
| Reki: | Ein Glück, daß du ein Bett gefunden hast, bevor es anfängt zu schneien... |
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Die erste Erwähnung des Schnees in dieser Episode. Rekis Worte "verebben" regelrecht, als sie sieht, daß Rakka ihr überhaupt nicht zuhört, sondern wie gebannt auf die Frosch-Figuren blickt. Rakka hat derweil ihre eigene Figur, die in Kuus Zimmer noch auf ihrem Rücken lag, wieder neben diejenige von Kuu gesetzt.
Reki zögert... sie überlegt, ob sie Rakka alleine lassen soll, wie Nemu vorgeschlagen hatte. Aber die vergangenen Tage haben ihr überdeutlich klar gemacht, wie sehr Rakka Hilfe braucht... Reki greift nach einer Zigarette und probiert ein neues Thema - sie darf Rakka jetzt nicht im Stich lassen.
| Reki: | Wie geht es deinen Flügeln? |
|---|---|
| Rakka: | Muss ich ab jetzt immer die Medizin benutzen und meine Flügel verstecken? |
Ja, Rakka sagt "Medizin" (kusuri), obwohl sie es inzwischen eigentlich besser wissen müßte. Andererseits trägt sie die Flügelschoner auch innerhalb des Hauses...
| Reki: | Die Kraft der Mauer läßt im Winter nach, so daß wir den bösen Elementen mehr ausgesetzt sind. |
|---|---|
| Reki: | Also, bis zum Ende des Winters... |
Rakka verkriecht sich noch tiefer in ihre (Kuus!) Jacke, als sie das hört. Aber sie stellt die Frage, welche sie am meisten beschäftigt:
| Rakka: | Was sind Haibane wirklich? |
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Diese Frage aus der Schlußszene von Episode 7 wird Rakka noch eine ganze Weile beschäftigen.
Endlich brennt Rekis Feuerzeug - aber nach dieser Frage läßt Reki es erst mal wieder ausgehen und lauscht Rakkas Worten:
| Rakka: | Alle sagen, dass Stadt und Mauer für die Haibane da sind. |
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Zumindest Reki hat das gesagt, und Kanas Aussage über das "geschützte Leben" in Guri geht in dieselbe Richtung.
| Rakka: | Aber Haibane werden unerwartet geboren. |
|---|---|
| Rakka: | Und genauso plötzlich verschwinden sie auch wieder. |
| Rakka: | Ich weiß nicht, warum ich eine Haibane geworden bin. |
| Rakka: | Ich bin hier, aber ich kann mich an nichts mehr erinnern. |
| Rakka: | Und wenn ich eines Tages verschwinde, ohne etwas erreicht zu haben, |
| Rakka: | warum bin ich dann überhaupt hier? |
Hm... dieses Thema kann länger dauern. Reki zündet sich nun doch eine Kippe an:
| Reki: | Weißt du, es gab mal eine Zeit, da habe ich mich das auch gefragt. |
|---|---|
| Reki: | Ich glaube, all dies muß einen Sinn haben. |
| Reki: | Einen Sinn... man muß ihn bloß entdecken. |
Es ist möglich, daß der Sinn/Zweck des Aufenthalts in Guri individuell für den Betrachter ist - nicht jede Haibane hat hier dieselbe Aufgabe zu erfüllen: Ältere Haibane scheinen unbewältigte Probleme lösen zu müssen (und zwar jeder sein eigenes), während die ganz Kleinen vielleicht einfach nur die Zeit benötigen, um einen eigenen Charakter vollständig auszuprägen.
Rakkas Gesichtsausdruck zeigt keine Regung. Dennoch ist es beeindruckend, zu beobachten, wie Rakka und Reki hier Seite an Seite um die Lösung ihres gemeinsamen Problems ringen - doch schon in ein paar Stunden Guri-Zeit werden beide wieder getrennte Wege gehen.
Reki geht mit den Kindern in Richtung Stadt spazieren, und Rakka begleitet sie.
| Reki: | Kommt Kinder, schön in einer Reihe gehen! |
|---|---|
| Kids: | Stein... Papier... |
| Kids: | Schere! |
Schon wieder eine Schere... Rakka scheint tief in Gedanken versunken zu sein, sie reagiert jedenfalls nicht auf dieses Wort.
| Kids: | Gewonnen! |
|---|---|
| Reki: | Hey! |
| Reki: | Nicht zu nah ans Ufer, ihr fallt sonst in den Fluß! |
| Reki: | Oh Mann! |
| Kids: | Taku hat mich geschubst! |
Eine Wolke verdeckt die Sonne; der Wind hat wieder aufgefrischt, streicht über die Wiesen und treibt die Windräder an. Hier war Kuus Lieblingsplatz...
| Reki: | Dies ist das letzte Mal, daß wir die Felder so sehen werden. |
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Das japanische Original läßt bewußt mehrdeutig, ob Reki "das letzte Mal in diesem Winter" oder "das letzte Mal überhaupt" meint. Für Reki selbst trifft sogar letzteres zu: Sie wird diese grünen Wiesen niemals wieder sehen... der Tag, das Nest zu verlassen, wird für sie noch in diesem Winter kommen. Allerdings weiß sie das in diesem Moment noch nicht.
