Haibane Renmei

Episode 5: Die Bibliothek - Die verlassene Fabrik - Der Anfang der Welt


Der Titel der Episode

Titel:Die Bibliothek
Titel:Die verlassene Fabrik
Titel:Der Anfang der Welt

Nemu an ihrem Arbeitsplatz in der Bibliothek - offenbar kontrolliert sie, ob die Bücher in einem bestimmten Regal vollständig anwesend sind:

Nemu:2211,...
Nemu:..., 12, 13,...
Nemu:..., 14, 15,...
Nemu:..., 16, 17, 18,...
Nemu:..., 19, 20.

Dann hört sie Schritte von Schuhen mit harten Absätzen auf dem Steinboden der Bibliothek:

Nemu:Sumika?
Sumika:Du hast mich erwischt!
Sumika:Woher wußtest du das?
Nemu:Deine Schuhe.
Sumika:Aha.
Nemu:Du solltest keine Absätze tragen. Du könntest damit hinfallen.

Die hochschwangere Sumika nimmt Nemus Fürsorglichkeit eher unverkrampft entgegen:

Sumika:Hey, du redest schon wie meine Mutter.
Nemu:Wie lange kannst du noch arbeiten?
Sumika:Offiziell bis zum Monatsende.
Nemu:Was?
Nemu:Das sind ja nur noch vier Tage...

Nemus Planung für ihr Abschiedsgeschenk an Sumika gerät nun unter Zeitdruck - dabei hat sie ihr Hauptproblem noch nicht gelöst, wie wir später sehen werden.

Sumika:Das ist nur für die amtliche Buchhaltung.

Sumika ist als Bibliothekarin bei einer Behörde der Stadt Guri angestellt, denke ich mal. Tatsächlich wird Sumika ihre Freundin Nemu nicht im Stich lassen:

Sumika:Ich helfe, so lange es geht.
Sumika:Ich kann bloß nichts Schweres mehr heben.
Nemu:Überanstreng dich nicht.
Nemu:Sag mal, bist du gut vorbereitet?
Sumika:Es gibt so viel zu tun...
Sumika:Der Papierkram, der Nachfolger für meinen Job, und so weiter...
Sumika:Ach ja, ist der Chef da?
Nemu:Wahrscheinlich unten.
Sumika:Dann bringe ich das Schlimmste wohl besser zuerst hinter mich...

Und Sumika macht sich auf den Weg zu ihrem Chef.


Rakkas erster Tag in der Bibliothek - sie schiebt einen schweren Wagen voller Bücher und steht ratlos vor einer ziemlich steilen Rampe.

Dort begegnet sie Sumika; diese erkennt Rakka an deren Kennzeichen am Ärmel als Kollegin - und obwohl sie ja eigentlich nichts Schweres heben darf, hilft sie sofort:

Sumika:Bist du eine Freundin von Nemu?
Rakka:Ja, ich heiße Rakka.
Rakka:Ich bin neu hier. Deshalb erlaubt Nemu mir, ihr bei der Arbeit zuzusehen.
Sumika:Ich bin Sumika, die Bibliothekarin. Sehr erfreut!
"yoroshiku" ist eine weniger formelle Form von "yoroshiku onegaishimasu".
Sumika:Obwohl ich nicht weiß, wie lange ich noch hier sein werde.

Sumika freut sich auf die Zusammenarbeit mit einer weiteren Haibane, nachdem sie mit Nemu so gute Erfahrungen gemacht hat.

Sumika:Komm, ich helfe dir!

Die schüchterne Rakka möchte die Hilfe zunächst nicht annehmen:

Rakka:Ach nein, es geht schon...

Aber Sumika kennt das Gewicht des Wagens aus eigener Erfahrung:

Sumika:Das ist doch zu schwer für eine Person! Auf geht's...

Selbst Sumika würde bei diesem schweren Wagen Hilfe brauchen - Rakka braucht sich nicht zu schämen, daß sie es alleine nicht schafft.

Rakka:V... Vielen Dank.
Sumika:Mit "neu hier" meinst du, daß du gerade erst geboren wurdest?
Sumika:Für mich siehst du aber gar nicht wie ein Baby aus.

Klar - Sumika beschäftigt sich derzeit vor allem mit ihrem eigenen Baby.

Sumika:Wie hast du dich gefühlt, als du geboren wurdest?
Sumika:Hattest du Angst?
Rakka:Ich glaube nicht, aber ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern.

Tatsächlich hatte Rakka sehr wohl Angst - aber nur in dem letzten Teil des Traums, den sie vergessen hat.

Rakka:Aber es fühlte sich an, als ob jemand mich in meinem Traum beschützt hat.

Eine ganz wichtige Erkenntnis! Rakka hat zwar ihren Kokon-Traum über den Vogel vergessen, aber zu Beginn von Episode 4 von diesem Vogel geträumt (und bemerkt, daß sie ihn schon mal gesehen haben muß), und jetzt erinnert sie vage sich an das, was der Vogel versucht hat. Die Zuwendung, welche dieser "Vogel" in Rakkas früherer Welt dieser entgegen gebracht hatte, wirkt nach Guri hinein - der Vogel versucht, Erinnerungen über die Mauer zu transportieren.

