Haibane Renmei
Episode 6: Das Ende des Sommers - Regen - Verlust
Der Titel der Episode:
| Titel: | Das Ende des Sommers |
|---|---|
| Titel: | Regen |
| Titel: | Verlust |
Rakka auf der Suche nach einem eigenen Zimmer:
| Rakka: | Das taugt auch nichts. |
|---|---|
| Rakka: | Es ist aussichtslos. |
| Rakka: | Der gesamte Nordflügel ist unbewohnbar. |
Rakka sitzt im Hof und kontrolliert ihren Lageplan:
| Rakka: | Das ist Rekis Zimmer... |
|---|---|
| Rakka: | Und Hikari und Nemu wohnen im Ostflügel, glaube ich. |
Sie scheint beide noch nicht besucht zu haben - Hikari hatte sie damals abgeholt, als beide zum Tempel mußten.
Rakka muß niesen - der Herbst kommt näher, und in ihrem dünnen Kleidchen beginnt sie, zu frieren. Auf dem Balkon sieht sie Kuu stehen, die regungslos in die Ferne blickt:
| Rakka: | Kuu! |
|---|---|
| Kuu: | Guten Morgen! |
| Kuu: | Was machst du da drüben? |
| Rakka: | Das könnte ich dich auch fragen. Es ist noch so früh! |
Kuu besucht Rakka und läßt sie ihre warme Jacke anprobieren:
| Rakka: | Wow! |
|---|---|
| Kuu: | Prima. Sie paßt dir wie angegossen. |
| Rakka: | Bist du sicher, daß du mir die schenken willst? |
| Kuu: | Ja, mir ist sie zu groß, und bald kommt der Winter. |
| Rakka: | Winter? |
| Rakka: | Aber vor ein paar Tagen war es doch noch warm. |
| Kuu: | Der Winter kommt hier sehr plötzlich. |
Interessante Feststellung: Wieso erinnert sich alle Haibane an andere Jahreszeiten als in Guri?
| Kuu: | Deshalb bekommt jeder im ersten Jahr eine Erkältung. |
|---|
In diesem Herbst wird es die alte, erfahrene Nemu sein, die sich eine Erkältung einfängt... "Kälte" / "Wärme" ist ein häufiges Thema in dieser Serie. Die Kraft der Mauer ist im Winter am geringsten, und da sie dem Schutz der Haibane dient, können diese im Winter am leichtesten krank werden.
| Kuu: | Also paß auf dich auf. |
|---|
Das enthält eine Nebenbedeutung des Abschiednehmens. Kuu weiß in diesem Moment, daß sie nicht mehr da sein wird, um auf Rakka aufzupassen. Und vermutlich spürt sie sogar, daß Rakka für mehr anfällig sein wird als nur für Erkältungen...
| Rakka: | Mach ich, danke. |
|---|---|
| Kuu: | Höre auf die Luft! |
"Kuu", die Luft... sehr hübsches Wortspiel.
| Kuu: | Wenn du tief einatmest und es dann in der Nase sticht, dann hat der Winter begonnen. |
|---|---|
| Rakka: | Aha! |
| Rakka: | Du weißt ganz schön viel, Kuu. |
Rakka ist (mal wieder) schwer beeindruckt.
Kuu sitzt auf Rakkas Bett und entdeckt Rakkas Lageplan von Old Home:
| Kuu: | Was ist denn das? |
|---|---|
| Rakka: | Was meinst du? |
| Rakka: | Ich dachte, es wäre an der Zeit, mir ein eigenes Zimmer zu suchen. |
Hat sie diesen Plan eigentlich selbst gezeichnet? Das wäre gar nicht so einfach, wenn man die entsprechenden Räume nicht kennt.
| Kuu: | Wieso? |
|---|---|
| Rakka: | Dies ist doch das Gästezimmer. |
Nach Kuramoris Abflug und ihrem "Ausflug" hat Reki das Zimmer übernommen. Wahrscheinlich haben alle späteren Ankömmlinge darin ein paar Tage gewohnt, aber nur Rakka ist es, die Reki motiviert, endlich dort auszuziehen... eine der vielen Funktionen von Reki, in denen Rakka in dieser Serie Rekis Nachfolgerin wird.
| Rakka: | Es ist so gemütlich hier, daß ich faul werden würde, wenn ich hier bliebe. |
|---|---|
| Kuu: | Was für eine Disziplin! |
| Kuu: | Rakka, ich sehe, du bist flügge geworden. |
Kuus Definition von "erwachsen" ist ausgezeichnet. Sie selbst, deren Tag des Abschieds unmittelbar bevorsteht, ist allerdings in diesem Moment die "erwachsenste" aller Haibane von Old Home, ungeachtet ihres Aussehens.
| Rakka: | Das verdanke ich meinem guten senpai. |
|---|
Wir haben nur wenige Szenen in dieser Richtung gesehen - aber Kuu ist für Rakka sehr wichtig geworden (und Rakka auch für Kuu, wie wir weiter unten sehen werden).
Rakka bewundert ihre neue Jacke im Spiegel, aber Kuu möchte das Thema "Wohnungssuche" gerne vertiefen - da ist noch etwas, das sie erledigt haben will:
| Kuu: | Hast du schon ein Zimmer gefunden, das dir gefällt? |
|---|---|
| Rakka: | Nein. Die sind alle so staubig, daß ich gar nicht erkennen kann, ob sie etwas taugen. |
Kuu setzt sich an den Tisch und schreibt etwas auf Rakkas Lageplan - Rakka wird das erst viel später bemerken. Offenbar hat Kuu immer einen eigenen Stift dabei. Später werden wir sehen, daß sie ihre Frösche damit beschriftet haben könnte.
| Kuu: | Ich muß jetzt gehen. |
|---|
In der Tat - Kuu wird Old Home in dieser Episode verlassen. Noch weiß das aber niemand...
| Rakka: | Was? |
|---|---|
| Rakka: | Es ist bald Zeit für's Frühstück! |
| Kuu: | Ja, aber ich muß heute noch viel erledigen. |
Kuu verläßt Rakkas Zimmer - und ihr Halo verblaßt dabei nahezu. (Die Szene wird dreimal wiederholt - Holzhammermethode...)
Nun wissen wir auch, wieso Kuu sich erst kürzlich eine neue Mütze gekauft hat - dieses Verblassen dürfte ihr selbst auch aufgefallen sein (vielleicht morgens im Spiegel?), und das wollte sie verheimlichen (so wie Hyouko die Existenz seines Halo). Und daß Kuu diese Mütze an diesem Tag nicht trägt, bedeutet, daß Kuu Rakka diesen Effekt absichtlich zeigt! Sie hätte problemlos verheimlichen können, was mit ihr los ist.
| Rakka: | Kuu... |
|---|
Rakka hilft Reki in der Küche. (Sie stellt vier Teller auf den Tisch - für Reki, Nemu, Hikari und sich selbst... keinen für Kuu.)