| Rakka: | Hm? |
|---|---|
| Reki: | Bald wird es schneien. |
Zum zweiten Mal erwähnt sie heute den Schnee... Reki erklärt weiter, während sie den Schmutz vom Rock eines der Mädchen klopft:
| Reki: | Dann wird alles unter einem reinen, weißen Teppich verschwunden sein. |
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Weiß als die Farbe der Reinheit - im Gegensatz zu den befleckten Flügeln! - muß den beiden tsumitsuki Haibane in diesem Moment als Ideal erscheinen.
| Reki: | So wie in den Wolken... ganz weiß. |
|---|---|
| Reki: | Wir müssen uns auf den Winter vorbereiten. |
Was immer das bedeuten mag.
| Rakka: | Ja. |
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Rakka erinnert das an etwas:
| Rakka: | ... wie in den Wolken... |
|---|---|
| Rakka: | Im Kokon habe ich geträumt, ich bin in den Wolken... |
| Reki: | Stimmt, du hast ja vom Himmel geträumt. |
| Rakka: | Weißt du, ich erinnere mich nicht mehr, was dann passiert ist, genau wie du. |
Sowohl bei Reki als auch bei Rakka bricht der Traum genau an dem Punkt ab, an dem er die wesentliche Botschaft enthalten würde...
| Rakka: | Auch wenn ich glaube, dass ich dort jemanden getroffen habe, der mir sehr viel bedeutet. |
|---|---|
| Rakka: | Manchmal kann ich mich fast daran erinnern. |
| Rakka: | Aber dann bekomme ich Angst, als ob... |
"...ich etwas Schlimmes mit dieser Person erlebt haben könnte." Rakka scheint davor zurückzuschrecken, sich wirklich zu erinnern - ganz anders als Reki, die mit viel Aufwand um ihre Erinnerung kämpft... beides ziemlich charakteristisch für die jeweiligen Charaktere.
Das alles ist sehr wichtig für Rakka: Wenn sie sich an ihren Traum erinnern kann, dann kann sie vielleicht den Fluch auf ihren Flügeln bannen? Aber vielleicht ist das, was sie vergessen (oder verdrängt?) hat, so schrecklich, daß sie sich besser doch nicht erinnern sollte?
Um so mehr erschrickt sie, als Reki sich ganz plötzlich und lautstark wieder den Kindern zuwendet. Hat ihre Freundin ihr überhaupt zugehört?
| Reki: | Lauft nicht so weit voraus, Kinder! |
|---|---|
| Kids: | Reki! Beeil dich! |
Traurig blickt Rakka zu Boden. Doch Reki hat ihr sehr wohl zugehört und findet jetzt auch die richtigen Worte:
| Reki: | Ich werde immer bei dir sein. |
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Rakka blickt überrascht wieder auf.
| Reki: | Als ich Kuramori verlor, bin ich vom Weg abgekommen. |
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Wundervoll die Parallelität der Bilder: Damals ist Reki von ihrem Weg abgekommen - heute besteht ihre Aufgabe darin, die Kinder auf dem geraden Weg zu leiten, damit diese nicht in den Fluß fallen. Und auch Rakka scheint dieser Führung durch Reki zu bedürfen...
| Reki: | Was auch passieren mag... |
|---|---|
| Reki: | Rakka, ich werde bei dir sein. |
In Episode 11 werden wir noch einmal einen Spaziergang dieser beiden beobachten - und wie anders wird Reki sich dann fühlen! Doch auch jetzt schon birgt die Ankündigung "ewiger" Unterstützung die Vorahnung, daß es anders kommen wird. Wie schnell das gehen kann, ahnt an dieser Stelle noch niemand.
Reki konzentriert sich wieder auf die Kleinen - und die haben diesen Moment natürlich prompt ausgenutzt, um etwas anzustellen:
| Reki: | Was? |
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Einer der Jungs liegt heulend am Boden.
| Reki: | Herrje! |
|---|---|
| Reki: | Ich habe euch doch gesagt, ihr sollt vorsichtig sein! |
| Reki: | Geht in einer Reihe in der Mitte der Straße! Mitte, klar!? |
Als Rakka erkennt, wie fürsorglich Reki sich nicht nur um sie selbst, sondern eben auch um die Kleinen kümmert, erscheint zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Eine solche Freundin zu haben, das muß ein Geschenk des Himmels sein. Entspannt lehnt Rakka sich zurück und atmet die kalte Luft ein...
...da erblickt sie zwei Krähen, die auf der Stromleitung sitzen und zu ihr herab blicken. Zum ersten Mal seit den Flecken auf ihren Flügeln begegnen ihr diese Vögel... und zu ersten Mal hat Rakka Angst vor ihnen und rennt Reki hinterher.
Die Krähen in dieser Serie übernehmen die Rolle der "Führer der Seelen", welche diese in die "Unterwelt" geleiten.
Die Gasse mit dem Kleiderladen - wie eine Flagge hängen die beiden Tuch-Streifen herab.
| Kleiderhaendler: | Aufstellen in Reih' und Glied! |
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Diesmal kommt das Kommando vom Inhaber des Altkleidergeschäftes: Zehn kleine Haibane präsentieren ihre neuen, einheitlichen Winterjacken.
| Kleiderhaendler: | Und jetzt umdrehen! |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Oh je, die Ärmel sind alle verschieden lang. |
| Kleiderhaendler: | Wir müssen die Säume noch mal ändern. |
Die Länge läßt sich dadurch in gewissen Grenzen korrigieren - es ist bloß ein Haufen Arbeit, kostet aber kein neues Material. Es geht auch nicht darum, daß die Mäntel etwa unbrauchbar wären - das Ergebnis ist bloß einfach nicht so perfekt, wie es geplant war.