Interessant auch, daß Rakka ihren Traum auch einem Nicht-Haibane gegenüber nicht als Geheimnis betrachtet. Umgekehrt wird Sumika vermutlich irgendwann mal Nemu nach der Herkunft ihres Namens gefragt und so vom Traum erfahren haben, deshalb muß sie hier nicht deswegen nachfragen.

Rakka:Vielen herzlichen Dank!
Sumika:Ich habe dir zu danken, für deinen Rat.
Rakka:Äh?
Sumika:Worauf ich als zukünftige Mutter achten muß.

Sumika kennt Rakka erst seit einer Minute. Aber sie mag diese neue Haibane bereits so sehr, daß sie diese im Vorbeigehen immerhin schon freundschaftlich streichelt. Generell mögen die Städter von Guri die Haibane, welche sie als Segen der Stadt betrachten - aber entweder Rakka gelingt irgendwie in besonderem Maße, Zuneigung auszulösen, oder Sumika als werdende Mutter findet derzeit alle Babys "süß".


Rakka bringt den Wagen zu Nemu:

Nemu:Hast du den ganz alleine hochgezogen?
Rakka:Eine Frau namens Sumika-san hat mir dabei geholfen.
Nemu:Ah, Sumika. Das ist meine Chefin.
Nemu:Nein, "Ex-Chefin" sollte ich wohl besser sagen.
Rakka:Hm?

Rakka stapelt die neuen Bücher auf den Tisch, während Nemu einen geeigneten Platz dafür im Regal zu bestimmen versucht.

Nemu:All die Bücher haben wir von den Tooga erworben.
Nemu:Deshalb wissen wir nie, welche Bücher wir bekommen oder wann welche eintreffen.
Nemu:Es ist sehr schwierig, sie ordentlich zu archivieren...
Rakka:Die wurden also alle außerhalb der Stadt geschrieben?

Rakka hofft nun natürlich, aus den Büchern zu erfahren, was außerhalb der Stadt ist. Sie hält ein Buch in der Hand, dem dabei eine Ecke abfällt... Nemus Warnung kommt hier etwas zu spät:

Nemu:Und sie sind alle alt, sei also vorsichtig.

Das ist wichtig - es sind also keine aktuellen Nachrichten von draußen zu erwarten.

Nemu:Nur noch 20 Minuten.
Nemu:Ich bringe diese hier zur Reparatur zum Restaurator.
Nemu:Rakka, könntest du bitte die Signaturen aufkleben?
Rakka:Mach' ich.

Die Signaturen sind bereits beschriftet - gibt es ein System, welche Beschriftung auf welches Buch kommt? Hat Nemu Rakka entsprechend eingearbeitet, wie dieses System funktioniert? Oder wird Nemu ihre Listen erst anhand der bereits aufgeklebten Signaturen später aktualisieren?


Rakka beginnt mit dem Aufkleben der Schildchen, aber schon beim zweiten Buch (mit einem schönen bunten Bild auf der Titelseite) fängt sie an, zu schmökern (von rechts nach links, japanisch eben...).

Sumika betritt das Zimmer mit einem Buch in der Hand, zu dem sie Nemu offenbar etwas sagen möchte:

Sumika:Nemu?
Sumika:Oh?

Rakka liest zunächst einmal weiter...


Sumika und Rakka kleben nun gemeinsam die Signaturen auf die neuen Bücher.

Rakka:Danke, daß Sie mir schon wieder helfen.
Sumika:Nicht doch, eigentlich ist das ja mein Job.
Sumika:Übrigens, was hast du vorhin eigentlich so konzentriert gelesen?

Rakka hatte nämlich zunächst gar nicht bemerkt, daß Sumika in der Tür stand.

Rakka:Nichts Spezielles.
Rakka:Ich habe nur gedacht, vielleicht finde ich ein Buch über die Welt draußen...
Sumika:Ach, ich kenne das.

Sumika hat das alles schon hinter sich:

Sumika:Nach so einem Buch habe ich vor langer Zeit auch mal gesucht.
Rakka:Echt? Haben Sie etwas gefunden?
Sumika:Nein, gar nichts.
Rakka:Wer weiß, ob so ein Buch überhaupt existiert...

Sumika läßt ihre Erinnerung wieder aufleben:

Sumika:Weißt du, vor langer Zeit habe ich mal daran gedacht, diese Stadt zu verlassen.
Rakka:Echt?
Sumika:Ich wollte den Anfang der Welt finden.
Rakka:Den Anfang der Welt?
Sumika:Zum Beispiel: Diese Stadt hier existiert heute, weil jemand sie vorher erbaut hat, richtig?
Sumika:Ich wollte auch herausfinden, wie groß diese Welt ist.
Sumika:Ich denke, irgendwo muß es einen Anfang geben, wenn man danach sucht.
Sumika:Den wollte ich finden...

Sumika blickt verträumt in die Ferne... bis sie wieder von der Realität eingeholt wird:

Sumika:Aber ich habe nichts gefunden.
Sumika:Und das Leben in der realen Welt ist viel schöner als das in einem Traum.

Auch in diesem Moment streicht Sumika über ihren Bauch - sie hat als Mutter die Erfüllung eines anderen Traums gefunden.

Sumika:Das Schöne an einem Traum ist, daß er ein Traum bleibt.
Sumika:Aber manchmal denke ich gerne daran zurück...
Sumika:Ach, das Leben ist schwierig!