Hier müssen wir ein bißchen raten, was wohl vorher gesagt wurde:
Reki: "Zeit zum Frühstück... hast du eine Ahnung, wo die anderen sind?"
Rakka: "Nein, aber Kuu wird nicht zum Frühstück da sein."
Dann wäre Rekis nächste Zeile:
| Reki: | Ausgerechnet Kuu? |
|---|---|
| Reki: | Dabei gibt es heute Pfannkuchen, weil Kuu unbedingt welche haben wollte. |
| Rakka: | Sie sagte, sie hätte heute viel zu erledigen. |
| Reki: | Was mache ich jetzt mit Kuus Portion? |
| Hikari: | Mach sie doch trotzdem. |
| Hikari: | Wenn sie den Duft riecht, kommt sie bestimmt zurück. |
Nein, Hikari, Deine Prognosen sind nicht der Renner in dieser Episode.
| Reki: | Möglich wäre es. |
|---|
Zur allgemeinen Überraschung beginnt plötzlich die Turmglocke zu läuten. Alle (sogar Nemu) laufen auf den Hof und blicken hinauf zur Uhr (die immer noch auf 08:20 Uhr steht). Reki (mit der Pfanne in der Hand und der Zigarette im Mundwinkel) ist ein Bild für die Götter...
| Kana: | He, Leute! Ich hab's geschafft! |
|---|---|
| Hikari: | Unglaublich! |
| Rakka: | Sie hat sie tatsächlich repariert! |
| Reki: | Jetzt sollte wirklich jeder pünktlich wach werden können. |
Das mürrische "hm" von Nemu ist irgendwie keine echte Überraschung... ;-)
| Rakka: | Das sollten wir feiern! |
|---|---|
| Hikari: | Ja, unbedingt! |
| Kana: | Juhu! |
| Reki: | Hey! |
| Reki: | Komm runter! |
| Reki: | Deine Fans hier wollen deinen Erfolg feiern. |
Reki selbst ist nicht so beeindruckt wie ihre jüngeren Mitbewohnerinnen...
Kurz darauf erscheint Kana im Gästezimmer:
| Kana: | Hey! Die Heldin kehrt im Triumph zurück! |
|---|
Doch eisiges Schweigen empfängt die "Heldin".
| Kana: | Was ist los? |
|---|
Kana blickt in betretene Gesichter. Nemu und Rakka halten sich die Ohren zu...
| Kana: | Wieso zieht ihr alle so lange Gesichter? |
|---|---|
| Kana: | Ich dachte, ihr seid ganz aus dem Häuschen vor Freude! |
Denn das hatte Reki Kana zu verstehen gegeben.
Rakka ist die erste, die Kana auf das Problem aufmerksam zu machen versucht - ganz vorsichtig natürlich...
| Rakka: | Wir fragen uns nur, wie lange die Glocke wohl noch läuten wird... |
|---|
Kana versteht die Anspielung nicht und doziert munter drauf los:
| Kana: | Sie läutet so lange, bis ich den Strom abschalte. |
|---|---|
| Kana: | Aber dann bleibt auch die Uhr wieder stehen. |
| Hikari: | So nützt das aber gar nichts. |
Kana hat "am Markt vorbei entwickelt" - eine Glocke, die ständig läutet, ist natürlich "weniger benutzerfreundlich" als eine, die kaputt ist.
Reki reißt der Geduldsfaden:
| Reki: | Bist du verrückt? Schalte das Ding sofort wieder aus! |
|---|---|
| Kana: | Was?! |
| Kana: | Erst soll ich kommen, dann wieder gehen. Was denn nun? |
| Kana: | Wenn die Glocke so laut und lange läutet, dann werdet ihr wenigstens wach... |
| Reki: | Aber wir werden gar nicht erst einschlafen können! |
Und dann ist "wecken" nicht mehr nötig...
| Kana: | Schon gut. Das war doch bloß ein Test. |
|---|---|
| Kana: | Die eigentliche Arbeit fängt gerade erst an. |
| Reki: | Und so etwas muß sie ausgerechnet am Sonntagmorgen machen... |
| Nemu: | Jetzt bin ich richtig müde. |
Entweder haben die dröhnenden Glockenschläge auf Nemu tatsächlich diese Wirkung, oder sie hat gerade eine prima Ausrede gefunden, keine Hausarbeit machen zu müssen...
Rakka läuft der leicht "angefressenen" Kana hinterher, meldet sich aber vorher ordentlich ab:
| Rakka: | Ich gehe mit, um ihr zu helfen. |
|---|
Die (angeblich an den Glockenmechanismus gekoppelte) Uhr zeigt immer noch 08:20 Uhr - Kana ist anscheinend in Nullzeit den Glockenturm herunter und wieder hinauf gestiegen...
Rakka betritt den Uhrturm. Kana schaltet die Stromversorgung der Uhr ab - damit geht auch das Licht aus. Rakka steht plötzlich im Dunkeln und erschrickt, aber Kana beruhigt sie sofort.
| Kana: | Einen Moment... |
|---|
Kana schaltet ihre Taschenlampe ein. Auf dem Uhr-Mechanismus ist "D.1963" eingraviert - könnte eine Datumsangabe sein ("Anno Domini 1963"; christliche Einflüsse in Japan waren ursprünglich spanisch/portugiesisch). Das würde zur verwendeten Technologie in Guri ganz gut passen.
| Rakka: | Sie hat angehalten. |
|---|---|
| Kana: | Du liebe Güte... |
Kana wundert sich noch darüber, wie Reki sie gerade "zusammengefaltet" hat.
| Rakka: | Tut mir leid für dich. |
|---|
Das ist ja überhaupt der Grund, weshalb sie den Turm hinauf gestiegen ist - um Kana zu trösten. "Helfen" im technischen Sinne kann sie Kana natürlich nicht.
| Kana: | Nicht so schlimm. |
|---|---|
| Kana: | Hätte die Glocke überhaupt nicht geläutet, dann wäre das ein Fehlschlag gewesen. |
| Kana: | Aber daß sie öfter als notwendig geläutet hat, ist aus meiner Sicht ein großer Erfolg. |
Aus Kanas "Techniker-Blickwinkel", der den praktischen Nutzeffekt ausblendet, betrachtet ist das auch nachvollziehbar.
| Kana: | Nett von dir, daß du gekommen bist. |
|---|
Kana versteht, daß Rakka sie trösten will. Überhaupt versteht Kana Rakka ziemlich gut, während beispielsweise Hikari irgendwie keinen Draht zu Rakka findet.
| Kana: | Aber hier kannst du nicht viel helfen. |
|---|---|
| Kana: | Du machst dir höchstens deine Sachen schmutzig. |
Denn Kana hat Rakkas neue Jacke bemerkt:
| Kana: | Das da ist die Jacke von Kuu, nicht wahr? |
|---|
Daß sie jetzt Rakka gehört, weiß Kana noch nicht offiziell - sie könnte auch ausgeliehen sein.