Reki stößt einen Seufzer aus - das hat sie sich einfacher vorgestellt:
| Reki: | Oh nein! |
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Mit Nadelarbeit haben Haibane eine gewisse Erfahrung - andererseits wissen wir, daß der Kleiderhändler immerhin eine gute Nähmaschine besitzt, die wir bereits in Aktion erleben durften, als Rakka ihr erstes Kleid bei ihm kaufte. Das Unternehmen dürfte also tatsächlich gar nicht so lange dauern.
| Kleiderhaendler: | Schauen Sie mich doch nicht so vorwurfsvoll an! |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Alleine für's Auftreiben zehn solcher Mäntel habe ich einen Orden verdient! |
| Reki: | Stimmt auch wieder... |
| Reki: | Na gut, ich helfe Ihnen. |
Reki zieht ihren Mantel aus und legt ihn auf den Tresen - sie wird wohl selbst mit anpacken müssen.
| Reki: | Rakka, such dir inzwischen auch etwas Winterfestes zum Anziehen aus. |
|---|---|
| Reki: | Es wird nicht lange dauern. |
| Rakka: | Okay. |
Die Kamera blendet auf Rakkas Holzschuhe - als "winterfest" würde ich die nicht gerade bezeichnen.
| Kleiderhaendler: | Schicken Sie sie rein, nachdem sie ihre Mäntel ausgezogen haben. |
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Denn die Kids müßen jetzt noch mal antreten zum Messen der Länge ihrer Arme.
| Reki: | Klar. |
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Aber so "bald" wird das Unternehmen nicht fertig sein: Zehn Kinder zu hüten, noch dazu in einem so unübersichtlichen Gelände wie dem Kleiderladen, das ist keine Kleinigkeit.
| Kids: | Ich krieg' ihn nicht an... |
|---|---|
| Reki: | Ich sagte doch, du sollst zuerst den Mantel ausziehen! |
Den hat der Kleine, den wir durchs Bild huschen sehen, noch an.
| Kleiderhaendler: | Hey hey, nicht alle auf einmal! |
|---|---|
| Reki: | Entschuldigen Sie vielmals! |
| Kleiderhaendler: | Hört ihr wohl auf, rum zu toben! Ihr tut euch noch weh! |
| Kleiderhaendler: | Aua! Nicht an meinem Bart ziehen! |
Reki merkt, daß der Ladeninhaber hier überfordert ist:
| Reki: | Lassen Sie mich die Längen messen. |
|---|---|
| Reki: | Kümmern Sie sich inzwischen um den Laden. |
| Kleiderhaendler: | Mach' ich! |
| Kleiderhaendler: | Danke! |
| Kleiderhaendler: | Diese Kinder machen einen echt fertig... |
Der Ladeninhaber ist heilfroh, dem Chaos entkommen zu sein. Mit Rakka kommt er weitaus besser zurecht:
| Kleiderhaendler: | Hast du dich schon an die Stadt gewöhnt? |
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Er hängt Rekis Mantel auf einen Kleiderbügel.
| Kleiderhaendler: | Du bist bestimmt überrascht, wie schnell hier der Winter kommt. |
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Rakka sieht den Händler an, dann dreht sie sich um. Selbst ihre gewohnte Höflichkeit leidet unter ihrer depressiven Stimmung. Rakka greift sich einen knallroten Wintermantel (eine Farbe, die ansonsten in der gesamten Serie kaum vorkommt) und geht damit an die Kasse:
| Rakka: | Dies hier. |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Bitte sehr. |
| Kleiderhaendler: | Du brauchst auch noch Schuhe. |
| Rakka: | Hm? Aber... |
| Kleiderhaendler: | In deinen Sandalen wirst du ganz schön frieren. |
| Kleiderhaendler: | Es wird bald schneien. |
Zum dritten Mal in dieser Episode wird der nahende erste Schneefall angekündigt. Und er wird auch noch in dieser Episode zu sehen sein. Und wir werden Rakka in Episode 9 sogar völlig ohne Schuhe durch den Schnee laufen sehen...
| Kleiderhaendler: | Wie wär's hiermit? |
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Schöne warme Winterstiefel für Rakka - genau das, was sie braucht. Wieder einmal ist jemand freundlicher zu ihr, als sie glaubt, das verdient zu haben...
| Rakka: | Ja, aber... |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Nicht so schüchtern! |
| Kleiderhaendler: | Haibane sollten doch immer gut gelaunt sein und ein fröhliches Gesicht machen. |
Denn das "färbt dann auf ihre Umgebung ab" - ein Teil des Segens, den die Haibane vielleicht für Guri bedeuten.