Der Gong zur Öffnung der Bibliothek ertönt - Sumika und Rakka haben sich "verquasselt" und vergessen, den Ausleiheschalter zu öffnen:

Sumika:Oh, verflixt!!
Rakka:Oh, verflixt!!

Rakka besucht Nemu am Ausleihe-Schalter:

Nemu:Diese Sumika, also wirklich...
Rakka:Tut mir leid...

Rakka hatte eigentlich von Nemu den Auftrag, Bücher zu labeln - statt dessen fing sie an, zu schmökern. Auch wenn Sumika anschließend von sich aus erzählt hat, wie sie früher nach dem "Anfang der Welt" gesucht hat, ist nachvollziehbar, daß Rakka (mal wieder) die Schuld bei sich selbst sucht. Nemu tröstet sie allerdings sofort:

Nemu:Nicht doch, Rakka. Das ist schließlich dein erstes Mal.
Nemu:Sumika ist eine erfahrene Bibliothekarin. Sie sollte...
Sumika:Was sollte sie?
Sumika:Sie sollte anderen mit gutem Beispiel vorangehen?
Sumika:Ja, ja...

So, wie Kana und Oyakata ständig ein wenig "sticheln", sich aber eigentlich blendend verstehen, ist es auch mit Nemu und Sumika. In beiden Fällen ist der Arbeitgeber die größte Hilfe für den Reifungsprozeß der Haibane - eine Art "Bewährungshelfer"?

Sumika:Ich übernehme die Ausleihe.
Sumika:Es wird Zeit für deinen Auftritt als Märchen-Erzählerin.

Nemu liest den versammelten kleinen Haibane (die unter Aufsicht von Reki die Bibliothek besuchen) aus einem Buch vor; bis auf Kana sind auch alle Bewohner von Old Home unter den Zuhörern.

Nemu:Und so wurde der böse Zauberer in einen häßlichen Frosch verwandelt.
Sowohl die DVD als auch charp sagen "Zauberer" statt "Hexe" (beide haben aber "Hexe" im Buchtitel!).
Nemu:Der junge Mann aber kletterte den hohen Turm hinauf, um die Kinder zu retten.
Nemu:Er pflanzte den Samen, den die alte Frau ihm gegeben hatte,...
Nemu:...und sofort wuchsen Ranken empor.
Nemu:Und so konnten der junge Mann und die Kinder sicher nach Hause zurückkehren.
Nemu:Und alle waren glücklich und zufrieden.
Nemu:Ende.

Die Geschichte wird mit lautem Beifall aller (auch der älteren) Zuhörer belohnt:

Kids:Hui! Toll!
Nemu:Hört auf, das ist mir peinlich.

Reki besteht darauf, den Kleinen gutes Benehmen anzugewöhnen:

Reki:Habt ihr euch auch brav bei der Märchen-Erzählerin bedankt?
Kids:Danke schön!!

Reki übergibt die Aufsicht über die Kinder in die Hände ihrer Begleiterinnen:

Reki:Hier hat sich aber wirklich viel verändert.
Reki:Früher herrschte hier so eine akademische Atmosphäre.

Reki scheint also früher (vielleicht vor fünf Jahren?) öfters in der Bibliothek gewesen zu sein, in letzter Zeit aber offenbar nicht mehr.

Nemu:Ja, wir haben uns wirklich viel Mühe gegeben.

Reki fällt ein, daß sie heute ausnahmsweise mal einen Teil ihrer Verantwortung delegieren muß:

Reki:Ach ja, ich muß noch etwas einkaufen.

Reki sagt bewußt nicht, was sie einkaufen will, und wohin sie dafür gehen muß...

Reki:Hikari, kann du die Kinder nach Hause bringen?
Hikari:Klar, kein Problem. Kuu kann mir helfen.
Hikari:Kuu, möchtest Du die Hilfs-Lehrerin sein?

Kuu ist wie so oft begeistert, etwas Verantwortungsvolles tun zu dürfen:

Kuu:Lehrerin? Mach ich!!
Reki:Danke. Bis später.

Hikari und Kuu ziehen mit den Kleinen ab, und auch Reki macht sich auf den Weg zur Tankstelle.

Nemu dehnt und streckt sich - die Märchestunde hat sie offensichtlich angestrengt:

Nemu:Meine Schultern sind ganz verspannt...
Nemu:Wie hält Reki das nur jeden Tag mit diesen vielen Kinder aus?
Rakka:Mir schien es aber, als würde es auch dir Spaß machen mit ihnen.
Nemu:Weil es nur manchmal ist. Jeden Tag könnte ich das nicht...

Rakka wartet auf Nemu und betrachtet neugierig einige alte Bücher - vor allem ein versteinertes Buch mit seltsamen Schriftzeichen.

Im Schaufenster hängt ein Schild:

Schild:Heute
Schild:geschlossen
"Heute geschlossen" klingt, als würde es für den ganzen Tag gelten. Der Kontext der Szene ist aber, daß wir noch am selben Tag sind wie in der vorherigen Szene und Rakka lediglich wartet, daß Nemu endlich aus ihrere Besprechung kommt. "Geschlossen" wäre allein also wohl passender...