| Rakka: | Äh, ja. |
|---|
Jetzt rät Kana, was offenbar passiert sein muß:
| Kana: | Wenn Kuu sie dir geschenkt hat, dann hat sie es wohl endlich aufgegeben. |
|---|
"Verkauft" fällt aus, und gegen "geliehen" hat Kana sich gerade entschieden - sonst wäre der Schluß, den sie daraus zieht, unzulässig.
| Rakka: | Was meinst du damit? |
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Kana hat das "es" nicht hinreichend spezifiziert.
| Kana: | Das war das erste Kleidungsstück, das Kuu nach ihrer Ankunft hier gekauft hat. |
|---|---|
| Kana: | Sie haßte es, wie ein Kind behandelt zu werden, und bestand darauf, Kleider in derselben Größe zu kaufen wie wir. |
Offenbar gegen den ausdrücklichen Rat von z. B. Reki.
| Kana: | Und sie konnte sie nicht ein einziges Mal tragen. |
|---|---|
| Rakka: | Ich bin nicht sicher, ob sie wirklich meinte, daß ich die Jacke behalten soll... |
Schon vorhin hatte Rakka noch mal extra bei Kuu nachgefragt - aber sie ist immer noch unsicher, was "Sache ist". Sie fühlt ja, daß sie es "eigentlich nicht verdient hat", daß alle so nett zu ihr sind... Rakka zweifelt alles an.
| Kana: | Ich denke, Kuu muß nicht mehr tun, als wäre sie etwas, das sie nicht ist. |
|---|
Das ist der Schlüssel für Kuus Abschied: Sie steht jetzt auf eigenen Füßen, statt sich (nur) an anderen zu orientieren. Und die Anerkennung, welche Rakka ihrem senpai hat zuteil werden lassen, hat zu dieser Entwicklung wesentlich beigetragen - das sind die "Tröpfchen" in Kuus "Becher".
Kanas Bemerkung kann übrigens ziemlich arrogant aufgefaßt werden: "Kuu versucht nicht länger, etwas zu sein, was über ihre Fähigkeiten geht." In diesem Falle wäre die Szene noch viel toller: Kuu versucht nämlich nicht länger, eine Erwachsene zu sein, wie Kana das von sich selbst vielleicht glaubt - nein, sie ist gerade dabei, sich in ein unsterbliches Wesen aus reiner Energie zu verwandeln! Soviel zum Thema "Ambitionen"... Kana ist weit davon entfernt, Kuus aktuellen Zustand zu verstehen.
| Rakka: | Hä? |
|---|
Rakka wird in diesem Moment nur einen Teil verstanden haben - aber sie wird später, beim Putzen von Kuus Zimmer, reichlich Zeit haben, darüber nachzudenken.
Rakka ist wieder auf der Suche nach einem neuen Zimmer - und sie hat noch Kanas Worte über Kuu im Ohr:
| Kana: | Kuu wollte immer so sein wie wir. |
|---|---|
| Rakka: | Tatsächlich? |
| Kana: | Sie wollte auf Rekis Motorroller fahren und ist damit gegen einen Strommast geknallt. |
| Kana: | Als sie Hikaris Brille ausprobierte, ist ihr so schwindelig geworden, daß sie die Treppe hinunter fiel. |
Kuu landet dabei übrigens ziemlich hart auf ihren Flügeln, die das aber überraschend gut aushalten.
| Kana: | Sie ist halt noch ein kleines Kind, das ständig etwas anstellt. |
|---|
Deshalb ist Kana auch so fassungslos, als sie erfährt, daß ausgerechnet dieses Kind Guri früher verläßt als sie selbst!
| Kana: | Aber vielleicht ist sie auf ihre eigene Art und Weise erwachsen geworden. |
|---|
Tja, Kana - genau das ist der Punkt. In ein paar Stunden wirst auch du es verstehen.
| Rakka: | Ich muß auch lernen, auf eigenen Füßen zu stehen! |
|---|
Und Rakka setzt die Suche nach einem neuen, eigenen Zimmer fort.
Rakka probiert den nächsten Raum:
| Rakka: | Hau Ruck...! |
|---|
Mit viel Schwung öffnet Rakka die Türe, welche aus den Angeln fällt und eine Staubwolke aufwirbelt. Rakka greift mal wieder nach ihrem Lageplan - und nun endlich entdeckt sie darauf einen handschriftlichen Vermerk (mit "Frosch-Signatur"!), der sie praktisch ans andere Ende des Bauwerks schicken würde:
| Plan: | Kuus Empfehlung! |
|---|
Rakka marschiert zum nächsten Fenster und versichert sich, daß sie ihren Plan richtig deutet:
| Rakka: | Ich bin hier... |
|---|---|
| Rakka: | Und das ist dort. |
Rakka betritt ihren Kokon-Raum.
Diesmal geht die Türe erstaunlich leicht auf, und der Raum ist ausnahmsweise auch nicht voller Staub und Gerümpel:
| Rakka: | Bin ich hier richtig? |
|---|
Rakka spricht gerne laut mit sich selbst.
| Rakka: | Irgendwie kommt mir der Raum bekannt vor. |
|---|---|
| Kuu: | Das liegt daran,... |
| Kuu: | ...daß du in diesem Zimmer geboren wurdest. |
Kuu hat hier auf Rakka gewartet - sie war fest davon überzeugt, daß Rakka diesen Raum wählen würde.
| Rakka: | Hier wurde ich... geboren? |
|---|---|
| Kuu: | Das hier war dein Kokon-Zimmer. |
| Kuu: | Genau dort, wo du stehst, haben wir einen riesigen Kokon gefunden. |
| Rakka: | Stimmt. |
Sämtliche Spuren des Kokons, insbesondere die Flüssigkeit und sämtliche Beschädigungen der Wände, sind übrigens auf magische Weise verschwunden. Old Home scheint sich bei Bedarf selbst zu heilen.
| Rakka: | Ich glaube, ich erinnere mich. |
|---|---|
| Rakka: | Aber nur ganz verschwommen... |
| Kuu: | Ich erinnere mich an meines auch ein wenig. |
| Kuu: | Deshalb habe ich es als mein Zimmer ausgewählt. |
| Kuu: | Und - wie ist es? Gefällt es dir? |
| Rakka: | Ja. |
Rakka erinnert sich plötzlich an die Szene mit Reki in der Küche:
| Rakka: | Ach ja, wo warst du eigentlich? |
|---|---|
| Rakka: | Du wolltest doch unbedingt Pfannkuchen haben. |
| Rakka: | Reki war ganz schön sauer... |
| Kuu: | Ich habe Reki gebeten, sie mir einzupacken. |
Kuu nimmt ihr Leibgericht als Proviant mit auf ihre Reise - deshalb auch die "Vorbestellung" bei Reki.
| Kuu: | Deine auch. Hier. |
|---|---|
| Rakka: | Oh, danke. |
| Rakka: | Stimmt ja - ich habe das Frühstück auch verpaßt. |
Und Rakka hat Kuu gerade wegen etwas kritisiert, was sie selbst auch getan hat... Kuu kontert souverän:
| Kuu: | Da war Reki ganz schön sauer... |
|---|
Kuu und Rakka lachen herzlich zusammen. Beide wirken völlig entspannt in diesem Moment - so wie Reki und Rakka im Gästezimmer gemeinsam gelacht hatten, als Rakkas Halo-Halter zu Boden fiel.