Das scheint für alle Bewohner von Guri mehr oder weniger selbstverständlich zu sein - bloß nicht für diejenige, die gerade vor ihm steht:
| Rakka: | Warum? |
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Die Musik setzt ein - Rakkas Frage ist durchaus fundamentaler Natur.
| Kleiderhaendler: | Warum? |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Wie soll ich sagen... |
Der Händler kramt unter seiner Theke nach einer passenden Schachtel für die warmen Winterstiefel.
| Kleiderhaendler: | Seit ich klein war, hat meine Mutter mir immer erzählt: Die Haibane haben den Segen des Himmels empfangen. |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Deshalb seid ihr so eine Art Glücksbringer für uns. |
Das trifft Rakka wie ein Stich in ihr ohnehin verwundetes Herz: Sie, die sich selbst für verflucht hält, soll also gesegnet und ein Glücksbringer für die Bewohner von Guri sein? Das ist so ziemlich das letzte, was sie glauben könnte:
| Rakka: | Gesegnet? Aber ich bin nicht... |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Ach, nimm das nicht so ernst. |
| Kleiderhaendler: | Das ist nur so eine Redensart. |
| Kleiderhaendler: | Hier bitte. |
| Rakka: | Aber ich habe nur noch ein Blatt in meinem Heft... |
Doch der Händler läßt sich davon nicht beirren - genau wie der CafeKartie-Besitzer in Episode 7.
| Kleiderhaendler: | Deshalb nimm die Stiefel... |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | ...sozusagen... |
| Kleiderhaendler: | ...als Neujahrsgeschenk. |
| Kleiderhaendler: | Noch ein wenig früh, hm? |
Der Händler hat Rakkas Gesichtsausdruck bemerkt und versucht, sie aufzumuntern:
| Kleiderhaendler: | Ich weiß ja nicht, was passiert ist,... |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | aber es kommen auch wieder bessere Zeiten. |
Rakka ist nicht dieser Meinung - und sie ist kein Geheimniskrämer wie Reki. Sie hat keine Scheu vor dem netten Kleiderhändler - aber sie hat auch keine Hoffnung:
| Rakka: | Sie kommen nicht. |
|---|---|
| Rakka: | Ich bin als Haibane ein Versager. |
| Kleiderhaendler: | Hä? |
Der Händler ist ziemlich verdutzt und hält mitten im Schreiben der "Zahlungsanweisung" inne: So etwas hat ihm bestimmt noch keine Haibane erzählt.
Doch genau in dem Moment, wo er fragen könnte, was denn passiert sei, geht die Tür des Geschäfts - neue Kundschaft! Ein junges Pärchen betritt den Laden. Der Mann hat auch bereits ein Kleidungsstück ausgesucht:
| Begleiter: | Den hier hätte ich gerne. |
|---|---|
| Kleiderhaendler: | Oh, komme... |
Auch Rakkas zweite Haupt-Unterstützung neben Reki wird von seiner "Betreuung" der kleinen Haibane abgelenkt - und die Ereignisse nehmen ihren Lauf...
| Kleiderhaendler: | Mal sehen... |
|---|---|
| Begleiter: | Haben Sie den in einer anderen Größe? |
| Kleiderhaendler: | Ähm, den hier gibt es nur in dieser Größe. |
Anscheinend stellt er so etwas nicht selbst her, sondern ist von einem Lieferanten abhängig.
Die junge Frau hat derweil etwas anderes entdeckt:
| FanGirl: | Eine kleine Haibane! |
|---|---|
| FanGirl: | Ist die süß! |
| FanGirl: | Hä? |
| FanGirl: | Oh! |
Sie tippt mit dem Finger gegen Rakkas Halo, der immer noch einzelne Haarsträhnen nach oben zu ziehen scheint:
| FanGirl: | Wow! Der ist echt! |
|---|
Freudestrahlend wendet sich das "Haibane-Fangirl" an ihren Begleiter:
| FanGirl: | Schau mal, eine kleine Haibane! Was für ein Glück! |
|---|---|
| FanGirl: | Heute ist mein Glückstag! |
| Kleiderhaendler: | Bitte unterlassen Sie es, meine Kundin zu belästigen. |
| FanGirl: | Hey, ich stör' dich doch nicht, oder? |
| FanGirl: | ... stör' dich doch nicht... |
| FanGirl: | ... stör' dich doch nicht... |
Die Frau steht direkt hinter Rakka und versucht nun auch noch, deren Flügel zu berühren. Damit drückt sie praktisch Rakkas Selbstzerstörungsknopf: Bilder rasen durch den Kopf des Mädchens... Bilder von schwarz befleckten Flügeln...
| Rakka: | Faß mich nicht an! |
|---|
Die wohlerzogene Rakka würde normalerweise bestimmt "Sie" zu einer fremden Frau sagen - aber nicht in diesem Moment, wo sie völlig die Nerven verliert.
| FanGirl: | Hä? |
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Rakka macht auf dem Absatz kehrt und rennt Hals über Kopf aus dem Laden - ohne ihren neuen Mantel, und ohne die geschenkten Stiefel! Vergeblich ruft der Händler hinter ihr her:
| Kleiderhaendler: | Hey! |
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Reki hat Rakka nur wenige Minuten lang aus den Augen verloren. Aber das hat ausgereicht, das Mädchen aus dem Laden zu vertreiben, trotz der Unterstützung durch den netten Kleiderhändler. Doch es wird gleich noch schlimmer kommen...