Gerade als Rakka das versteinerte Buch (welches wir in Episode 12 noch einmal zu sehen bekommen werden) berühren will, betritt Nemu den Raum:

Nemu:Entschuldige, die Vorbesprechung für morgen hat sich etwas hingezogen.
Rakka:Schon okay. Tut mir leid, daß ich keine große Hilfe war.
Nemu:Und ob du geholfen hast!

Nemu grübelt darüber, wie sie ihren Termin für Sumika einhalten soll:

Nemu:Hm... nur noch vier Tage...
Rakka:Hä?
Nemu:Ich meine Sumika.
Nemu:Ich wollte ihr ein Geschenk machen, aber ob ich das noch schaffe...
Rakka:Was denn? Willst du ihr etwas stricken?

Ein Geschenk der Art, wie Nemu es gemacht hat, kann sie sich in diesem Moment noch nicht vorstellen.

Nemu:Das ist ein Geheimnis!

Denn es ist ein sehr persönliches Geschenk, das sich auf die gemeinsame Vergangenheit von Nemu und Sumika bezieht.

Aber Rakka ist nicht nur neugierig, sie möchte Nemu für die heutige Erfahrung auch aktiv danken können:

Rakka:Ich helfe dir, wenn du mir sagst, worum es geht.
Nemu:Das ist mir ein bißchen peinlich.
Nemu:Hmm... ich gebe dir mal einen Tip:

Interessante Reaktion: Wenn Rakka von selbst herausfindet, was Nemu plant, dann ist es dieser nicht mehr peinlich?

Nemu:"Der Anfang der Welt".
Rakka:Hä?

Auf dem Heimweg erzählt Nemu, was es damit auf sich hat:

Nemu:Vor langer Zeit hatten wir mal ein Buch mit diesem Titel in unserer Bibliothek.
Nemu:Aber es wurde aussortiert.
Nemu:Es war alt und fiel schon auseinander. Nur die ersten paar Seiten waren noch lesbar.
Nemu:Sumika und ich haben uns das Hirn zermartert, um das Ende der Geschichte zu ergänzen.
Rakka:Und weiter?
Nemu:Das war der Tip.
Rakka:Hä?

Naja - es war zumindest ein Recherche-Ansatz. Und Rakka, die Wissenschaftlerin, wird bald beweisen, daß sie mit ihrer Neugier und systematischen Vorgehensweise damit durchaus etwas anfangen kann.


Auf dem Weg durch die Stadt sehen Rakka und Nemu ihre Freundin Reki, welche sie aber nicht bemerkt.

Rakka:Ah!
Rakka:Reki...

Rakka ruft natürlich nach ihrer Freundin...

Rakka:Reki!

... doch diese hört den Ruf nicht und geht weiter.

Rakka:Ist das nicht die falsche Richtung?

Nemu kennt diese Richtung, und ihr Gesichtsausdruck wird besorgt: Dieser Weg führt in einen Teil der Stadt, in den Reki besser nicht gehen sollte. Beide schleichen Reki hinterher.

An der Brücke schiebt ein Mann den Roller zurück zu Reki - diese darf die Brücke offensichtlich nicht überqueren, käme also alleine nicht bis zur Tankstelle und ist an dieser kritischen Stelle jedesmal auf Hilfe angewiesen. (Dennoch hat sie darauf verzichtet, eine ihrer Mitbewohnerinnen um Hilfe zu bitten - typisch Reki...)

Nemu:Ach so, sie kauft Benzin für den Motorroller.

Nemu atmet hörbar auf. Reki zündet sich eine ihrer unvermeidlichen Zigaretten an - und verpaßt es dadurch, diesen Ort rechtzeitig zu verlassen. Denn kurz davor brausen drei Jungs auf Rollern plus Midori als Beifahrerin über die Brücke, und direkt dahinter Hyouko auf seinem Skateboard. Als einziger der fünf hat Hyouko alle sichtbaren Haibane-Kennzeichen getarnt - die Flügel unter einem Rucksack, den Halo unter seiner Kappe.

Factory:Sag ich doch, das ist Reki!

Die Jungs haben die Szene also von weitem beobachtet. (Liegt die verlassene Fabrik direkt jenseits der Brücke?) Midori weiß nicht so recht, was sie von Rekis Anwesenheit hier zu halten hat:

Midori:Was hast du denn hier verloren?

Hyouko geht auf Reki zu - das ist Midori nun überhaupt nicht recht: Hyouko sollte sich besser von Reki fern halten.

Midori:Hyouko!

Die anderen Jungs finden die Szene einfach nur spannend und feuern Hyouko eher noch an:

Factory:Hey, hey!

Hyouko scheint auf Ärger aus zu sein - jedenfalls nimmt er Reki kurzerhand die Zigarette aus dem Mund.

Reki:Was soll das?
Hyouko:Hör auf zu rauchen, du Wahnsinnige! Und fahr kein Motorrad!

Sorgt er sich etwa um Rekis Gesundheit? Das mit dem Motorrad klingt jedenfalls nach reiner Anmaßung, nicht nach Mitgefühl.

Reki:Du bist der Idiot!
Reki:Ich habe die Erlaubnis der Stadt, auf dem Motorroller zu fahren.