Draußen ziehen finstere Wolken auf. Kuu tritt ans Fenster. Erneut verblaßt ihr Halo beinahe, und auch ihr Schatten auf dem Boden verschwindet. Bald wird Kuu vollständig verschwunden sein...
Als Rakka ihr folgen will, beginnt Kuu zu sprechen. Rakka zuckt zusammen - so ernst hat sie die kleine Kuu noch nie erlebt:
| Kuu: | In meiner Seele befindet sich ein Becher. |
|---|---|
| Kuu: | Ein schöner, klarer Becher. |
| Kuu: | Ständig fallen kleine Tröpfchen hinein. |
| Kuu: | Tropf... tropf... tropf... |
| Kuu: | ... ganz langsam, aber gleichmäßig - Tag für Tag. |
| Kuu: | Heute fühle ich, daß er bis zum Rand gefüllt ist. |
Kuu ist mit sich "ins Reine gekommen". Und sie tut etwas, was eine Haibane vor dem Verlassen des Nests sonst nie zu tun scheint: Sie verabschiedet sich. (Schon vorher ja auch vom CafeKartie-Besitzer und der Katze.) Wüßte Rakka schon hier, was Reki ihr später erklären wird - wer weiß, was sie dann anrichten würde?
| Rakka: | Kuu... |
|---|
Rakka tritt näher, wagt es aber nicht, Kuus Flügel zu berühren.
| Kuu: | Einige dieser Tropfen sind von dir, Rakka. |
|---|---|
| Kuu: | Dafür danke ich dir. |
Kuu spricht in diesem Moment wie eine Erwachsene. Sie berührt Rakkas Fingerspitzen - dann rennt sie davon.
Vier Geschenke hat Kuu ihrer Freundin Rakka gemacht: Die Jacke, das Frühstück, ein neues Zimmer - und eine Verabschiedung.
| Rakka: | Oh! |
|---|
Kuu verläßt das Zimmer - mit o-bento und Wasserflasche. War das etwa so etwas wie ein Abschied? Betroffen bleibt Rakka zurück - sie fühlt noch die Stelle ihrer Hand, wo Kuu sie berührt hat...
Das Wetter wird immer schlechter. Reki betritt das Gästezimmer, wo Rakka sitzt - immer noch sehr nachdenklich.
| Reki: | Ein Gewitter zieht auf. |
|---|
Reki spürt, daß sie Rakka aufmuntern sollte, und versucht es mit einem Scherz:
| Reki: | Sieht so aus, als ob es regnen würde. |
|---|---|
| Reki: | Und das ausgerechnet an einem Sonntag. |
Rakka wirkt nicht sonderlich erheitert:
| Rakka: | Hm. |
|---|
Reki versucht nun mit Konversation, Rakka auf andere Gedanken zu bringen:
| Reki: | Sag mal, Rakka, ziehst du um? |
|---|---|
| Reki: | Kuu hat mir so etwas erzählt... |
Ich vermute, Reki ist sich nicht sicher, inwiefern sie Kuu wirklich ernst nehmen darf. Kuus Reifungsprozeß, den sie weitgehend in Einsamkeit vollzogen zu haben scheint, ist an den meisten Haibane unbemerkt vorbei gegangen - auch Kana war ja heute überrascht darüber, daß Kuu sich endlich von ihrer Jacke getrennt hat.
Schon die Erwähnung von Kuu ist in diesem Moment eher kontraproduktiv - Rakka denkt sofort wieder an die vorherige Szene zurück:
| Rakka: | Kuu... hat sie sonst noch etwas gesagt? |
|---|---|
| Reki: | Hm? |
| Reki: | Nichts Besonderes. |
Nächster Versuch von Reki:
| Reki: | Ach ja, irgendjemand hat die Küche für mich aufgeräumt - warst du das, Rakka? |
|---|---|
| Rakka: | Nein. |
| Reki: | Wer war es dann? |
| Rakka: | Kuu. |
Immer wieder kehrt das Gesprächsthema auf Kuu zurück... Reki bemerkt das aber nicht.
| Reki: | Kuu? |
|---|---|
| Reki: | Und sie hat keinen einzigen Teller zerdeppert... |
Sensationelle Leistung von Kuu - aber Reki ist mit ihren Gedanken nicht bei der Sache.
Langsam ist Reki mit ihrem Latein am Ende. Ein Tee zur Beruhigung vielleicht? Bei Hikari würde das wirken...
| Reki: | Setz dich doch. Ich mache uns Tee. |
|---|
Reki geht in die Küche... Rakka hält es nicht mehr aus - sie möchte sich ihre Sorge um Kuu von der Seele reden:
| Rakka: | Reki! |
|---|---|
| Reki: | Was ist? |
Aber dann zuckt Rakka doch wieder zurück - darf sie Reki mit so etwas belasten? Und würde sie sich mit ihren vagen Befürchtungen nicht bloß lächerlich machen?
| Rakka: | Ach, nichts. |
|---|
Genau wie vorher, als Rakka wegen ihres unangemeldeten Eindringens in Rekis Zimmer verunsichert war. Das Vertrauensverhältnis zwischen beiden ist noch ausbaufähig...
Reki hat inzwischen den Tee fertig - aber Rakkas Problem hat sie noch nicht erkannt:
| Reki: | Bei so einem Wetter wird jeder schwermütig. |
|---|---|
| Reki: | Oder man hat eine Vorahnung, daß etwas Schlimmes passierten wird |
Unbewußt sagt Reki genau das, was Rakka auf der Seele liegt.
| Rakka: | Ich frage mich, was... |
|---|
Rakka druckst herum - sie weiß immer noch nicht, was sie tun soll. Reki versucht weiterhin, den Grund für Rakkas bekümmerte Miene zu erraten:
| Reki: | Du kannst noch eine Weile in diesem Zimmer wohnen bleiben, wenn dich der Gedanke, allein zu wohnen, nervös macht. |
|---|
Im Gästezimmer würde Rakka nicht so leicht vereinsamen - es wäre fast immer jemand in der Nähe, der sich auch um sie kümmern könnte. Rekis Idee ist nicht schlecht - aber sie trifft nicht den Punkt.
| Rakka: | Nein, das ist schon in Ordnung. |
|---|
Kuus seltsames Verhalten in Rakkas Kokon-Zimmer, das Aufräumen der Küche, der mehrfach verblassende Halo, ihr Proviant, zudem noch diese Szene gestern in der Stadt ("aisatsu"!) - das alles könnte bedeuten, daß...