Rakka rennt immer noch. Schließlich stolpert sie mit ihren Holzschuhen, stürzt heftig zu Boden und bleibt erst mal liegen. Ein älterer Mann bemerkt das und kommt auf sie zu:
| AlterMann: | Da sind Sie aber kräftig hingefallen, junges Fräulein. |
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Das wird nicht das letzte Mal in dieser Episode sein, daß Rakka ihrem Namen alle Ehre macht. Ihr nächster Sturz wird sie noch viel tiefer führen...
Der freundliche Mann hilft Rakka beim Aufstehen:
| Rakka: | Da... Danke sehr. |
|---|---|
| Rakka: | Ähm... |
| Rakka: | Entschuldigen Sie vielmals... |
Rakka ist die Szene peinlich: Weil sie unfähig war, auf ihre Füße zu achten, hat sie dem braven Mann die Zeit gestohlen. Ihr Selbstwertgefühl bekommt einen Schlag nach dem anderen. Wie immer in einer solchen Situation verbeugt sich Rakka fast schon zeremoniell. Aber der Mann geht an ihr vorbei und hebt etwas vom Boden auf: Ihren Flügelschoner! Eine Feder fällt heraus und zu Boden... eine Feder mit schwarzen Flecken...
| AlterMann: | Hier, das haben Sie verloren. |
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Die Bilder verschwimmen vor Rakkas Augen - sie reißt dem Mann den Flügelschoner aus der Hand und flieht in wilder Panik.
Noch vor höchstens einer Stunde hatte Reki versprochen, bei Rakka zu sein, was auch passieren würde! Und wo war sie? Beschäftigt mit anderen Schutzbefohlenen. Zum zweiten Mal wird sie von den Ereignissen "überrollt"...
Rakka geht über die Wiesen, unter den Windrädern entlang - dort, wo Kuu früher so gerne umher gelaufen war. Den Flügelschoner hält sie in der Hand; ihr linker Flügel ist übersät mit großen, schwarzen Flecken.
Achtlos läßt sie den Flügelschoner fallen. Sie schaut nach oben - und der Propeller dreht sich in den Wind.
| Rakka: | Ich gehöre nirgendwo hin. Nirgendwo... |
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Rakka beginnt, hemmungslos zu weinen.
| Rakka: | Es wäre am besten, wenn ich einfach verschwinden würde. |
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In diesem Moment wiederholt Rakka die Sünde, welche sie überhaupt erst nach Guri gebracht hat: Sie glaubt, sie wäre allein und niemand würde sie vermissen, wenn sie verschwände. In ihrem Kokon-Traum hat der Vogel ihr zwar das Gegenteil gezeigt, aber diesen Traum hat Rakka vergessen. Dies ist der emotionale Tiefpunkt der gesamten Serie.
Genau im Moment von Rakkas tiefster Verzweiflung hört sie den Ruf einer Krähe, die auf der Spitze eines benachbarten Windrades sitzt und zu Rakka herüber blickt. Der Vogel fliegt zum nächsten Windrad - und blickt wieder zu Rakka hinunter. Erinnerungen von Vögeln schießen durch Rakkas Kopf - der Tag, als die Tooga in die Stadt kamen; die beiden Vögel, die heute vormittag auf dem Weg zur Stadt auf Rakka herabblickten...
Die tiefen Sorgenfalten auf Rakkas Stirn glätten sich. Eine der stärksten Triebfedern von Rakka wurde aktiviert: Ihre Neugier.
| Rakka: | Er ruft mich!? |
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Zwei Krähen steigen auf und fliegen gemeinsam davon - genau wie damals, als Kuu ihre Freundinnen verließ...
| Rakka: | Dort liegt der Westwald. |
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Ohne einen Moment zu überlegen, läuft Rakka den beiden Vögeln hinterher. Sie hat alles vergessen, was sie gerade noch bedrückte - sie hat den "Tunnelblick", der sie weder links noch rechts blicken und auf keinerlei Gefahr achten läßt. Sie läuft quer über die Felder, wie in Trance...
Am Waldrand hält Rakka an. Plötzlich hört sie die weit tragende, klangvolle Turmglocke von Old Home. Rakka blickt hinüber zum Gebäude von Old Home, das ganz in der Nähe liegt; einen Moment lang zögert sie - dann wendet sie sich um und geht einen Pfad in den Wald hinein. In diesem Moment hat sie alles hinter sich gelassen, um dem Ruf dieses Vogels zu folgen.
Rakka marschiert durch den Wald, begleitet vom Klang der Turmglocke - auch bei Rakkas erstem Aufenthalt im Westwald war es der Klang dieser Glocke gewesen, der den Haibane die Richtung gewiesen hatte. Sie klettert über einen umgefallenen Baumstamm und stolpert beinahe mit ihren Holzschuhen... dann entdeckt sie die Krähe wieder, die nur wenige Meter vor ihr auf der Wurzel eines Baumes sitzt. Wieder fliegt der Vogel vor ihr her - und verschwindet im Dunkel des Waldes.
| Rakka: | Er meint tatsächlich mich. |
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Rakka klettert eine Böschung hinauf - und blickt auf einen finsteren, verlassenen Pfad. Der Klang der Glocke ist nur noch ganz leise zu hören - leiser als das Tropfen von Wasser.