Die einstmals so wilde (und immer noch reizbare) Reki läßt sich so etwas nicht bieten: Sie greift nach Hyoukos Kinn und öffnet die Schleife des Bandes, mit dem dessen Mütze befestigt ist. Sofort drückt der Halo die Mütze nach oben. Hyouko greift im Reflex nach seiner Mütze; durch seine Armbewegungen rutschen auch seine Flügel aus der Jacke (wie wir das in Episode 2 bei Rakka auch gesehen haben), und er steht nun quasi "nackt" vor Reki... totale Niederlage! Reki hat Hyoukos "Selbstzerstörungsknopf" betätigt. ;-)

Reki:Blödmann.

Reki braust auf ihrem Roller davon; Rakka und Nemu, halb versteckt hinter einem Laternenpfahl, haben die ganze Szene mit angesehen, ebenso wie Hyoukos Begleiter, die ihre "Show" bekommen haben:

Factory:Das war wohl nichts... Hyouko, der Punkt ging an sie.
Nemu:Komm, laß uns verschwinden, bevor auch wir noch Ärger kriegen.

Nemu hat einen gesunden Sinn für den Rückzug zur rechten Zeit - schon in Episode 2 beim Einmarsch der Tooga durften wir diesen bewundern.

Rakka:Okay.

Auf dem Heimweg erklärt Nemu Rakka, wen sie da gesehen haben:

Nemu:In der verlassenen Fabrik im Ostteil wohnen auch Haibane.
Nemu:Die haben es gut, sie wohnen dort gemischt.
Rakka:Dieser Typ mit der Mütze war also ein Haibane aus der verlassenen Fabrik?
Nemu:Ja, zwischen den beiden ist einiges vorgefallen...
Rakka:Und zwar?
Nemu:Damals wohnten nur Reki, die Kinder und ich im Old Home.

Denn Kuramori war bereits fort.

Nemu:Und Reki war, nun ja - ziemlich wild und durcheinander.

Aus ihrer heutigen Sicht versucht Nemu, Rekis Handlungen zu entschuldigen: "Reki war damals nach dem Verschwinden von Kuramori nicht ganz zurechnungsfähig."

Nemu:Es ist viel passiert, wir haben furchtbar gestritten, und dann ist Reki fortgerannt.

Auch Reki wird in Episode 7 erzählen, sie habe damals schreckliche Dinge zu Nemu gesagt.

Nemu:Ich hörte später, daß sie mit diesem Jungen durchgebrannt ist.

Aus welcher Quelle? Offenbar von den Haibane der Fabrik. Andererseits wird es wohl kaum Midori gewesen sein, die diese Darstellung in Umlauf gebracht hat, wenn sie derselben in Episode 11 so heftig widerspricht.

Rakka:Oh, großartig, durchgebrannt!
Nemu:Mach ihr das bloß nicht nach!

Das mit dem "Nachmachen" werden wir in Episode 8 in einer Unterhaltung zwischen Nemu und Reki noch einmal sehen, als Rakka im Brunnen gefangen ist.

Nemu:Seitdem darf keiner der beiden mehr auf das Gebiet des anderen.

Offenbar eine Verfügung der Haibane Renmei, im Zusammenhang mit der Bestrafung von Reki und Hyouko nach deren Mauerbesteigungsversuch. Wahrscheinlich eher als Schutzmaßnahme für die beiden gedacht (um sie voneinander fern zu halten) denn als wirkliche Bestrafung (wie Reki das empfindet).

Nemu:Ich schätze, mit ein paar Jungs zusammen zu wohnen wäre nicht schlecht...
Nemu:Aber die aus der alten Fabrik mag ich nicht, die sind mir zu ungehobelt.

Sinngemäß meint Nemu vermutlich: "Diese Kerle haben einfach keine Manieren." (Was ziemlich genau das ist, was umgekehrt Midori an Old Home stört, wie wir in Episode 12 sehen werden.) In Episode 10 wird Nemu diese Meinung einer Überprüfung unterziehen müssen.


Das Gästezimmer ist dunkel, die Balkontür geöffnet. In einem offenbar neuen, großkarierten Schlafanzug steht (eine sehr kindlich aussehende) Rakka auf der Veranda und denkt nach:

Rakka:In meiner Erinnerung existiert ein anderes Ich.
Rakka:Nemu und die anderen sagen, das stimmt nicht.
Rakka:Aber ich werde das Gefühl nicht los,...
Rakka:...daß die Stadt meiner Eltern irgendwo auf dieser Welt existiert.
Rakka:Ob dieses Unwohlsein wohl verschwinden wird, sobald die Flügel endgültig ein Teil von mir geworden sind?
Rakka:Jeder hier, sogar die kleine Kuu, hat einen Job und kann für sich selbst sorgen.
Rakka:Aber insgeheim unterstützt alle einander gegenseitig, ohne viel Aufsehen darum zu machen.

Das werden wir in der Szene, wo Reki und Rakka das o-bento für Nemu machen, gleich erleben.

Rakka:Das ist eigentlich ganz normal, aber ich glaube nicht, daß mir das bewußt war, bevor ich hierher kam.

Genau das ist auch der Sinn von Rakkas Aufenthalt in Guri: Sie soll das Leben in einer Gemeinschaft lernen, da sie in ihrem vorherigen Leben sogar im Moment ihres Todes die helfende Hand zurückgewiesen zu haben scheint.