Rakka muß jetzt einfach Gewißheit haben:
| Rakka: | Sag mal, warum umgibt eine Mauer die Stadt? |
|---|---|
| Reki: | Tja, warum... |
Das hat Reki, die insgeheim Guri als ihr Gefängnis ansieht, sich auch schon oft gefragt. Aber das kann sie Rakka ja nicht in dieser Form ins Gesicht sagen - und schon gar nicht in deren aktueller Verfassung. Also betet sie erst einmal die Standard-Meinung herunter:
| Reki: | Naja, wahrscheinlich, um diesen Ort zu beschützen. |
|---|---|
| Rakka: | Beschützen? |
| Rakka: | Wovor? |
| Reki: | Vor allem, das uns bedroht. |
| Reki: | Vielleicht auch vor allem, was wir nicht wissen sollen. |
Das war nicht gerade geeignet, Rakkas Sorgen zu mildern (was Reki natürlich nicht ahnt).
| Rakka: | Das... |
|---|
Rakka will gerade mit ihrer Befürchtung herausplatzen, als plötzlich ein heller Blitz aufleuchtet, direkt gefolgt von einem gewaltigen Donnerschlag. Rakka schrickt furchtbar zusammen... das Gewitter muß sich direkt über Old Home befinden, wenn Blitz und Donner so dicht aufeinander folgen.
Und das Licht im Gästezimmer geht aus. Zum zweiten Mal an diesem Tag steht Rakka plötzlich im Dunkeln - und sie erinnert sich daran, was beim ersten Mal die Ursache war:
| Rakka: | Ein Stromausfall? |
|---|---|
| Reki: | Es muß ganz in der Nähe eingeschlagen haben! |
Sonst wäre nicht in Old Home die Sicherung rausgeflogen.
| Reki: | Warte hier! |
|---|---|
| Reki: | Hier muß irgendwo eine Taschenlampe sein. |
Aber Rakkas Gedanken sind bei Kuu, die nun da draußen in diesem schrecklichen Unwetter sein muß. Die Unruhe treibt Rakka selbst in dieser unheimlichen Dunkelheit ans Fenster (genau wie Kuu ein paar Stunden zuvor), wo ein Vogel sie ansieht - und sie zu rufen scheint! Dann fliegt er davon - offenbar nach Westen. Rakka läuft aus dem Zimmer in Richtung Südturm des Gebäudes - was wollte dieser Vogel ihr zeigen?
Reki hat das alles nicht mitbekommen:
| Reki: | Rakka, wo willst du denn hin? |
|---|
Rakka läuft durch den dunklen Gang, öffnet trotz des Regens ein Fenster und beugt sich hinaus, um nach Westen blicken zu können. Der Vogel schlägt zweimal laut mit den Flügeln (genau wie der Vogel in Rakkas "Alptraum" in Episode 4) und fliegt geradewegs auf die Mauer zu - und verschwindet dann einfach. Es sieht nicht so aus, als würde er von den Wolken verdeckt werden. Direkt danach sieht Rakka genau in derselben Richtung einen Lichtstrahl vom Boden in die Höhe steigen. Und danach viele aufgeregte Vögel... ob die Kuus Erinnerungen über die Mauer tragen?
Reki hat die Taschenlampe gefunden. Rakka bemerkt gar nicht, wie sie vom Regen durchnäßt wird:
| Reki: | Rakka?! |
|---|
Rakka will nun endlich erzählen, was sie auf dem Herzen hat:
| Rakka: | Die Vögel im Westwald... |
|---|---|
| Reki: | Die sind wohl auch erschrocken. |
| Rakka: | Ich glaube, sie wollten mir etwas sagen. |
Irgendwie ist Reki heute echt begriffsstutzig - oder hat sie angesichts des Gewitters zu viele andere Dinge im Kopf?
| Reki: | Komm rein und trockne dich ab. |
|---|---|
| Reki: | Sonst wirst du dich noch erkälten. |
Reki scheint Rakka in diesem Moment genau für das unselbständige kleine Mädchen zu halten, wie das Kana im Glockenturm beschrieben hatte.
| Reki: | Ich werde mal nach den Kleinen schauen. |
|---|
Denn die sind womöglich auch alleine - höchstens die Hausmutter könnte bei ihnen sein - und deshalb vermutlich noch mehr verängstigt als Rakka. Reki muß Rakka also vorläufig sich selbst überlassen. Was für eine Chance Reki hier verpaßt hat! Das wird Rakkas fortschreitenden Prozeß der Vereinsamung eher beschleunigen.
| Reki: | Bleib in deinem Zimmer. |
|---|
Das letzte, was Reki jetzt brauchen kann, ist, daß alle kopflos durch die Gegend rennen...
Nach einiger Zeit kehrt Reki ins Gästezimmer zurück, wo sich die anderen Haibane in einem solchen Fall zu versammeln pflegen:
| Reki: | Sowas aber auch... einige haben geweint, andere fanden es richtig aufregend. |
|---|---|
| Reki: | Was für ein Chaos. |
Aber nur drei ihrer Mitbewohner sind im Zimmer. Nemu hat vor sich auf dem Tisch eine Kerze. Wieder ist es Rakka, die versucht, Reki anzusprechen:
| Rakka: | Reki... |
|---|
Aber erneut erstickt die Gelegenheit in Routine:
| Reki: | Wo sind Kana und Kuu? |
|---|---|
| Hikari: | Kana schaut nach dem Stromgenerator im Keller. |
| Hikari: | Kuu ist... |
Die ruhigere Nemu kommt ihr zu Hilfe:
| Nemu: | ...nicht hier. |
|---|---|
| Nemu: | Dabei ist sie in so einem Fall sonst doch als erste hier. |
Auch Hikari macht sich ihre Sorgen um Kuu:
| Hikari: | Ich dachte, sie ist vielleicht in die Stadt gegangen, aber... |
|---|
Auf freier Strecke in diesem Unwetter? Keine beruhigende Vorstellung.