Schließlich erreicht Rakka eine Lichtung mit einem Brunnen. Sie atmet aus, und ihr Atem ist deutlich sichtbar:
| Rakka: | Irgendwie fühlt die Luft sich anders an... |
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Übrigens ist nicht nur die "Stimmung der Luft" (Atmosphäre, "kuu-ki") hier anders - auch Rakkas Stimmung hat sich auf ihrem Weg von den Windrädern bis hierher erheblich geändert. Später werden wir sehen, daß sie nicht einmal im Brunnen, angesichts ihres wahrscheinlichen Hungertodes, ausflippt. Rakka spürt den beruhigenden Einfluß des helfenden Vogels schon in diesem Moment, ohne die tatsächliche Ursache zu erkennen.
Sechs Krähen sitzen auf dem Rand des Brunnens und dem Gestänge über dessen Öffnung. Als Rakka näher tritt, fliegen alle Krähen auf, aber zwei von ihnen landen nur wenige Schritte von Rakka entfernt auf dem Waldboden.
Rakka blickt in den Brunnen hinab. Auf dem Boden sieht sie etwas Helles, kann es aber nicht genau erkennen.
| Rakka: | Was ist das? |
|---|---|
| Rakka: | Das ist es, was du mir zeigen wolltest? |
| Rakka: | Deshalb hast du nach mir gerufen? |
Rakka muß "der Sache auf den Grund gehen" - buchstäblich, in diesem Falle. Sie steigt über den Rand des Brunnens - beinahe wäre ihr Fuß an der ersten Sprosse der Leiter abgerutscht, und die Geschichte hätte an dieser Stelle ein abruptes Ende genommen. Ihr Sinn für Gefahren ist noch nicht wieder aktiv... langsam steigt Rakka die eisernen Sprossen hinab, während die Vögel ihr von oben zusehen.
Drei Sprossen oberhalb des Bodens ist der helle Gegenstand noch nicht klar zu erkennen. Aber um ihn herum liegt etwas Dunkles - schwarze Federn?
Als Rakka nun ganz hinabsteigen will, bricht die vorletzte, völlig verrostete Sprosse auseinander, und Rakka stürzt gut zwei Meter in die Tiefe.
Auf der Öffnung des Brunnens sitzen mindestens drei Krähen. Und diese haben Rakkas Sturz beobachtet...
Das Geräusch des Regens, gleichmäßig, irgendwie gedämpft. Quietschende Schuhe, ziemlich laut, wie auf Lineoleumboden; die Schritte nähern sich dem Betrachter. Ein metallisches Geräusch - ein Türgriff? Quietschende Angeln - eine Tür wird geöffnet. Sofort wird das Geräusch des Regens lauter. Leise, gedämpfte Schritte, wie auf schlammigem Untergrund, entfernen sich vom Betrachter. Der Regen wird stärker. Ein zweites Mal das Geräusch der Türe... und der Regen wird noch stärker... das helle Licht auf dem Bildschirm wird immer größer.
Spekulation: Dies ist Rakkas Todesszene. In Episode 1 haben wir dasselbe "Licht am Ende des Tunnels durch Wasser" gesehen, danach den Vogel, zuletzt Rakkas Fall und Ankunft in Guri. In der Nähe des Flusses (und immer nur dort) erwähnt Rakka in Episode 12, daß dessen Geruch sie an etwas erinnert. Am Ende das Vorspanns sehen wir Rakka (ohne Flügel und Halo) schwebend, nicht in einem Kokon voller Flüssigkeit, sondern versunken in einem See oder Fluß. Der dreiteilige Titel von Episode 9 bezeichnet Rakkas Rückkehr aus dem Brunnen als "Wiedergeburt" - also muß sie vorher gestorben sein. Der Vogel könnte jemand gewesen sein, der im letzten Moment Rakka vor dem Ertrinken zu retten versucht hat, oder ein Sanitäter (Wiederbelebungsversuch?) Die Szene könnte also folgende Ereignisse beschreiben: Das einsame Mädchen Rakka, überzeugt davon, daß sie allein ist und niemand sich um sie kümmert, läuft während eines Unwetters davon. Vielleicht wird sie von einer Flut überrascht; vielleicht fällt sie in einen vom Regen angeschwollenen Fluß oder See (in Episode 11 erlebt sie an ihrem Arbeitsplatz eine ähnliche Szene - aber diesmal überlebt sie). Sie kämpft, aber dann gibt sie auf: "Es wäre am besten, wenn ich einfach verschwinden würde." Dasselbe Gefühl hat sie nun ebenfalls. Der Vogel dürfte jemand gewesen sein, der vergeblich versuchte, sie zu retten (und vielleicht sogar selbst bei diesem Versuch ums Leben kam).
| Rakka: | Es wäre am besten, wenn ich einfach verschwinden würde. |
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Rakka fällt, mit dem Kopf nach unten.
| Rakka: | Diesen Traum kenne ich doch irgendwoher... |
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Rakka ist sich ihres deja-vu bewußt.
Aber diesmal hat sie bereits Halo und Flügel (mit schwarzen Flecken), sie trägt Kuus Jacke und einen rechten Flügelschoner.
| Rakka: | Aber es ist kalt... |
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Richtig: Beim ersten Mal war es warm gewesen.