Rakka:Habe ich es verdient, so glücklich zu sein?

Und genau das ist Rakkas Problem: Sie hält sich für unwürdig, niemand mag sie, sie möchte am liebsten verschwinden. Rakkas Selbstzweifel, schon gegenüber Kana erkennbar, verstärken sich zusehends. Dabei hat Kuu noch gar nicht ihr Nest verlassen - noch sind Rakkas Flügel grau...


Am nächsten Tag besucht Rakka wieder die Bibliothek. Nemu gähnt herzhaft...

Rakka:Guten Morgen!
Rakka:Kann ich helfen?

Die Bibliothek scheint der erste Arbeitsplatz zu sein, an dem Rakka mehrere Tage in Folge arbeitet. Mit ihrer Neugier, Intelligenz und Arbeitsmethodik könnte sie eines Tages vielleicht eine prima Bibliothekarin werden (nachdem ihre "Uhrmacher-Karriere" bereits ihr frühes Ende in einem Mülleimer gefunden haben dürfte). Falls Nemu bald nach Ende der Serie Guri verlassen sollte, könnten Rakka und Sumika ein großartiges Team abgeben.

Nemu:Ja, natürlich, aber nicht vor heute Abend.
"sore ya ikedo tsumi yuugata yo"
Rakka:Dann werde ich noch ein wenig nachforschen.
Nemu:Wonach?
Rakka:Nach dem "Anfang der Welt".

Nemu ist überrascht: So viel Eigeninitiative und Selbständigkeit hat sie Rakka offenbar nicht zugetraut. Auch Sumika beobachtet Rakkas Studien:

Sumika:Was ist denn mit der passiert?
Nemu:Das ist ein Geheimnis. Bitte laß sie allein.
Sumika:Hmm...
Sumika:Ach ja, so warst du auch, als du hier angefangen hast.
Nemu:War ich das?

Nemu lächelt - sie scheint sich ihrer Öffnung anderen gegenüber bewußt zu sein. Und ohne Reki wäre Nemu wohl auch schon längst nicht mehr in Guri...

Nemu träumt von der Zeit, als sie und Sumika den "Anfang der Welt" erforschten...

Sumika:Am Anfang der Welt gab es nichts außer einem dunklen Nebel, genannt "Das Nichts".
Nemu:Dann erschien Gott.
Nemu:Allein durch seine Anwesenheit... brachte er Licht...
Nemu:... ähm...
Nemu:... in das Nichts.

Nemu sitzt weinend im Gras unter einem der Windräder; Sumika tröstet sie. Das muß ein Bild aus der Zeit nach Kuramoris Abflug sein, und wahrscheinlich war Reki zu dieser Zeit bereits bei Hyouko. Nemu mußte den Verlust ihrer beiden Mitbewohnerinnen überwinden - und Sumika war ihr dabei zweifellos eine immense Hilfe.

Sumika:Als Gott... hell leuchtend über seinem Haupt... wurde zur Sonne.
Nemu:Das ist zwecklos, es sind einfach zu viele Lücken.
Sumika:Nun, dann müssen wir alles Fehlende wohl selbst ergänzen.

Rakka betritt Nemus Arbeitszimmer, sieht die schlafende Nemu, entscheidet sich dann aber dafür, diese nicht zu aufzuwecken. Und als sie ihr ins entspannte Gesicht blickt, kommt ihr eine Idee... Sekunden danach macht der Gong der Bibliothek Rakkas Entscheidung allerdings obsolet:

Nemu:Oh nein, du sollst mich doch wecken und nicht bloß anstarren.
Rakka:Du sahst so glücklich aus in deinem Traum...
Nemu:Wie waren deine Nachforschungen?
Rakka:Hm, der "Anfang der Welt" ist mir nicht so ganz klar geworden.
DVD: "Prima. Der Anfang der Welt ist sehr interessant." - was mir auch nicht wirklich gefällt. Was ich zu hören glaube, ist: "sekai no hajimari chigi", wobei "chigi" ~ "Unentschlossen[heit], Unschlüssigkeit, Zögern" wäre.
Rakka:So viele Geschichten an so vielen verschiedenen Orten...
Rakka:Aber sie sind alle einander irgendwie ähnlich.
Nemu:Also, die Antwort?
Rakka:Nemu, mir als Tip gleich die Antwort zu geben, das ist nicht fair!
Nemu:Na gut. Aber nicht lachen, wenn du es siehst!
NemuBuch:Der Anfang der Welt
NemuBuch:von Nemu
Rakka:Großartig! Wie hast du das gemacht?
Nemu:Ich habe den Restaurator, der unsere Bücher repariert, darum gebeten.
Nemu:Ich habe mir wirklich Mühe gegeben.
Rakka:Darf ich es lesen?
Nemu:Und du wirst auch wirklich nicht lachen?
Rakka:Natürlich nicht!
NemuBuch:Der Anfang der Welt

Rakka liest, und Nemu sitzt wie auf Nadelkissen in Erwartung der Kritik...

Rakka:Aha...
Rakka:Oh, das war's schon?
Nemu:Mir ist kein passendes Ende eingefallen.
Nemu:Hast du eine Idee?
Rakka:Aber du darfst jetzt auch nicht lachen!
Nemu:Natürlich nicht!