Reki trocknet sich ihre Haare ab:
| Reki: | Hoffentlich konnte sie sich irgendwo unterstellen. |
|---|---|
| Reki: | Sie müßte sich schrecklich fühlen, wenn sie auf der Straße unterwegs wäre. |
Die Haibane begreifen immer noch nicht, was passiert ist. Rakka hält es nicht mehr aus:
| Rakka: | Ich gehe sie suchen. |
|---|---|
| Reki: | Suchen gehen? Wo denn? |
Aber Rakka hat bereits den "Tunnelblick", der sie ohne Nachzudenken einem Ziel folgen läßt (eine ihrer wichtigsten Charaktereigenschaften - in Episode 8 wird sie das in höchste Gefahr bringen, aber in Episode 13 wird das entscheidend sein) und läuft aus dem Zimmer.
| Nemu: | Was ist denn mit der los? |
|---|
Nemu ist erstaunt - sie hat Rakka zuletzt (als Arbeitskollegin) recht vernünftig erlebt.
| Reki: | Keine Ahnung. |
|---|---|
| Reki: | Seit heute früh benimmt sie sich wie das Wetter. |
Klar - denn heute früh hat Kuu sich von Rakka verabschiedet! Tja, Reki - das war heute keine Glanzleistung in Sachen Einfühlungsvermögen. Aber auch die anderen Haibane sind immer noch ahnungslos:
| Hikari: | Irgendwie verstehe ich, wie sie sich fühlt. |
|---|
Tja, Hikari, leider irrst du dich... Du verstehst Rakka überhaupt nicht, und zwar in der gesamten Serie nicht.
| Hikari: | Bei diesem Himmel heute kann man ja nicht die Ruhe bewahren. |
|---|---|
| Nemu: | Das Wetter ist wirklich scheußlich. |
| Nemu: | Das ist immer so, wenn der Sommer geht und der Winter kommt. |
| Nemu: | Es ist ganz normal, sich unwohl zu fühlen, wenn die Jahreszeiten wechseln. |
Nemu hält Rakka also für "wetterfühlig" - tja, das war's auch nicht. Aber es ist verständlich, daß sich beim nahenden Winter von Guri alle unbehaglich fühlen, weil die Schutzwirkung der Mauer nachläßt.
| Hikari: | Verstehe. Vielleicht hast du Recht. |
|---|
Reki hat wieder freie Handlungskapazität und wendet sich nun dem nächsten Problem zu: Falls Rakka tatsächlich in den Regen hinaus gerannt sein sollte, dann müßte jemand sie zurück holen.
| Reki: | Ich werde mal nach Rakka sehen. |
|---|---|
| Reki: | Sagt Kana, sie soll hier bleiben, wenn sie zurück kommt. |
| Reki: | Wenn jeder auf eigene Faust durch die Gegend rennt, dann entsteht hier noch das reinste Chaos. |
Reki ist bestrebt, die Kontrolle über die Situation zu behalten - schließlich verlassen sich alle auf sie, wie wir von Kana wissen.
| Nemu: | Alles klar. |
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Die zuverlässige Nemu wird für Reki die Stellung halten.
| Reki: | Oh Mann, dabei habe ich mich gerade erst abgetrocknet... |
|---|
Rekis Aktivitätsschub steckt zumindest Hikari an:
| Hikari: | Und wird sollten inzwischen mal das Bad vorbereiten. |
|---|
Hikari hat keinen Grund, Nemu von der Arbeit auszuschließen. Sie wendet ihren Kopf auch leicht nach links, bevor sie spricht - danach blickt sie ungefähr in Nemus Richtung.
| Hikari: | Falls Kuu klatschnaß nach Hause kommt. |
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Zum zweiten Mal... Hikari ist heute auf dem völlig falschen Dampfer.
(Was mich an eine Szene in Shin Seiki Evangelion erinnert, wo ebenfalls eine [Horaki] Hikari frohgemut ein Lunchpaket für einen gewissen Touji macht, der leider nie wieder ihre Schule besuchen wird. Und alle außer ihr wissen das... - eine der erschütterndsten Szenen der gesamten Serie...)
Glück für Reki: Rakka steht am Eingang von Old Home und starrt in den Regen.
| Reki: | Rakka! |
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Zu diesem Zeitpunkt glaubt Reki noch, Rakka würde Kuu in Richtung Stadt suchen. Zwar hält sie es für Blödsinn, so etwas zu tun, aber nicht für unmittelbar gefährlich - also kann sie zumindest mal darüber nachdenken, wie ein solches Unternehmen ablaufen könnte.
| Reki: | Bei diesem Wetter ist ein Regenschirm nutzlos - da brauchen wir schon Regenmäntel. |
|---|---|
| Reki: | Da bin ich aber erleichtert. |
Rakka ist also nicht weggelaufen - nächstes Problem gelöst. Reki steckt sich "zur Belohnung" eine Zigarette an...
| Reki: | Wenn du einfach so in diesen Regen hinaus gerannt wärest, dann hätten wir am Ende zwei kranke Leute zu pflegen gehabt. |
|---|
Reki geht davon aus, daß Rakka inzwischen zur Besinnung gekommen ist.
| Reki: | Keine Sorge, sie hat sich bestimmt irgendwo untergestellt. |
|---|
Reki versucht, Rakka zu trösten. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: Kuu ist inzwischen stärker als Reki - die braucht jetzt keinen Schutz mehr vor einem solchen Wetter.
Und jetzt endlich findet Rakka die Ruhe, um Reki das zu erzählen, was schon den ganzen Tag auf ihrer Seele lastet:
| Rakka: | Ich glaube nicht, daß Kuu in die Stadt gegangen ist. |
|---|
Das mit der "Stadt in der Stadt" ist übersetzungstechnisch ein ständiges Problem in dieser Serie.
| Reki: | Wieso? |
|---|---|
| Rakka: | Kuu hat dich gebeten, ihr ein bento zu packen? |
| Reki: | Äh, ja. |
| Rakka: | Sie hat auch eine Wasserflasche mitgenommen. |
| Rakka: | Kuu hat sich auf eine Reise vorbereitet. |
Rakka macht das ausgezeichnet: Ruhig und logisch bringt sie Reki auf denselben Gedanken, den sie selbst auch hat. Sie spürt, daß sie nur dann etwas bewirken kann, wenn sie ernst genommen wird.
| Reki: | Reise? |
|---|
Reki horcht sichtlich auf. Was will Rakka ihr da erzählen?
| Reki: | Eine Reise wohin? |
|---|---|
| Rakka: | Anscheinend in den Westwald. |
Rakka hat ja noch mehr Indizien dafür - sie ist noch nicht fertig mit ihrer Beweisführung. Reki fällt (mindestens...) die Zigarette aus dem Mund. Sie versteht sofort, was Rakka andeuten will:
| Reki: | Unmöglich! |
|---|---|
| Reki: | Im Westwald ist die Wirkung der Mauer am stärksten! |
| Reki: | Kuu weiß, wie gefährlich es dort ist. Deshalb... |
Kana platzt dazwischen - auch sie ist sofort völlig aus dem Häuschen:
| Kana: | Kuu ist in den Westwald? |
|---|---|
| Kana: | Ich hatte nicht vor, zu lauschen. |
| Kana: | Die Generatorsicherung ist durchgebrannt. |
| Kana: | Deshalb wollte ich die aus dem Uhrturm verwenden. |
Interessant übrigens, daß Old Home zwei eigenen Stromgeneratoren besitzt (im Haus und im Glockenturm - womit werden die eigentlich betrieben?), statt ans allgemeine Stromnetz der Windmühlen von Guri angeschlossen zu sein.