Sie öffnet ihre Hände, und in einer davon liegt eine Feder - eine völlig schwarze Feder. Ein Bild blitzt vor ihrem Auge auf - ein Vogel, der davon flattert...
| Rakka: | Stimmt ja... das war damals. |
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In diesem Moment erinnert sie sich wieder an ihren Kokon-Traum.
Und wieder versucht der Vogel, Rakka am Saum ihres Kittel festzuhalten. Nun sieht Rakka wieder aus wie damals - ohne Flügel und Halo, und in ihrem weißen Kittel. Aber ihre Hände und ihr Gesicht sind schmutzig...
| Rakka: | Das hat doch keinen Sinn. |
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Rakka ist sich bewußt, daß der Vogel nicht kräftig genug ist, um sie zu halten - aber sie zweifelt auch daran, daß sie selbst die Anstrengung des Vogels wert ist.
| Rakka: | Trotzdem... danke. |
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Rakka spürt, daß der Vogel versucht, für sie da zu sein - ein Gefühl, daß sie lange schmerzlich vermißt hatte. Doch nun ist es zu spät...
Der Vogel läßt los, und schwarze Federn fliegen durch die Luft... Rakka stürzt mit enormer Geschwindigkeit dem Boden entgegen.
In diesem Moment wechselt die Person des Betrachters wieder: Bisher hatte Rakka ihren vorherigen Traum noch einmal erlebt. Doch diesmal wird ihr Traum fortgesetzt, und das Mädchen, das nun fällt, ist die jetzige Rakka - mit Flügeln, Halo und aktueller Kleidung. Als die Wolken aufreißen, befindet sie sich direkt über der Öffnung eines Brunnens...
Rakkas Körper ist jedoch im Vergleich zu Brunnen und sonstiger Umgebung viel zu klein. Ich denke, sie symbolisiert in diesem Moment bereits den Samen, der von oben herabschwebt in ein anderes Gebilde, das ebenfalls von einer runden Steinmauer umgeben ist wie der Brunnen: Die Stadt Guri. Rakkas Sturz in den Brunnen ist also ein Symbol ihrer Wiedergeburt.
Rakka erwacht auf dem Boden des Brunnens - schlafen auf hartem Untergrund ist sie mangels eigenem Bett ja inzwischen gewohnt. So ein Halo ist ziemlich praktisch im Dunklen - hier ersetzt er eine Taschenlampe... Sie öffnet ihre Hand, und die zerbröselten Reste der Leitersprosse fallen zu Boden - doch etwas verbleibt in ihrer Hand: Eine schwarze Feder! (In Episode 13 werden wir eine sehr ähnliche Szene noch einmal sehen.) War der Traum etwa real?
Rakka blickt auf - und durch die Finger ihrer Hand erkennt sie, was da Helles auf dem Boden des Brunnens liegt: Ein Skelett! Ängstlich drückt sie ihren Rücken an die Wand des Brunnens... ihr linker Flügel ist immer noch voller Flecken.
Voller Angst steht Rakka auf - da zuckt ein Schmerz durch ihren linken Knöchel, der sie sich beim Sturz (aus knapp 2 Metern Höhe) verstaucht hat. An die Wand gestützt humpelt sie zur Leiter und greift nach der untersten Sprosse (in Kopfhöhe - das wäre eine schöne sportliche Leistung, sich daran hochzuziehen). Aber schon bei der ersten Berührung zerbröselt auch diese Leitersprosse zu feinem Roststaub.
| Rakka: | Verstehe - die muß lange Zeit unter Wasser gestanden haben. |
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Und weil sie nicht aus rostfreiem Edelstahl bestehen, sind die untersten Stufen natürlich im Laufe der Jahre völlig durchgerostet. Wieso hat sie nicht früher daran gedacht, wie gefährlich es sein muß, alleine und ohne Seilsicherung in diesen alten, verlassenen Brunnen zu klettern? Logisch denken kann Rakka durchaus - bloß manchmal tut sie es einfach nicht. Und nun hat sie die Bescherung: Sie kann nicht mehr hinaus, und niemand wird sie in diesem einsamen Brunnen mitten im verbotenen Westwald finden. Ihr Schicksal ist besiegelt...
Rakka sinkt auf dem Boden des Brunnens zusammen. Eigentlich ist ihre Lage verzweifelt... und doch: Als sie den Vogel ansieht, fühlt sie sich eigenartig ruhig:
| Rakka: | Das ist seltsam... |
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| Rakka: | Ich müsste eigentlich Angst haben... |
Genau wie in ihrem Traum - auch damals hätte sie eigentlich Angst haben müssen. Doch damals war sie tot - und auch dort war der Vogel bei ihr.
Rakka kriecht zu den Überresten des Vogels hinüber.
| Rakka: | Bist du es, der mich gerufen hat? |
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| Rakka: | Du hast nun die Form eines Vogels angenommen, aber ich fühle, daß ich dich kenne, von irgendwoher, vor langer Zeit. |
Sie hatte ihn zwischendurch vergessen, mindestens (und wahrscheinlich ziemlich genau) seit ihrer Ankunft in Guri. Erst jetzt, als sie dem Ruf der Krähe folgte, kann sie sich wieder an ihn erinnern, ganz vage...