Rakka erzählt ihren Vorschlag für das Ende, und die sonst so ruhige Nemu prustet förmlich los...

Rakka:Du lachst ja doch! Das ist unfair.
Nemu:Meinst du das ernst?
Rakka:Natürlich meine ich das ernst!
Rakka:Mir ging das durch den Kopf, als ich vorhin dein Gesicht beim Schlafen betrachtet habe.
Nemu:Wie gemein von dir! Das ist eine Geschichte über ein Ehrfurcht gebietendes Wesen!
Rakka:Aber es ist dein Buch, also sollte man beim Lesen Nemus Gesicht vor Augen haben.

Jetzt ist Nemu wirklich verärgert - offensichtlich fehlt dieser kindischen Rakka der richtige Blickwinkel für seriöse Literatur:

Nemu:Ich habe doch keine so schlechten Manieren! Wie kannst du nur so etwas von mir denken!

Denn die Verbindung zwischen Nemu und dem Buch, welche Rakka geschaffen hat, basiert nun mal auf der großen Schwäche von Nemu...

Nemu:Ich suche eine Idee mit mehr Würde!

Aber Rakkas Idee wird sich am Ende trotzdem durchsetzen...

Nemu:Und jetzt muß ich noch weitere Überstunden machen...

Kana nimmt Rakka auf dem Fahrrad mit nach Hause.

Rakka:Gott sei Dank! Ich bin so geschafft von den Überstunden.
Kana:Wo ist Nemu?
Rakka:Sie macht noch mehr Überstunden.
Kana:Hä?
Rakka:Sie muß wohl noch mit dem Restaurator sprechen.
Rakka:Beim Arbeiten mit Nemu ist mir klar geworden, wie viel sie leistet, obwohl man ihr das gar nicht ansieht.

Rakka hatte in Episode 4 eine ähnliches Gespräch auf der Heimfahrt mit Kana, welche Rakkas Probleme mit der Arbeitssuche ja zur Genüge kennt.

Kana:Ja, sie erledigt immer ihre Arbeit.
Kana:Deshalb meckert auch niemand, wenn sie mal einnickt.
Rakka:Verstehe...
Kana:Aber es schon erstaunlich...

Kuu hat ihre Tagesarbeit im Cafe Kartie erledigt und erhält als Bezahlung ein kleines Päckchen (keinen Eintrag ins Renmei-Heft!).

CafeKartie:Hier bitte.
Kuu:Danke!
CafeKartie:Tschüß.
Kuu:Ach ja...
Kuu:Leben Sie wohl.

"sayonara" impliziert, daß man nicht erwartet, den anderen (in nächster Zeit) wieder zu sehen! Das ist eine überraschend förmliche Verabschiedung der kleinen Kuu von ihrem täglichen Job. Dem Inhaber kommt Kuus super-förmliche Verabschiedung seltsam vor:

CafeKartie:Laß gut sein, Kleiner - immer locker bleiben.

Der Cafe-Inhaber hält Kuu für einen Jungen - erst später, in einem Gespräch mit Rakka, wird er seinen Irrtum erkennen.


In einer Seitenstraße reicht Kuu einer Katze ein Stück Kandiszucker; diese leckt ein paarmal daran, läuft dann aber davon. Katzen sind eigenwillige Tiere...

Kuu:Hier...
Kuu:Bye bye.

In diesem Moment fahren Kana und Rakka an der Seitenstraße vorbei:

Rakka:Kuu!
Kuu:Oh, Rakka.
Rakka:Was machst du denn da?
Kuu:aisatsu!
Rakka:aisatsu?

aisatsu umfaßt diverse zeremonielle Ausdrücke, insbesondere Begrüßung und Abschied. Rakka macht ziemlich große Augen, während sie über dieses Wort nachdenkt. Ob sie begreift, was das hier bedeuten soll? (Vom Verlassen des Nests weiß sie noch nichts - aber sie wird sich am nächsten Tag, in Episode 6, an diese Szene erinnern.) Bevor Rakka zu einem Ergebnis gelangen kann, hört sie ihre Freundinnen wieder reden. (Den ersten Satz, in dem Kuu vermutlich gefragt hat "Darf ich heute mal fahren?", hat sie offensichtlich verpaßt.)

Kana:Ich sag doch "nein"!
Kuu:Jetzt laß mich doch auch mal...
Kana:Nein, basta!

Tja, viele Gelegenheiten zum Fahrradfahren wird Kuu nicht mehr haben. Ob Kana sich an diese Szene erinnern wird, nachdem Kuu die Stadt verlassen hat?


Am nächsten Morgen in Old Home - der Tag von Sumikas Abschied aus der Bibliothek::

Reki:Guten Morgen!
Reki:Hey, wo ist Nemu?
Rakka:Die schläft noch.
Reki:Und ich dachte schon, Nemu wollte heute mal früher aufstehen und mehr arbeiten...

Rakka protestiert energisch gegen jegliche Unterstellung, Nemu sei faul:

Rakka:Aber sie war gestern abend bis um Mitternacht in der Bibliothek!
Reki:Weshalb? Arbeit?
Rakka:Hmmm... aus privaten Gründen, aber ziemlich wichtig, glaube ich.
Reki:Hä?
Reki:Na, was immer es auch sein mag, sie wird wohl mal wieder bis zur letzten Minute an der Matratze horchen.