| Kana: | Aber vor allem... |
|---|
Reki behält die Ruhe: Bisher ist nichts bewiesen. Sie weiß ja noch nicht, was Rakka alles gesehen hat.
| Reki: | Naja, es wäre eine Möglichkeit, weil Kuu noch nicht zurück ist... |
|---|
Aber Kana rechnet mit dem (für sie) Schlimmsten:
| Kana: | Aber wenn das wirklich wahr ist, dann bedeutet das... |
|---|---|
| Reki: | Kana! |
| Reki: | Wir wissen das noch nicht mit Sicherheit. |
Rakka ist dabei beinahe in Vergessenheit geraten:
| Rakka: | Wovon redet ihr? |
|---|
Kana will jetzt Klarheit haben:
| Kana: | Rakka, du warst noch nie im Westwald. |
|---|---|
| Kana: | Wie kommst du darauf, daß sie dorthin ist? |
Endlich hört jemand Rakka zu! Und diese weiß einiges zu berichten:
| Rakka: | Als der Regen begann, wurden die Vögel im Westwald ganz aufgeregt. |
|---|---|
| Rakka: | Als ob sie mir etwas sagen wollten. |
Noch weigert sich Reki, zu akzeptieren, was geschehen ist, und sucht verzweifelt nach einer anderen Erklärung:
| Reki: | Das war wegen des Regens. |
|---|
Rakka widerspricht energisch - sie will sich nicht wieder "unterbuttern" lassen:
| Rakka: | Und danach habe ich ein Licht im Westwald gesehen. |
|---|
Auch Kana sehnt sich immer noch eine andere Erklärung herbei:
| Kana: | Einen Blitz? |
|---|---|
| Rakka: | Nein, das Licht stieg vom Westwald in den Himmel auf. |
Das war die entscheidende Information - Reki ist nun überzeugt, daß Kuu über die Mauer gegangen ist. Später werden wir erfahren, daß auch Hyouko dieses Phänomen zumindest aus Erzählungen kennt; Reki könnte also in ihrer Zeit zusammen mit den Fabrik-Haibane davon gehört haben.
| Reki: | Du hast es gesehen?!?! |
|---|---|
| Reki: | Bist du dir absolut sicher? Kein Irrtum möglich? |
Das war ganz schön heftig, und Rakka ist etwas verschüchtert:
| Rakka: | Ich glaube schon... |
|---|---|
| Rakka: | Aber die Wolken haben es schnell verdeckt. |
Kana kann es nicht fassen: Ausgerechnet die kleine Kuu soll vor ihr Guri verlassen haben?
| Kana: | Das ist nicht wahr! |
|---|
Rakka schrickt zusammen:
| Rakka: | Kana?! |
|---|
Kana wehrt sich verzweifelt gegen die Erkenntnis der Realität:
| Kana: | Ich weigere mich, das zu glauben! |
|---|---|
| Kana: | Das kann einfach nicht sein!! |
Kana rennt davon. Reki hat inzwischen mühsam ihre Fassung wieder gewonnen:
| Reki: | Ich wollte es auch nicht glauben. |
|---|---|
| Reki: | Aber vielleicht hat Kuu uns wirklich verlassen. |
Seitdem Rakka das Licht erwähnt hat, ist Reki überzeugt.
| Rakka: | Was?! |
|---|
Und Rakka selbst erfährt nun als letzte, was tatsächlich passiert ist:
| Reki: | Wenn für Haibane der Tag gekommen ist, das Nest zu verlassen, dann überwinden sie die Mauer. |
|---|
Im Gästezimmer: Kana sucht nach regenfesten Sachen. Nicht Nemu, sondern Hikari ist es, die versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten:
| Hikari: | Reki sagte, wir sollen hier warten. |
|---|---|
| Hikari: | Was ist denn los, Kana? |
Hikari ist doch ziemlich verwundert, daß Kana sich so kopflos benimmt.
| Kana: | Kuu ist zum Westwald. |
|---|---|
| Kana: | Vielleicht kann ich sie noch einholen. |
| Nemu: | Was meinst du damit? |
| Kana: | Sie verläßt uns heute! |
Am Eingang des Gebäudes begegnet Kana den zurückkehrenden Reki und Rakka.
| Kana: | Aus dem Weg! |
|---|
Ich denke, Reki weiß, daß es nutzlos ist, was Kana jetzt noch versucht: Nachdem Rakka das Licht gesehen hat, muß bereits alles vorbei sein.
| Reki: | Nein. |
|---|---|
| Reki: | Nach Sonnenuntergang ist es zu gefährlich. |
| Kana: | Gerade dann dürfen wir Kuu nicht alleine lassen! |
| Reki: | Aber Haibane sind nicht allein, wenn sie ihr Nest verlassen... |
| Kana: | Reki, vielleicht weißt du über Dinge Bescheid, von denen wir keine Ahnung haben. |
Ich bezweifele übrigens, daß Reki in dieser Hinsicht mehr weiß als Kana - sie hat die Gelegenheiten, welche Washi ihr diesbezüglich sicherlich geboten hat, bestimmt nicht genutzt.
| Kana: | Aber für uns ist das nur eine Legende! |
|---|
Interessanter Punkt übrigens. Sowohl Reki als auch Nemu wissen, was Nemu aus den Büchern der Bibliothek erfahren hat. Warum haben beide den anderen nie etwas darüber erzählt? Reki versucht wahrscheinlich, die ganze Angelegenheit zu verdrängen (weshalb ich ihr das "vergessen" der Schlußszene dieser Episode nicht abnehme); Nemu könnte den Mund halten, um ihre Freundin Reki (die das Thema meidet) nicht zu verärgern (und auch, weil das "Verlassen des Nests" von Kuramori unangenehme Erinnerungen für beide aufwecken würde).
| Reki: | Kana, selbst wenn du gehen würdest, gäbe es nichts, was du für sie tun könntest. |
|---|
Kana ist völlig verzweifelt und kann kaum mehr einen klaren Gedanken fassen:
| Kana: | Das ist mir auch klar! |
|---|---|
| Kana: | Aber... ich will sie noch einmal sehen! |
| Kana: | Nur ein letztes mal ihr Gesicht sehen! |
| Kana: | Ist es dir egal, daß du dich nicht von ihr verabschieden kannst? |
| Nemu: | Reki, ist das wirklich wahr, das mit Kuu? |
| Hikari: | Wenn es noch nicht zu spät ist, will ich sie auch sehen! |
Alle Haibane scheinen mehr oder weniger verletzt zu sein, daß Kuu sich nicht von ihnen verabschiedet hat. Rakka sieht das - und muß nun erkennen, wie sehr Kuu sie gemocht haben muß! Das wird den Verlust umso schlimmer für sie machen.