Noch im Mantel platzt Reki aufgeregt ins Gästezimmer:
| Reki: | Wo ist Rakka? Ist sie schon zurück? |
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Hikari schüttelt den Kopf; Nemu sitzt schweigend am Tisch, Kana auf dem Bett hat den Kopf aufgestützt.
Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß Reki nicht erst in diesem Moment die Nachricht von Rakkas Verschwinden bringt. Möglicherweise hat Reki bereits in der Stadt ihre Mitbewohnerinnen kontaktiert (in der Hoffnung, Rakka dort irgendwo anzutreffen).
| Hikari: | Was kann ihr bloß zugestoßen sein? |
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Schon der Informationsfluß vom Rakka über den Kleiderhändler und Reki zu Hikari hat sicherlich nicht perfekt funktioniert - aber Hikaris Frage geht darüber hinaus: Normalerweise müßte Rakka längst wieder zuhause sein.
| Kana: | Glaubst du, daß sie...? |
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Kana denkt offenbar sofort daran, wie Kuu das Nest verlassen hat - Reki versteht sofort, was Kana meint. Aber:
| Reki: | Bei Kuu war's anders! |
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| Reki: | Rakka ist nicht... |
| Nemu: | Warst du nicht zuletzt bei ihr, Reki? |
| Reki: | Tut mir leid. Ich war zwar bei ihr... |
Reki hat zweifellos Schuldgefühle. Noch kurz zuvor hatte sie Rakka versprochen, an deren Seite zu sein, und nun...
| Kana: | Rakka ist kein kleines Kind! Sie braucht keinen Aufpasser! |
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Tja, darüber kann man geteilter Meinung sein, liebe Kana. An diesem Tag hätte ein Aufpasser etwas bewirkt - allerdings nicht zwingend etwas Gutes...
| Kana: | Aber sollten wir sie nicht trotzdem suchen? Oder warten wir? |
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Niemand ist sich da so richtig sicher - auch die besonnene Nemu muß erst mal überlegen:
| Nemu: | Es ist ja nicht ungewöhnlich, um diese Zeit noch unterwegs zu sein... |
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| Nemu: | Aber es ist besser, jetzt nach ihr suchen zu gehen, als bis tief in die Nacht hier zu warten und dann die Panik zu bekommen. |
| Nemu: | Auch wenn sich am Ende herausstellt, daß wir uns umsonst Sorgen gemacht haben. |
Kana nimmt das als Startschuß für die Operation:
| Kana: | Also dann... auf geht's! |
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Als einzige steht Reki regungslos, aber mit bedrücktem Gesicht, im Zimmer. Nur ihre alte Gefährtin Nemu bemerkt das - irgendwas muß Reki da wohl auf dem Herzen haben.
| Nemu: | Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass Rakka einfach so wegläuft? |
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Das Problem dabei ist das "einfach so" - wenn Nemu wüßte, was Reki weiß...
| Reki: | Sie ist nicht so dumm wie ich. |
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| Reki: | Aber die Situation ist ähnlich... |
In der Tat ist die Situation viel ähnlicher, als Nemu ahnt: Nicht genug damit, daß beide ihren senpai verloren haben (Reki damals Kuramori, Rakka jetzt Kuu) und entsprechend verzweifelt sind, beide sind auch noch gleichermaßen tsumitsuki...
| Nemu: | ...wie damals? |
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Rekis sieht nun noch bekümmerter aus. Kaum hat Nemu die Frage ausgesprochen und Rekis Gesicht gesehen, da spürt sie, wie weh das ihrer Kameradin getan haben muß:
| Nemu: | Tut mir leid. |
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| Reki: | Schon gut. |
| Reki: | Gehen wir. |
| Rakka: | Tut mir leid, daß ich nicht mehr für dich tun kann. |
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| Rakka: | Ich kann mich nicht einmal mehr an meinen Namen erinnern. |
| Rakka: | Anscheinend geht es allen Haibane so. |
| Rakka: | Deshalb erinnere ich mich nicht daran, wer du bist. |
| Rakka: | Ich weiß nur, daß du jemand warst, der mir viel bedeutet hat. |
| Rakka: | Ich habe mich immer einsam gefühlt. |
| Rakka: | Ich glaubte, niemand würde um mich trauern, wenn ich nicht mehr da wäre. |
| Rakka: | Deshalb wollte ich verschwinden. |
| Rakka: | Aber du warst an meiner Seite. |
Und zwar im entscheidenden Augenblick, wahrscheinlich sogar im Augenblick ihres Todes in ihrer früheren Existenz. Deshalb ist es nur dieser Vogel, der Rakka erlösen kann - während Reki die Chance, im entscheidenden Moment bei Rakka zu sein, auch heute wieder verpaßt hat.
| Rakka: | Du wurdest zu einem Vogel, um die Mauer zu überwinden und mir klar zu machen, daß ich nicht allein war. |
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Das war der "Auftrag", den der Vogel durch seinen toten Körper als "erfüllt" anzeigt. Nur die Vögel sind es, die dazu in der Lage sind - deshalb mußte diese Person zu einem Vogel werden.
Noch sind Rakkas Flügel mit schwarzen Flecken bedeckt. Aber genau in diesem Moment beginnt es zu schneien! Rakka schließt ihre Augen, und alles wird weiß...
| Rakka: | Ich... |
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