Und Reki weiß, was sie jetzt für ihre Freundin zu tun hat...


Reki und Rakka bei der Küchenarbeit. Rakka beobachtet Reki aus dem Augenwinkel; die Ereignisse des gestrigen Tages mit dem Haibane der verlassenen Fabrik ziehen an ihr vorüber. Dabei vergißt sie, was sie eigentlich tun sollte:

Reki:Rakka!
Reki:Dieser Klumpen da... soll das etwa ein Dreieck sein?
Nemu:Oh je!
Nemu:Rakka, ich brauche kein Frühstück.
Nemu:Was denn?

Reki hat Nemus Not-Situation (daß sie zu spät zum Frühstücken aufstehen würde) vorhergesehen (man kennt einander ja schon seit 7 Jahren), und das o-bento ist rechtzeitig fertig geworden:

Reki:PÜnktlich auf die Sekunde!

Reki und Rakka grinsen einander an - die Überraschung für Nemu ist ihnen gelungen. (Wieder ein schönes Beispiel, wie selbstverständlich die Haibane in Old Home einander helfen - siehe Rakkas Balkon-Szene von vorhin.)


Rakka fährt das Rad in Richtung Stadt; Nemu döst auf dem Rücksitz. Im Gepäckkorb des Fahrrads liegt ein Päckchen mit Schleife neben dem Essenskorb.

Nemu:Hoffentlich gefällt es Sumika-san.
Nemu:Wenn sie es doof findet, dann ist es deine Schuld.
Rakka:Warum denn das?
Nemu:Weil du der Co-Autor bist.
Nemu:Dein Name steht mit auf dem Einband.
Rakka:Echt?
Nemu:Jetzt ist es zu spät.

Wofür? Rakka hat doch noch gar nicht dagegen protestiert.

Rakka:Bist du sicher, daß das in Ordnung geht?

Rakka meint vermutlich ungefähr: "Ist mein Beitrag überhaupt wichtig genug, daß ich es verdient habe, als Co-Autor genannt zu werden?" Nemu sieht das völlig pragmatisch:

Nemu:Du bist mit verantwortlich. Sei auf alles gefaßt.
"kakugo shi nasai"
Rakka:Nemu, ich bin sehr glücklich.
Nemu:Das ist Sumika hoffentlich auch.
Rakka:Das wird sie bestimmt sein!

Und in ihrer Vorfreude rauscht die bislang so sicherheitsbewußte Rakka auf dem Fahrrad den steilen Berg hinunter - zum Glück ist Nemu zu müde, das zu bemerken...


Zu Bildern von Guri und der schlafenden Nemu hören wir nun das Ende vom "Anfang der Welt", verfaßt von Nemu und Rakka:

Sumika:Als Gott über seinem Kopf...
Nemu:Als Gott den über seinem Kopf leuchtenden Halo in seine Hand nahm und ihn in die Höhe hielt, wurde er zur Sonne.
Nemu:Da schwenkte der Gott seinen Stab und teilte das Nichts in zwei Hälften.
Nemu:Die eine wurde zum Himmel, und die andere wurde zur Erde.
Nemu:Aber die Trennlinie war nicht gerade, und so entstanden Berge und Täler.
Nemu:Gott sah, daß sein Werk mißraten war, aber er beschloß, es so zu belassen.

Gott steht zu seiner Schöpfung, inklusive der Fehler - das wird Rakka in ihrem Ende auch noch mal aufgreifen.

Nemu:Dann zeichnete Gott Bilder auf die Erde,...
Nemu:...und daraus wuchsen das Gras und die Bäume, und Vögel und Tiere wurden geboren.
Nemu:Dann erdachte der Gott Wesen, die aussahen wie er selbst, und er zeichnete sie.
Nemu:Aber sie sahen ihm zu ähnlich, und deshalb waren sie mißraten.
Nemu:Also färbte Gott ihre Flügel grau, machte ein Loch in ihren Halo, und nannte sie Haibane.
Nemu:Er verschloß sie in einen Winkel seiner Seele.
Nemu:Dann zeichnete Gott Wesen ohne Flügel und Halo und schuf so die Menschen.
Nemu:Er sah, daß sie gut waren. Gott war sehr zufrieden und...

Bis hierhin ist es eine ziemlich traurige Geschichte: Die Haibane sind also ein Fehler der Schöpfung und dem Untergang geweiht? Sieht Nemu ihre eigene Lage so negativ?

Zum Glück findet Rakka die Lösung, wie die Geschichte doch noch gut ausgehen kann:

Rakka:Und er schlief ein.
Rakka:Die Haibane, die hätten verschwinden sollen, konnten aus seiner Seele entfliehen.
Rakka:Als Gott erwachte, schwebten die Haibane bereits durch den Himmel.

Dia Haibane können schweben? Seit wann denn das? Rakka weiß nichts vom "Tag des Fluges"...

Rakka:Aber Gott war sehr nachsichtig mit seinen Fehlern, und er beließ die Haibane in ihrer kleinen Welt.
Rakka:Und so treibt die Stadt Guri noch heute an einem Ort, der weder Land noch Meer ist.

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