Reki scheint zu spüren, daß sich die anderen Haibane nicht überzeugen lassen. Also versucht sie auf andere Weise, diese von ihrem Vorgaben abzubringen:
| Reki: | Das würde ich auch gerne. |
|---|
Ich vermute, Reki sieht seit dem Licht keine Chance mehr dafür. Sie macht noch einen letzten Versuch, das Unternehmen als zu gefährlich darzustellen:
| Reki: | Aber ohne Führung würdest du aus dem Wald nie mehr hinaus finden. |
|---|
Doch Reki hat das Einfallsreichtum der logisch denkenden Rakka unterschätzt, die - als Jüngste und Unerfahrenste - sofort eine Lösung des Problems parat hat:
| Rakka: | Also brauchen wir bloß einen Bezugspunkt?! |
|---|---|
| Reki: | Rakka? |
Schnell und sicher gibt Rakka ihre Anweisungen - ist es die Angst um Kuu, die sie so über sich hinaus wachsen läßt?
| Rakka: | Kana, die Glocke im Uhrturm! |
|---|---|
| Kana: | Was? |
| Rakka: | Laß sie läuten! |
| Rakka: | Der Generator im Uhrturm funktioniert doch, oder? |
| Rakka: | Dann kannst du sie läuten lassen?! |
| Kana: | Stimmt! |
Kana rennt sofort davon in Richtung Uhrturm. So hat sie wenigstens etwas zu tun, was sie von ihrer Panik ablenkt.
Rakka hat das Kommando übernommen - Reki, selbst zum Teil paralysiert, daß Kuu sie bereits nach so kurzer Zeit verlassen konnte ("Am Ende verlassen mich alle"...), traut ihren Augen und Ohren kaum:
| Reki: | Rakka... |
|---|---|
| Rakka: | Reki, bitte...! |
| Rakka: | Wenn ich jetzt nichts tue, dann werde ich mir das nie verzeihen. |
Und dies zuzulassen wäre etwas, das Reki ihrem Schützling unmöglich antun kann - Reki stellt den Widerstand ein.
Nemu hat begriffen, wie die Sache enden wird (Rakka scheint auch sie überzeugt zu haben) und denkt schon an die Einzelheiten:
| Nemu: | Wieviele zusätzliche Regenmäntel brauchen wir also? Drei oder vier? |
|---|
Nemu kann rechnen: Kana hat schon einen Regenmantel. Rakka und Hikari wollen unbedingt gehen, Nemu selbst wird auch mitgehen (und das weiß sie ;-) das wären dann drei. Nur Reki hat sich noch nicht festgelegt... Nemu fragt Reki also praktisch: "Gehst du nun mit oder nicht?"
Nun also auch noch Nemu... Reki fügt sich in das Unvermeidliche:
| Reki: | Na gut. Dann gehen wir alle zusammen. |
|---|
Reki ist immer noch nicht davon überzeugt, daß das eine gute Idee sei. Aber sie geht natürlich mit - wahrscheinlich erscheinen ihr in diesem Moment weder Kana noch Rakka zurechnungsfähig, und auch Hikari wäre nicht ihre erste Wahl als Vertrauensperson, wie wir wissen.
| Reki: | Aber ihr müßt mir versprechen, euch von der Mauer fern zu halten. |
|---|
In der Tat - wer in Old Home wüßte besser als Reki, was diese Mauer bewirken kann.
Fünf dick vermummte Haibane stapfen durch den Regen des Westwaldes - und Rakka klingen Rekis Worte über den "Tag des Abschieds" im Ohr:
| Reki: | Die Legende erzählt von alten Ruinen tief im Wald. |
|---|---|
| Reki: | Wenn Haibane das Nest verlassen, werden sie dorthin geführt, um die Mauer zu überwinden. |
| Reki: | Niemand weiß vorher, wann dieser Tag kommen wird oder für wen. |
| Reki: | Er oder sie verschwinden einfach plötzlich. |
| Reki: | Niemand weiß, warum das geschieht. |
| Reki: | Haibane, die uns verlassen, sprechen darüber nicht mit den anderen. |
Eine tolle Zeile - mit einer schönen Doppelbedeutung: Vorher wollen sie nicht darüber reden, und nachher können sie nicht mehr...
| Reki: | Seit einigen Jahren hat uns niemand mehr verlassen. |
|---|---|
| Reki: | Und wir hatten auch schon lange Zeit keinen neuen Kokon mehr. |
| Reki: | Es ist viele Jahre her. |
| Reki: | Vielleicht haben wir deshalb vergessen, daß eines Tages... |
| Reki: | ...eine von uns die anderen verlassen muß - so wie heute. |
Das würde bedeuten, daß die Haibane geglaubt hätten, alles würde "für immer" bleiben, wie es ist - so wie Rakka das später gegenüber Reki hofft, welche jedoch weiß, daß "nichts ewig währt"... (Für die Statistik: Kuramoris Abschied war vor 5 Jahren, Kuus Kokon vor höchstens 2 Jahren.)
Reki beschreibt den "Tag des Abschieds" als Verlust - sie selbst hat ihn damals so empfunden. Sie weiß nichts davon, wie Kuu sich in diesem Moment gefühlt haben muß... noch nicht.
Die Haibane erreichen die Ruinen. Irgendwer (Reki?) muß den Weg offenbar kennen - sie suchen jedenfalls nicht ziellos im Wald herum. Aber Kuu ist nirgendwo zu sehen.
| Kana: | Kuu!! |
|---|
Rakka entdeckt einen hellen Schimmer am Ende einer abgebrochenen Treppe und rennt los - aber alles, was sie findet, sind ein ausgebrannter Halo und ein paar Federn. (Der Halo selbst könnte der Mechanismus sein, der eine Haibane in Guri festhält - sobald sie ihn "überwunden" hat, darf sie diesen Ort verlassen. Deshalb bleibt der Halo zurück, anders als die Flügel).
Rakka erinnert sich an Kuus letzte Worte:
| Kuu: | Einige dieser Tropfen sind von dir, Rakka. |
|---|---|
| Kuu: | Dafür danke ich dir. |
| Rakka: | Kuu...! |
|---|
Auf einem Friedhof verabschieden vier Haibane ihre Freundin Kuu in einer schweigenden Zeremonie - Kuus ausgebrannten Halo haben sie mitgebracht.
Nur der hypersensiblen Rakka fällt auf, daß Reki abseits steht - aber sie hört nicht deren Worte:
| Reki: | Alle... verlassen mich irgendwann. |
|---|
Eine Hammer-Szene - die erste in der Serie, die mir bewußt machte, daß Reki die Hauptperson ist, nicht Rakka.
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